Brasilien von

Obdachlose protestieren
vor WM-Stadion

Tausende Menschen machen auf ihr Schicksal aufmerksam

Sao Paulo Proteste © Bild: imago/Fotoarena

Eine Woche vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft (12. Juni bis 13. Juli) haben am Mittwoch Tausende Obdachlose mit einer friedlichen Demonstration auf ihr Schicksal aufmerksam gemacht. Die Bewegung wohnungsloser Arbeiter brachte in Sao Paulo nach Polizeischätzungen 10.000 Menschen auf die Straße.

Die Demonstranten blockierten die Zufahrt zur Arena Corinthians, wo am kommenden Donnerstag (22.00 MESZ) das Eröffnungsspiel zwischen Brasilien und Kroatien stattfinden wird, und forderten von der Regierung mehr Engagement für leistbare Wohnungen, Bildung und Gesundheitsversorgung. Zudem haben die Arbeiter der U-Bahn sowie die Verkehrspolizisten der größten Stadt Südamerikas Streiks angekündigt.

Menschen beklagen Ausgaben für WM

Mit dem nahenden WM-Beginn nahmen auch die Proteste und Demonstrationen in den anderen Regionen Brasiliens zu. Viele Menschen beklagen die hohen Ausgaben für die WM, etwa für Stadien, während im Gesundheits-, Bildungs- und Sozialwesen großer Mangel herrscht. Teilweise eskalierten die Proteste zu gewaltsamen Straßenschlachten wie am 27. Mai vor dem Mane-Garrincha-Nationalstadion in Brasilia, der Hauptstadt des Landes. Dort ging die Bereitschaftspolizei gegen Ureinwohner vor, die sich mit Speeren sowie Pfeil und Bogen zur Wehr setzten.

Schutz des Rechtes auf freie Meinungsäußerung

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) forderte deshalb Brasiliens Regierung auf, während der Fußball-WM das Recht auf freie Meinungsäußerung zu schützen und einen Gewaltmissbrauch der Polizei zu verhindern. Alle Augen der Welt seien auf Brasilien gerichtet und "nicht nur auf den Fußballrasen", sagte Brasiliens AI-Direktor Atila Roque am Donnerstag anlässlich der Übergabe von 87.000 Unterschriften an die Regierung im Rahmen einer Kampagne "Gelbe Karte für Brasilien".

"Das Land hat die Chance zu zeigen, dass es das Recht auf freie Meinungsäußerung und friedliche Demonstrationen in jeder Situation respektiert, auch bei einem so großen internationalen Sport-Event. Wir hoffen, dass die Sicherheitskräfte darauf vorbereitet sind, diese Rechte zu gewährleisten", betonte Roque.

Mit den Unterschriften übergab Amnesty eine Dokumentation über den exzessiven Gewalteinsatz der Polizei bei den im Vorjahr begonnenen Protesten. 2013 waren beim Confed-Cup Hunderttausende in Brasilien auf die Straße gegangen. Die Polizei setzte damals Wasserwerfer, Tränengasgranaten und Gummigeschosse gegen friedliche Demonstranten ein. Es gab zahlreiche Verletzte. Randalierer lieferten der Polizei nächtelang Straßenschlachten.

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