Boote im Mittelmeer von

Auf dem
Irrweg

Christoph Lehermayr © Bild: News/Ian Ehm

Drei Jahre wäre Zeit gewesen, dafür zu sorgen, dass nicht jene Asyl erhalten, die am meisten bezahlen, sondern die, die es am meisten brauchen.

Im Mai 2015, also vor mehr als drei Jahren, stand ich am Hafen von Pozzallo auf Sizilien und beobachtete Boote der Küstenwache beim Einlaufen. Sie waren voll geborgener Schiffbrüchiger. Schon damals landeten täglich solche Schiffe in Italien. Bei den wenigsten der an Land Gebrachten handelte es sich um Flüchtlinge gemäß der Genfer Konvention. Die meisten stammten aus Staaten südlich der Sahara, und sie flohen nicht vor Krieg oder Verfolgung, sondern waren auf der Suche nach dem, was man ein besseres Leben nennt. Ihre Herkunftsländer gelten als korrupt, werden ausgebeutet und sind Opfer einer völlig entglittenen Globalisierung. Kaum einer der meist jungen Männer, die von Bord gingen, würde trotz nicht vorhandener Asylgründe die EU je wieder verlassen. Denn entweder fehlten Rücknahmeabkommen mit ihren Heimatländern, oder sie zogen weiter nach Norden und in die Illegalität. Ich fragte mich damals, wie lange das so weitergehen könnte und welche Folgen es hätte.

Heute weiß ich es. Knapp eine halbe Million Menschen sind seither über das Mittelmeer nach Italien gelangt. Über zehntausend Menschen sind offiziell ertrunken, in Wahrheit wohl noch weit mehr. Sonst aber geschah nichts. Außer Botschaften voller Betroffenheit und Ankündigungen, denen keine Taten folgten. Bis die Italiener wählten und, welch Wunder, der Rechte Matteo Salvini neuer Innenminister wurde. Ohne das Migrationschaos wäre dieser Mann, auf den durchaus die Bezeichnung Rassist zutrifft, nie so weit gekommen. Jetzt handelt er in seinem Sinne und sperrt Italiens Häfen für die Seenotretter der NGOs, deren Boote nun im Wochenrhythmus auf Irrfahrt geraten. Was fragen lässt, wieso es erst so weit kommen musste? Denn in die EU gebracht wurden zuvor weder die Bedürftigsten Afrikas noch diejenigen, die Asyl am meisten bräuchten. Gerettet wurden die, die Schlepper bezahlen konnten, die sie in Gummiboote pferchten und sie zwölf Meilen vor Libyen bewusst in Seenot brachten. Vertrauend darauf, dass private NGOs und Küstenwache ausrückten und als verlängerter Fährdienst in die EU fungierten. Unweigerlich wurden sie so aber zu Geiseln einer Erpressung durch die Schlepper und zu deren besten Werbeträgern für noch mehr Passagiere, deren mögliches Ertrinken diese bewusst in Kauf nahmen.

Drei Jahre wäre Zeit gewesen, um diesen Irrweg zu beenden und Alternativen zu schaffen. Etwa an einem Plan für Afrika zu bauen, der den Handel fairer macht und dort nachhaltig Perspektiven bietet. Und parallel dafür zu sorgen, dass nicht jene Asyl erhalten, die am meisten bezahlen, sondern die, die es am meisten brauchen. Nun liefert Rechtsaußen die Alternativen. Es sind die ihren und nicht mehr die der Wohlmeinenden, aber Untätigen.

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