Bosco Verticale von

Grüne Wolkenkratzer

Innovation in Mailand: Rundum mit Bäumen und Sträuchern bepflanzte Hochhäuser

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    Bosco Verticale

    Das Mailänder Architektenbüro Studio Stefano Boeri hat ein neues Wohnmodell entwickelt: Wolkenkratzer, die rundum von Sträuchern und Bäumen umgeben sind.

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    Bosco Verticale

    Die großzügig angelegten Terrassen bieten insgesamt 5.000 Sträuchern und 830 Bäumen Platz. Letztere können bis zu acht Meter hoch werden.

Großstadtdschungel der anderen Art in Mailand: Mitten in der Stadt wird sich bald ein ganzer Wald auftun. Das Besondere daran: Er wächst senkrecht in den Himmel hinein und erreicht dabei eine Höhe von bis zu 112 Meter. Die Rede ist vom "Bosco Verticale", zu Deutsch dem "vertikalen Wald", einem innovativen Wohnmodell, das die Rundum-Begrünung von Wolkenkratzern vorsieht.

Entwickelt wurde das Konzept vom Mailänder Architekturbüro Studio Stefano Boeri. Umgesetzt wird es erstmals in der Nähe der Porta Garibaldi, dem Mailänder Stadttor. Hier werden gerade zwei Hochhäuser gebaut, eines 80 Meter hoch, das andere 112 Meter. Beide ausgestattet mit großzügig angelegten Terrassen, die allesamt bepflanzt werden sollen.

830 Bäume, 5.000 Sträucher
Rund um die Fassade können bis zu acht Meter hohe Bäume gesetzt werden. Insgesamt sollen 830 Bäume und 5.000 Sträucher zum Einsatz kommen. In Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Mailand eruierte das Architekturbüro, welche Pflanzen sich für dieses Projekt eignen. Wichtig ist, dass sie klimatischen Stresskriterien wie Kälte, Wind und Trockenheit standhalten können. Nach zweijähriger Aufzuchtphase im Gewächshaus sind die Pflanzen bereit, lebenslang Höhenluft zu schnuppern.

Jede Menge Vorteile
"Der vertikale Wald hat eine Vielzahl von Vorteilen", erklärt Firmenchef Stefano Boeri. Allein die Schatten spendende Wirkung im Sommer bedeute eine Temperaturabsenkung um zwei Grad Celsius. "Aber in einer verkehrsreichen Großstadt wie Mailand fast noch wichtiger ist, dass die von den Fahrzeugen ausgehenden Feinstaubemissionen und der Kohlendioxidausstoß absorbiert werden." Außerdem werde mithilfe der künstlichen Bewaldung die Lärmbelastung der Bewohner spürbar gelindert. Zusätzlich von Vorteil: In dem sich bildenden Mikroklima siedeln sich nach kurzer Zeit Vögel und Insekten an.

Energie selbst erzeugt
Wie ökologisch das Wohnen im Bosco Verticale ist, lässt sich auch an der Energieversorgung erkennen. Ein Teil des Strombedarfs soll von einer Solarstromanlage auf 500 Quadratmetern zusammen mit Windrädern und geothermischen Sonden gedeckt werden. Die Bewässerung der Bäume und Sträucher erfolgt über Schläuche, die zu den einzelnen Stockwerken führen, und ein im Keller untergebrachtes Becken. Hier wird Brauchwasser gesammelt und in den Kreislauf gepumpt. Überwacht wird die Anlage über ein ferngesteuertes System elektronischer Sonden.