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Brüder im (Un-)Geist

Köln: Neonazis gegen Salafisten. Faschisten beider Seiten ähneln sich.

Inside - Brüder im (Un-)Geist © Bild: NEWS/Herrgott Ricardo
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Was Sonntag in Köln passierte, könnte in abgemilderter Form auch Wien, Linz oder Graz drohen: 3.000 Hooligans („Fußballfans“, denen es eher um Gewalt als um Sport geht) brüllen mit Unterstützung echter Neonazis gegen „Salafisten-Schweine“, für den „nationalen Widerstand“. Die bärtigen Islamofaschisten (Fans einer radikalen Auslegung des Koran) zeigen sich nicht, nur einige Hundert Gegen demonstranten – sowohl gegen die HoGeSa („Hooligans gegen Salafisten“) als auch die Kopfabschneider-Internationale.

Die beiden angeblich unversöhnlichen Seiten agieren ähnlich: Sie rekrutieren meist junge Leute, denen Lebens- und Aufstiegschancen, Halt und Orientierung fehlen. Denen bieten sie scheinbare Sicherheiten: „Rasse“ und/oder „Nation“ die einen, „Religion“, speziell „Allah“ die anderen. Und zwar in einer absolut intoleranten Auslegung, die mit Heimat- oder Gottesliebe nichts zu tun hat. Letztlich mündet diese Interpretation in blankem Faschismus: Ein Mob wird gegen alle Andersdenkenden und -fühlenden mobilisiert, gegen Andersfarbige, -gläubige, -lebende. Im Extremfall werden die dann exekutiert: Die Terrormiliz des IS demonstriert das gerade in Syrien gegen (vor allem auch moslemische) Opfer, der Neonazi Breivik praktizierte das vor drei Jahren in Norwegen. Aus Protest gegen die „Islamisierung Europas“ killte er Dutzende (vor allem auch christliche) Kinder und Jugendliche, aus Protest gegen „westliche Bildung“ entführten eben in Nigeria Islamofaschisten wieder Dutzende Mädchen.

Nicht nur ihre Methoden gleichen sich, auch ihre Angst. Nur wer individuell extrem schwach ist, braucht extrem straffe Haltegriffe, strenge Gruppen, Führer und/oder Götter. Und ist nicht fähig zur Achtung, gar Praktizierung echt starker Werte: Menschenwürde, Toleranz, Demokratie.

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