Boston-Anschlag von

Terror ruft 9/11-Trauma wach

US-Präsident Obama bezeichnet Bombenanschläge bei Marathon als Terrorakt

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    Die Bomben von Boston: Laut Ermittlern wurden die Sprengkörper in Nylontaschen an den Tatort transportiert.

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    Die Ermittler sichern die Überreste der Bomben.

Es sind Szenen, die Erinnerungen wecken: Bilder von dichtem Rauch, schreienden Passanten und hektischen Rettungskräften - Die Bombenanschläge beim Marathon in Boston rufen in den USA das nationale Trauma der Anschläge vom 11. September 2001 wach. Mindestens drei Menschen starben und weit über hundert wurden am Montag verletzt. Obama bezeichnete den Anschlag bereits als einen Terrorakt. "Jedes Mal, wenn Bomben benutzt werden, um unschuldige Zivilisten zu treffen, ist das ein Akt des Terrors", so der US-Präsident. Es sei aber unklar, wer hinter dem Anschlag stehe, sagte Obama am Dienstagvormittag (Ortszeit) in einer kurzen Presseerklärung im Weißen Haus in Washington. Auch Verteidigungsminister Hagel sprach von einem "grausamen Akt des Terrors".

"Was wir nicht wissen ist, wer diese Attacke verübt hat und warum - ob sie von einer ausländischen oder inländischen Terrororganisation geplant und ausgeführt wurde oder ob es die Tat eines bösartigen Einzelnen war", sagte Obama. Er rief seine Landsleute auf, vorsichtig zu sein und nach "verdächtigen Aktivitäten" Ausschau zu halten.

Der Präsident erklärte, die Ermittlungen stünden erst am Anfang. Alles andere sei "Spekulation". "Es wird einige Zeit dauern, jedem Hinweis nachzugehen und festzustellen, was passiert ist", sagte er. "Aber wir werden das herausfinden. Wir werden herausfinden, wer unseren Bürgern Schaden zugefügt hat. Und wir werden sie zur Rechenschaft ziehen."

Erste Reaktionen vorsichtig

Als Präsident Barack Obama gut drei Stunden nach den Detonationen vor die Kameras trat, vermied er es zunächst das Wort "Terrorismus" in den Mund zu nehmen. Außerdem warnte er davor, voreilige Schlüsse zu ziehen. Doch in Obamas Auftritt schwang jene Entschlossenheit mit, mit der Politiker in den USA immer seit dem 11. September 2001 Terrorgefahren entgegentraten. "Wir werden herausfinden, wer das getan hat und warum sie das getan haben", sagte der Präsident mit ernster Miene. "Jedes verantwortliche Individuum, jede verantwortliche Gruppe wird das volle Gewicht der Justiz zu spüren bekommen."

Unter dem Mantel der Anonymität scheuten sich Vertreter des Weißen Hauses schon zuvor nicht, von Terrorismus zu sprechen. Ein ranghoher Mitarbeiter Obamas sagte, dass "jedes Ereignis mit mehreren Sprengsätzen - wie offenbar dieses - ein klarer Terrorakt" sei. Auch im Kongress wurde schnell die Möglichkeit eines Anschlags erwogen. Senatorin Susan Collins sagte etwa, die Explosionen "tragen alle Kennzeichen einer Terrorattacke".

Terrorabwehr in den USA

Kurz nachdem die Explosionen im Abstand von nicht einmal 15 Sekunden die Zuschauerzonen vor dem Zieleinlauf verwüstet hatten, schalteten die USA reflexartig in den Terrorabwehr-Modus. Am Bostoner Flughafen wurde der Verkehr vorübergehend eingestellt, in New York und anderen großen Städten des Landes erhöhten die Behörden umgehend die Sicherheitsvorkehrungen. Der Secret Service sperrte den Touristenbereich vor dem Weißen Haus in Washington ab. "Tödliche Terrorattacke beim Bostoner Marathon", blendete der Nachrichtenkanal CNN ein.

Die Ermittler waren dagegen zurückhaltend. "Das sind strafrechtliche Ermittlungen und mögliche Terrorermittlungen", sagte der leitende Agent der Bundespolizei FBI, Rick DesLauriers. Auch in einer Pressekonferenz am Dienstag nannte DesLauriers noch keine Einzelheiten. "Wir gehen einer Vielzahl von Hinweisen nach", sagte er. "Dies könnte einige Zeit dauern."

FBI will Schnellschüsse vermeiden

Das FBI will offenkundig Schnellschüsse vermeiden - denn spätestens seit dem 11. September 2001 ruft ein Anschlag auf dem Staatsgebiet der USA unweigerlich Spekulationen über eine mögliche Drahtzieherschaft des Terrornetzwerks Al-Kaida oder verbrüderter Gruppen hervor. Die Attacke mit fast 3000 Todesopfern, bei denen Al-Kaida-Anhänger das einst stolze World Trade Center in New York mit gekaperten Passagierflugzeugen zum Einsturz brachten, hat sich tief in die kollektive Psyche des Landes eingegraben.

Das Jahrzehnt nach 9/11 war geprägt vom Krieg gegen den Terrorismus in der Ferne und der Furcht vor einem erneuten Anschlag an der Heimatfront. Mehrfach entgingen die USA einem Attentat. Besonders knapp war es etwa beim sogenannten Unterhosenbomber, der zu Weihnachten 2009 fast ein Passagierflug über Detroit sprengte, und bei dem vereitelten Autobomben-Anschlag im Mai 2010 am New Yorker Times Square. Doch nach der Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden vor zwei Jahren nahm die Terrorangst in den USA nach und nach ab.

Die Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Senat, Dianne Feinstein, hält nun eine Terrorattacke in Boston für wahrscheinlich - es wäre der erste Anschlag auf US-Boden seit dem 11. September 2001. Allerdings sei unklar, ob es sich bei den Tätern um eine ausländische Terrorgruppe handle, sagte Feinstein. Denn die USA haben auch eine Tradition des Inlandsterrorismus: Im April 1995 sprengte der Armeeveteran Timothy McVeigh ein Gebäude von Bundesbehörden in Oklahoma City in die Luft, 168 Menschen kamen ums Leben. Angetrieben wurde er offenbar vom Hass auf die Regierung in Washington.

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