Brasiliens starke Frauen im Wahlkampf

Susanne Scholl über die Präsidentenwahl in Brasilien PLUS: Wie ist IHRE MEINUNG zu diesem Thema?

Die eine wird vermutlich die nächste brasilianische Präsidentin werden, die andere wird bei der entscheidenden Wahl eine ebenso entscheidende Rolle spielen. Die eine ist die Wunschkandidatin des bisherigen Präsidenten Lula da Silva, der nach zwei Amtsperioden nicht mehr antreten kann. Dilma Rousseff, die viele Jahre lang an der Seite Lulas gearbeitet hat und als dessen politische Ziehtochter gilt, hat beim ersten Wahldurchgang am vergangenen Wochenende zwar die meisten Stimmen – nämlich rund 47 Prozent – erhalten, muss sich jetzt aber einer Stichwahl stellen. Und das liegt am unerwartet großen Wahlerfolg einer Außenseiterin. Die frühere Umweltministerin Marina Silva hatte sich enttäuscht von der unglaublich erfolgreichen Arbeiterpartei Lula da Silvas abgewandt, weil dieser ihrer Meinung nach viel zu wenig für die Umwelt getan hat. Und landete nach einem offensiven Wahlkampf auf Rang drei hinter Rousseff und deren konservativem Gegenkandidaten José Serra. Serra bekam rund 33 Prozent der Stimmen – gilt aber als farblos und war schon bei der letzten Wahl Lula da Silva unterlegen. Ende Oktober gibt es jetzt also eine Stichwahl zwischen Rousseff und Serra.

Die Umweltaktivistin als Königsmacherin. Zwar bleibt die Wunschkandidatin des bisherigen Präsidenten die haushohe Favoritin – aber Marina Silva ist die Königsmacherin. Denn wer bei der Stichwahl ihre Stimmen bekommt, wird kaum noch zu schlagen sein. Silva, die jüngste der drei Kandidaten, ist sich ihrer Bedeutung für die Zukunft Brasiliens durchaus bewusst. Am Wahlabend gab sie sich zugeknöpft. Vermutlich wird sie sich für eine Wahlempfehlung für Rousseff entscheiden, sicher ist das aber nicht – denn zwischen den beiden starken Frauen Brasiliens herrscht heftiges Konkurrenzdenken. Die Stichwahl kann also noch spannend werden.