Bombe auf Markt in türkischer Stadt Izmir: Ein Toter und 14 Verletzte unter den Händlern

Darunter Schwerverletzter - Motiv ist noch unklar Später soll Demo von Regierungsgegnern stattfinden

Bei einem Bombenanschlag auf einen Markt in der westtürkischen Stadt Izmir ist ein Mann gestorben und 14 weitere Personen sind verletzt worden. Der Sprengsatz sei am Vorabend in einer Tasche auf einem Fahrrad deponiert worden, sagte der Gouverneur von Izmir, Cahit Kirac, nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Anadolu.

Unklar war nach Kiracs Worten zunächst, welchen Hintergrund der Anschlag hatte und welches Material für den Bombenbau verwendet wurde. In Izmir war eine Großkundgebung von Befürwortern des Prinzips der Trennung von Staat und Kirche in der Türkei geplant.

Die Explosion habe sich ereignet, als die Händler des Marktes in einem Bezirk der drittgrößten türkischen Stadt ihre Stände aufgebaut hätten, teilte die Polizei mit. "Das Fahrrad und die Tasche waren in Stücke zerrissen. Wir haben aber nicht gesehen, wer die Tasche hier gelassen hat", zitierte Anadolu einen Verkäufer. Die Explosion zerstörte laut Anadolu die Fensterscheiben mehrerer anliegender Gebäude und in der Nähe parkender Autos.

"Es handelte sich um einen Anschlag, der direkt darauf zielte, Menschen zu töten, ein Massaker anzurichten", sagte der Bürgermeister des betroffenen Stadtbezirkes Bornova, Sirri Aydogan. Einen Zusammenhang mit der Demonstration schloss Aydogan aus.

Zu dem Protestzug für eine sekuläre Türkei wurden der Chef der streng weltlich ausgerichteten, größten Oppositionspartei CHP, Deniz Baykal, sowie die Vorsitzenden mehrerer kleinerer Parteien erwartet. "Alle Maßnahmen werden für die Versammlung getroffen werden. Ich denke nicht, dass die Menschen davon abgeschreckt werden", sagte Aydogan.

Seit Mitte April haben immer wieder hunderttausende sekulär ausgerichtete Türken gegen die mögliche Wahl eines islamisch-konservativen Staatspräsidenten demonstriert. Der von der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP nominierte Präsidentschaftskandidat, Außenminister Abdullah Gül, hatte seine Kandidatur zurückgezogen, nachdem er bei den Abstimmungen über das Präsidentenamt im Parlament zweimal durch den Boykott der Opposition gescheitert war. Die Regierung versucht nun, eine Direktwahl des Staatsoberhauptes durchzusetzen.

Tausende bejubeln Erdogan
Der islamisch orientierte türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan ist von Tausenden seiner Anhänger in Erzerum in der Osttürkei bejubelt worden. Erdogan hielt dort seine erste öffentliche Kundgebung seit der Neuwahlentscheidung in der Türkei ab.

Mindestens 80.000 Menschen hatten sich im Zentrum von Erzerum versammelt, um die Rede Erdogans zu hören, wie der Sender CNN Türk auf Vertreter der Regierungspartei AKP berichtete. "Die Türkei ist stolz auf dich", skandierte die Menge. Häufig wurde die direkt vom Fernsehen übertragene Rede des Ministerpräsidenten von Jubelrufen unterbrochen.

(APA/red)