Wien-Konzert von

Bon Jovi in Wien: Mega-
Stimmung trotz fehlender Stimme

Jon Bon Jovi lieferte den Fans das, was sie wollten - und das funtionierte auch ohne Stimme oder gute Akustik

Bon Jovi Wien © Bild: APA/Pfarrhofer

Jon Bon Jovi und seine Mannen füllten gestern das Wiener Happel-Stadion fast bis auf den letzten Platz und boten den Fans in gut zweieinhalb Stunden genau das, was sie hören wollten. Dass es nicht viel mehr war als das und der Frontmann der verbliebenden New-Jersey-Rock-Truppe nicht gut bei Stimme war, tat der großen Party keinen Abbruch.

Der Startschuss fiel um ca. 20.30 Uhr mit dem 2016-er-Song „This House is Not For Sale“ aus dem gleichnamigen Album. Das Publikum fraß dem inzwischen 57-jährigen Rockstar aus New Jersey („Er ist ja immer noch so schön“ war nicht selten zu hören an diesem Abend) von Beginn an aus der Hand. Nach dem Opener, den zwar viele, aber vermutlich nicht alle, so intus hatten wie andere unzählige Hits aus der über 30-jährigen Karriere Bon Jovis folgte mit „Raise Your Hands“ der erste Kracher, um dann bei „You Give Love A Bad Name“ auch das sitzende Publikum von ihren Stühlen zu reißen – allerdings erst nach Aufforderung des Bandleaders.

Bon Jovi Wien
© APA/Pfarrhofer Jon Bon Jovi gefällt auch sichtlich ergraut den (weiblichen) Fans immer noch

Dienstleistender Rockstar

Bon Jovi haben es einfach, mit ihren Hits alleine können sie den ganzen Abend füllen und auch die nicht so großen Fans sind großteils textsicher. Genauso geschah es dann auch am gestrigen Abend im Happel-Stadion, das sie zum ersten Mal nach ihrem Konzert 2011 wieder besuchten. Es wurde zu einer „Best of“-Show, wie Leader Jon auch in Interviews vorausschickte: „Wir sind ein Dienstleistungsbetrieb und geben den Fans genau das, was sie wollen. Da gibt es keine Selbstverwirklichung. Nur Dienst am Kunden.“ Mag dieser Satz echte Fans und Liebhaber authentischer Konzerten vor den Kopf stoßen, so schien er die 56.000 aus ganz Österreich und Nachbarländern angereisten Fans nicht zu stören.

Video zu "Born To Be My Baby":

© Video: News.at

Wahnsinns-Stimmung

Im Gegenteil, denn sie bekamen eben genau das, was sie wollten. Zu ihrem ersten großen Hit „Runaway“ ließ sich Jon Bon Jovi vom Publikum bitten: „Wenn ihr das hören wollt, müsst ihr jetzt aber sehr lieb sein zu mir.“ Erst als das Geschrei laut genug war, ging es los. Die Kracher ziehen beim Publikum – vorwiegend zwischen 35 und 60 Jahren alt – natürlich, die Stimmung muss man tatsächlich als "bombastisch" beschreiben.

Bon Jovi Wien
© News.at Wahnsinns-Stimmung im Happel-Stadion

Wo bleibt die Stimme?

Verwunderlich ist das vor allem nicht nur ob der oben zitierten etwas niederschmetternden Aussage des Frontmannes, der neben Drummer Tico Torres und Keyboarder David Bryan das einzige Mitglied aus der Stammbesetzung ist (Gitarrist Richie Sambora wurde leider 2013 aus der Band geworfen). Sondern Jon Bon Jovi fehlt an diesem Abend hörbar die Stimme. Die Töne wollen nicht so recht herauskommen, die Bandmitglieder und auch ein noch nie da gewesener Backgroundsänger (Percussionist Everett Bradley) müssen den Frauenschwarm singkräftig unterstützen. Dazu kommt eine Akustik, die eher einen wilden Soundbrei liefert als wohltuende Klänge. Eine Absicht dahinter, um die fehlende Stimme zu übertönen, bleibt reine Mutmaßung. Interessanterweise gelangen gerade die Balladen wie etwa "Bed Of Roses" stimmlich etwas besser.

Bon Jovi Wien
© News.at Von links: Gitarrist Phil X (statt Richie Sambora), Keyboarder David Bryan, Backgroundsänger Everett Bradley, der Jon Bon Jovi stimmkräftig unterstützen musste und Musikproduzent John Shanks an der Gitarre

Egal, die Party läuft

Wett machen will Jon Bongiovi (so sein bürgerlicher Name, inzwischen mehr Geschäftsmann als Musiker) sein Manko mit seinem ihm stets zugeschriebenem Sex-Appeal, Hinternwackeln inklusive. Aber vor allem sein Lächeln mit den blitzenden weißen Zähnen wird immer wieder eingesetzt, um musikalische Schwächen zu übertünchen – und es funktioniert. Dem Publikum war der Soundbrei ohne Stimme egal. Und irgendwie doch auch gut so, denn die Stimmung passte und so wurde der Gig zwar bestimmt nicht das Konzert des Jahres aber dennoch eine gute Party, um zu alten Hits - die ja nach wie vor gut sind - zu tanzen und in Nostalgie zu schwelgen.

Das war die Setlist in Wien:

  • This House Is Not For Sale
  • Raise Your Hands
  • You Give Love A Bad Name
  • Whole Lot Of Leavin'
  • Lost Highway
  • Runaway
  • Born To Follow
  • Have A Nice Day
  • Keep The Faith
  • Amen
  • Bed Of Roses
  • Rollercoaster
  • It's My Life
  • God Bless This Mess
  • Wanted Dead Or Alive
  • Lay Your Hands On Me
  • Captain Crash And The Beauty Queen From Mars
  • Bad Medicine
  • These Days
  • Livin' On A Prayer