Bombenanschlag auf Sunniten im Irak: Zahlreiche Todesopfer und Dutzende verletzt

Sunniten beim Verlassen einer Moschee getötet Heftige Proteste gegen Festnahme von Politikersohn

Im Westen des Irak ist nach Polizeiangaben eine Autobombe explodiert und hat 37 Menschen getötet. Der Sprengsatz sei in einem Lastwagen deponiert gewesen und auf einem Markt nahe einer sunnitischen Moschee in der Stadt Habbaniya detoniert. 64 Menschen seien verletzt worden. Zuvor hatten Rebellen einen Polizei-Kontrollpunkt in der Nähe des Bagdader Flughafens überfallen und acht Polizisten getötet. Nach US-Angaben seien dabei auch zwei Rebellen ums Leben gekommen.

Am selben Tag hatte die Regierung mitgeteilt, dass seit Beginn der Sicherheitsoffensive in Bagdad vor zehn Tagen mehr als 400 Aufständische getötet worden seien. Irakische und US-Soldaten hätten zudem 426 mutmaßliche Extremisten festgenommen, sagte Ministerpräsident Nuri al-Maliki. Maliki sagte bei einem Besuch im Hauptquartier der Bagdad-Offensive, es seien bereits einige "terroristische Zellen" zerschlagen und zahlreiche Anschläge verhindert worden.

Der Anschlag in Habbaniya richtete sich gegen sunnitische Gläubige und galt als Anzeichen für wachsende Konflikte unter den Sunniten. Der Imam der Moschee hatte sich gegen die Aufständischen ausgesprochen. Habbaniya liegt in der sunnitischen Unruheregion Al-Anbar rund 80 Kilometer westlich von Bagdad. Die Stadt war bisher von Anschlägen weitgehend verschont geblieben, da viele Attentate im Irak von sunnitischen Rebellen verübt werden.

Heftige Proteste gegen Verhaftung von Politikersohn
Die vorübergehende Festnahme des Sohns eines prominenten schiitischen Politikers führte zu heftigen Protesten und einer Belastung der Beziehung der USA zur Regierung in Bagdad. Rund 8.000 Schiiten versammelten sich in Najaf, schwenkten irakische Fahnen und Bilder von Abdul Aziz al-Hakim und seinem Sohn Amar. Abdul Aziz al-Hakim ist Vorsitzender der größten schiitischen Partei, dem Obersten Rat für die Islamische Revolution im Irak (SCIRI) und unterhält seit langem enge Beziehungen zum Iran.

Amar al-Hakim war nach seiner Rückkehr aus dem Iran von US-Soldaten festgenommen und erst nach fast zwölf Stunden wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Hakims Festnahme sei eine Beleidigung des gesamten irakischen Volkes, sagte einer der Demonstranten in Najaf, Hassan al-Shebli. Im Bagdader Stadtteil Madinat al-Sadr gingen mehrere hundert Demonstranten auf die Straße. Das SCIRI-Hauptquartier in Bagdad wurde am Samstag aber auch Ziel eines Selbstmordanschlags. Dabei wurden drei Menschen getötet und sechs verwundet.

Die US-Truppen nannten die Festnahme von Hakim einen "unglücklichen Vorfall", US-Botschafter Zalmay Khalilzad entschuldigte sich umgehend. Die US-Streitkräfte betonten, al Hakim sei während der ganzen Aktion "mit Würde und Respekt" behandelt worden. Diesen Angaben widersprach Hakim. Er selbst sei grob behandelt, seine Leibwächter seinen "heftig misshandelt" worden. Er sei aus dem Wagen herausgezogen und durchsucht worden. "Behandelt man so eine nationale Persönlichkeit?" fragte er auf einer Pressekonferenz in Najaf. "Dies steht nicht in Übereinstimmung mit der Souveränität des Iraks." Der irakische Vizepräsident Adil Abdul Mahdi nannte das Verhalten der US-Soldaten "unangemessen, töricht und willkürlich". (apa/red)