Boston-Anschlag von

Ermittler suchen nach Spuren

Großfahndung nach möglichem Täter läuft: Bomben in Nylontaschen transportiert

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    Die Bomben von Boston: Laut Ermittlern wurden die Sprengkörper in Nylontaschen an den Tatort transportiert.

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    Die Ermittler sichern die Überreste der Bomben.

Auch knapp zwei Tage nach dem Bombenanschlag auf den Boston-Marathon haben die Ermittler noch keine heiße Spur zum Täter. Es gebe weder Bekennerschreiben noch Verdächtige, teilten die Behörden mit. Die Überreste der Sprengsätze - offenbar zu Splitterbomben umgebaute Schnellkochtöpfe - wurden am Mittwoch in einem FBI-Speziallabor untersucht. In Washington wurde in einem Brief an einen US-Senator lebensgefährliches Rizin entdeckt. Es war unklar, ob es einen Zusammenhang mit Boston gibt.

Die Ermittler veröffentlichten Fotos, auf denen Reste von Zündvorrichtungen, Nägel und Kugeln sowie die verbogenen Überreste eines Behälters zu sehen sind. Nach Angaben von FBI-Ermittlungsleiter Richard DesLauriers wurden auch schwarze Nylon-Gewebestücke sichergestellt, die vermutlich von einem Rucksack stammten, in dem die Splitterbombe abgestellt worden sei. Anleitungen für den Bau solcher Bomben seien im Internet zu finden.

Boston-Anschlag: Die Überreste der Bomben.
© Reuters Die Überreste der Bomben.

Chirurgen mehrerer Krankenhäuser berichteten, sie hätten Verletzten Metallkugeln und Nägel herausoperieren müssen. Klinikmitarbeitern zufolge wurden mindestens zehn Opfern Gliedmaßen amputiert. Am Mittwoch schwebten noch 17 Verletzte in Lebensgefahr. Bei dem Anschlag am Montagnachmittag (Ortszeit) waren drei Menschen getötet und 175 weitere verletzt worden. Bis Dienstagabend wurden alle drei Todesopfer identifiziert. Neben dem achtjährigen Martin Richard wurden eine 29-jährige Restaurantangestellte sowie eine chinesische Studentin getötet.

Bomben in Taschen transportiert

Nach bisherigem Erkenntnisstand seien beide Sprengsätze mit schwarzen Nylon-Taschen oder Rucksäcken an die Explosionsorte gebracht worden, sagte DesLauriers. Er berichtete, dass allein in Boston ein 1000-köpfiges Team rund um die Uhr im Einsatz sei. Allein bis Dienstag seien 2000 Hinweise eingegangen. DesLauriers rief die Bürger weiter zu Mithilfe auf. Zugleich betonte er, dass die Ermittlungen weltweit geführt würden. Man werde "bis ans Ende der Welt" gehen, um die Täter zu finden, sagte er.

In allen amerikanischen Großstädten gelten seit dem Anschlag vom Montag erhöhte Sicherheitsvorkehrungen. In New York wurde am Dienstag ein Räumkommando wegen eines verdächtigen Pakets zum Flughafen La Guardia geschickt. Auf dem Flughafen von Boston wurde das Gepäck von zwei Passagieren aus einem Flugzeug geholt. Beide Fälle erwiesen sich als Fehlalarm.

Einer oder mehrere Täter?

Ermittler sprachen von einem breiten Spektrum möglicher Motive. Es sei auch unklar, ob es sich um einen oder mehrere Täter gehandelt habe. Der Zeitpunkt des Angriffs spreche für einheimische Extremisten, die einen mächtigen Staat ablehnten. Am Montag wurde in Massachusetts der Patriots' Day begangen, der an den Unabhängigkeitskrieg erinnert. Am 15. April läuft in den USA zudem die Frist für die Abgabe der Steuererklärung ab. Steuern sind für einige amerikanische Extremistengruppen ein Reizthema.

Nach unbestätigten Berichten wurde unter anderem nach einem dunkelhäutigen Mann gesucht, der mit zwei Rucksäcken am Tatort gesehen worden sein soll.

Gedenkfeiern für Opfer

Hunderte Menschen gedachten am Dienstagabend (Ortszeit) in Boston der Opfer. Mehr als 1000 Menschen versammelten sich in einem Park nahe Martin Richards Haus zu einer Kerzenwache. Auch an anderen Orten in Boston kamen Menschen zum Gedenken zusammen. Zahlreiche Internetnutzer veröffentlichten ein Foto des Achtjährigen, der auf einer Friedenskundgebung ein Plakat mit der Aufschrift "No more hurting people. Peace" (Verletzt keine Menschen mehr. Frieden.) in die Höhe hielt. US-Präsident Barack Obama wollte am Donnerstag in Boston bei einem Gottesdienst für die Opfer eine Rede halten.

Gift-Brief an Senator

In Washington wurde ein Brief an den republikanischen Senator Roger Wicker abgefangen, der nach ersten Erkenntnissen Spuren des tödlichen Pflanzengifts Rizin (Ricin) enthielt. Allerdings seien die ersten Tests nicht eindeutig, so dass weitere Untersuchungen abgewartet werden müssten. Ob ein Zusammenhang mit dem Anschlag von Boston bestehe, könne derzeit noch nicht gesagt werden, erklärte der Vizefraktionschef der Demokraten im Senat, Richard Durbin. Der Vorfall erinnert an die Briefe mit Milzbrand-Erregern, die nach den Anschlägen vom 11. September 2001 im Kongress auftauchten.

Rizin ist in den Samenschalen der Rizinusstaude enthalten und gilt als einer giftigsten Eiweißstoffe, die in der Natur vorkommen. Schon geringste Mengen können tödlich sein.

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