Boney M.-Star überraschend verstorben: Bobby Farrell in Hotelzimmer aufgefunden

Sänger starb nach Auftritt in Sankt Petersburg Wollte nach Italien, keine Angabe zur Todesursache

Boney M.-Star überraschend verstorben: Bobby Farrell in Hotelzimmer aufgefunden © Bild: APA/DPA/Carstensen

Bobby Farrell, Galionsfigur und Tänzer der Discoformation Boney M., ist überraschend im Alter von 61 Jahren gestorben. Nachdem der Niederländer noch in St. Petersburg aufgetreten war, wurde er am Morgen darauf tot in seinem Hotelzimmer in der russischen Metropole aufgefunden, wie sein Agent John Seine bestätigte. Die Todesursache ist vorerst nicht bekannt, Anzeichen auf äußere Gewalt gab es aber nicht. Nach Angaben von Seine habe sich der Tänzer am Abend zuvor nicht wohlgefühlt und über Brustschmerzen und Atemschwierigkeiten geklagt.

Ein Vertreter der ermittelnden Staatsanwaltschaft von St. Petersburg gab an, Farrell sei von einem Angestellten des Ambassador Hotels morgens tot in seinem Bett gefunden worden. Die Ermittlungen zu den Umständen seines Todes würden fortgesetzt, es soll eine Obduktion geben. Für Seine war der Tod Farrells ein großer Schock. "Vorher hat er noch in St. Petersburg mit der Band ein erfolgreiches Konzert gegeben, bei dem alles normal lief", so der Agent. Am Donnerstag habe der Tänzer vorgehabt, mit seiner Band "Boney M. featuring Bobby Farrell" - einem inoffiziellen Ableger der legendären Discoband - nach Italien weiterzureisen.

Der auf der niederländischen Karibikinsel Aruba geborene Roberto Alfonso Farrell gehörte zu den schillerndsten Figuren der Popszene. Farrell hatte seine Karriere in Holland als Discjockey und Tänzer begonnen. 1976 holte ihn der deutsche Produzent Frank Farian zur Discoformation Boney M., 1976 kam der Durchbruch mit "Daddy Cool". Zahlreiche Nummer-1-Hits wie "Rivers of Babylon", "Brown Girl in the Ring", "Sunny" und "Rasputin" folgten.

Lippen- statt Gesangs-Akrobatik
Unter großem Aufsehen räumte Farian 2003 ein, Farrell habe nicht selbst gesungen, sondern sei vor allem wegen seiner Ausstrahlung und Bühnenpräsenz in die Gruppe geholt worden. Zu berühmten Textzeilen wie "She's crazy like a fool" ("Daddy Cool") bewegte Farrell lediglich die Lippen zu Farians Stimme. Nachdem sich Farrell bald mit seiner Rolle als "Tanzäffchen" neben den Sängerinnen Marcia Barrett, Liz Mitchell und Maizie Williams unzufrieden zeigte, schied er 1982 im Streit aus der Band aus.

Er wurde durch Reggie Tsiboe ersetzt, kehrte jedoch für "Happy Song" 1984 wieder zur Gruppe zurück, weshalb "Eye Dance" 1985 als letztes Album sogar im Quintett veröffentlicht wurde. In den vergangenen Jahren tourten gleich mehrere Gruppen unter dem Namen "Boney M." durch die Lande, darunter fand sich als einzige von Farian autorisierte Gruppe "Boney M. feat. Liz Mitchell". Die von Farrell getragene Boney-M.-Variante sorgte eher mit Skandalen für Aufsehen, als etwa der Sänger 1999 das Konzertpublikum in Saragossa mit "beleidigenden und vulgären Äußerungen" beschimpfte. Farrell lebte bis zuletzt in Amsterdam.

(apa/red)