Bombenexplosion vor schiitischer Moschee in Bagdad: Mehrere Menschen sterben

Insgesamt mehr als 40 Tote bei Anschlägen

Der Irak kommt auch nach dem Amtsantritt der neuen Regierung nicht zur Ruhe. Bei einer Serie von Anschlägen wurden am Dienstag mehr als 40 Menschen getötet, überwiegend Schiiten, wie die Polizei mitteilte. Der folgenschwerste Angriff galt am Abend einer schiitischen Moschee in Bagdad. Mindestens elf Menschen kamen ums Leben, neun wurden verletzt. Nach Behördenangaben war der Sprengsatz an einem Motorrad versteckt, das auf dem Innenhof der Moschee abgestellt war.

Eine Stunde später detonierte eine weitere Bombe vor einer Bäckerei in Bagdad. Dabei wurden drei Passanten getötet und zwölf verletzt. Zuvor hatten mehrere Sprengsätze in der Hauptstadt schon mindestens 15 Menschen in den Tod gerissen und Dutzende verwundet.

In Mosul im Norden des Landes schossen Bewaffnete auf Schmiede, die in einem Kleinbus zur Arbeit fuhren, und töteten vier von ihnen. Bei einem ähnlichen Überfall unweit von Bakuba nordöstlich von Bagdad wurden drei Arbeiter getötet. Wenige Stunden später wurden in derselben Gegend drei irakische Passanten aus einem fahrenden Auto heraus erschossen. Noch mehrere weitere Iraker wurden ebenfalls Opfer von Mordanschlägen.

Am Montag hatte Ministerpräsident Nuri al-Maliki nach einem Treffen mit dem britischen Premierminister Tony Blair in Bagdad erklärt, der Irak wolle von Juni an die Verantwortung für die Sicherheit von den Besatzungstruppen übernehmen und diesen Prozess bis Ende des Jahres weitgehend abschließen. Angesichts der anhaltenden Gewalt stellten sich Beobachter allerdings die Frage, ob die irakischen Sicherheitskräfte die Lage tatsächlich unter Kontrolle bekommen könnten.

Jordanien nahm nach eigenen Angaben ein Führungsmitglied von Al-Kaida im Irak fest. Ziyad Khalaf al-Karbouli, ein Leutnant des Terroristenchefs Abu Musab al-Zarqawi, habe bereits mehrere Entführungen und Morde gestanden, teilte die Regierung in einer 30-minütigen Sondersendung im staatlichen Fernsehen mit. Demnach wurde der Iraker an der gemeinsamen Grenze von jordanischen Geheimdienstbeamten auf deren Territorium gelockt und dann festgenommen.

Teile des Geständnisses wurden direkt im Fernsehen übertragen. Darin erklärte der als Karbouli bezeichnete Sprecher, es gebe bei Al-Kaida im Irak große Ressentiments gegenüber Jordanien, weil dieses Land mit den USA kollaboriere. Deshalb habe er den Auftrag erhalten, Jordanier zu verschleppen. Er beschrieb dann im Detail die Entführung und Tötung des Lastwagenfahrers Khalid al-Dessuki im vergangenen September.

Die Terrorgruppe Al-Kaida im Irak hat sich zu Dutzenden Anschlägen und Entführungen bekannt. Ihr Anführer Zarqawi stammt aus Jordanien und ist in seinem Heimatland in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden.

(apa)