Bombenanschlagsserie im Gazastreifen: Massen-Razzia gegen Anhänger der Fatah

Mindesten sieben Personen bei Explosionen gestorben Unter den Opfern mehrere Anhänger der Hamas

Bombenanschlagsserie im Gazastreifen: Massen-Razzia gegen Anhänger der Fatah © Bild: AP/Moussa

Nach einem tödlichen Bombenanschlag im Gazastreifen hat die Hamas rund 200 Anhänger der rivalisierenden Fatah festnehmen lassen. Die Organisation errichtete Kontrollpunkte und durchsuchte zahlreiche Häuser. Bei dem Anschlag an einem belebten Strand von Gaza wurden fünf Hamas-Mitglieder und ein sechsjähriges Mädchen getötet.

Auch ein Kameramann der ARD wurde bei den Razzien festgenommen. Der 42-jährige Palästinenser Sawah Abu Saif wurde von Sicherheitskräften der radikalislamischen Hamas aus seinem Haus abgeführt. Abu Saif gehörte früher einer Studentenorganisation der Fatah an und arbeitet seit den 90er Jahren als Kameramann. Seit sechs Jahren ist er für die ARD tätig.

Hamas-Führer machten die Fatah für den Bombenanschlag verantwortlich. Deren nähere Umstände blieben zunächst aber unklar. Sollte sich die Tat gezielt gegen Hamas-Aktivisten gerichtet haben, wäre es der schwerste derartige Anschlag seit der Machtübernahme der Organisation im Gazastreifen vor mehr als einem Jahr.

Fatah dementiert
Die Fatah wies eine Verwicklung zurück. Das Büro des palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas im Westjordanland führte den Anschlag auf Rivalitäten innerhalb der Hamas zurück. Abbas' Berater Ahmed Abdel Rahman verurteilte die Tat. Das Vorgehen der Hamas gegen die Fatah bezeichnete er als unverantwortlich, es verringere die Aussichten auf eine Versöhnung.

Ein bisher unbekannter Ableger der Fatah namens Awda-Brigaden bekannte sich unterdessen in einer E-Mail an Journalisten zu dem Anschlag, nannte dazu aber entgegen den üblichen Gepflogenheiten keine Einzelheiten, die auf Täterwissen hindeuten würden.

Der Ministerpräsident der Hamas, Ismail Haniyeh, berief eine Sondersitzung des Kabinetts ein. Die Regierung erklärte danach in einer Stellungnahme, die Behörden seien angewiesen worden, die Täter zu finden. Tausende Hamas-Anhänger begleiteten die Beerdigung der Todesopfer und kündigten Vergeltung an.

Unter den Toten waren ein ranghoher Feldkommandant der Hamas und ein Neffe eines Hamas-Abgeordneten. Ein Sohn des Abgeordneten wurde verletzt. Die Lage in der Stadt Gaza war nach dem Anschlag gespannt. An den Kontrollposten überprüften Hamas-Polizisten zahlreiche Fahrzeuge. Büros und Institutionen der Fatah wurden durchsucht, Dutzende ihrer Anhänger wurden festgenommen, wie Ibrahim Abu Naja, ein prominenter Fatah-Führer in Gaza, sagte. Bei der versuchten Festnahme eines weiteren Fatah-Führers feuerten Polizisten laut Augenzeugen vier Granaten auf sein Haus. Den Gesuchten fanden sie nicht.

Das Palästinensische Zentrum für Menschenrechte in Gaza erklärte, rund 160 Menschen seien festgenommen worden. Weitere 40 Institutionen, die der Fatah nahe stehen, seien durchsucht worden. Die Fatah selbst sprach von etwa 200 Festnahmen in den eigenen Reihen.

Zuvor war es zu zwei Anschlägen auf ein Café und das Haus eines Hamas-Abgeordneten in Gaza gekommen. Dabei kam nach Hamas-Angaben einer der Attentäter ums Leben, drei weitere Menschen wurden verletzt. Für keinen der Anschläge machten die Palästinenser Israel verantwortlich, das sich mit der Hamas auf eine Waffenruhe geeinigt hat.

(apa/red)