Wechsel von

Bogdan Roscic leitet ab
2020 die Wiener Staatsoper

Was von dem Nachfolger von Dominique Meyer zu erwarten ist

© Video: APA

Dass Direktor Dominique Meyer 2020 die Staatsoper verlassen wird, war seit langem beschlossen. In der Vorwoche verdichteten sich auch die Hinweise auf den Nachfolger, wie in der News-Ausgabe vom vergangenen Samstag nachzulesen ist: Der Österreicher Bogdan Roscic, Jahrgang 1964, wird ab September 2020 die Wiener Staatsoper leiten.

Lautstarken Unkundigen mag der in Belgrad Geborene nur als verflossener Ö3-Chef geläufig sein, tatsächlich ist er seit 13 Jahren an der Spitze der klassischen Musikbranche tätig: Erst bei Universal, dann als Chef des Traditionslabels Decca und seit 2009 als Präsident von Sony Classical in New York, stand er stets für ein ebenso hoch besetztes wie innovatives Programm. Er bereicherte den Katalog systematisch um Einspielungen mit dem Dirigenten Christian Thielemann und hat heute den Griechen Teodor Currentzis unter Exklusivvertrag, den jungen Maestro der Stunde. Für ihn unternahm Roscic etwas Ungewöhnliches: Während die notleidende Tonträgerindustrie ihre Kronjuwelen zu Ramschpreisen auf den Markt wirft, Arienpotpourris mit Sängerstars produziert und sich maximal Mitschnitte von Konzerten und Opern leistet, konnte Currentzis für Sony die Mozart-Opern „Die Hochzeit des Figaro", „Così fan tutte" und „Don Giovanni" einspielen. Andererseits bot Roscic dem großen Quertöner Nikolaus Harnoncourt bis zuletzt eine Heimat, als ihn das Label Teldec in der Panik des eigenen Untergangs auf die Straße setzte. Auch Harnoncourts Vermächtnis-CD, Beethovens „Missa Solemnis", ist bei Sony erschienen. Auch als Stratege mit Geschäftssinn ist Roscic ausgewiesen:
Er hat Sony die Exklusivrechte für das Neujahrskonzert und das Sommernachtskonzert gesichert, steht also mit den Philharmonikern im besten Einvernehmen.

Man darf sich also von der neuen Operndirektion auch jenseits ihrer Managementqualitäten einiges erhoffen: ein Gespür für aufregende Dirigenten vor allem, das nicht zu Meyers Atouts gehört. Seit Generalmusikdirektor Franz Welser-Möst das Haus im Unfrieden verlassen hat, ereignet sich an der Staatsoper musikalisch Unerhebliches - ihn zumindest als Dirigenten zurückzuholen, sollte ebenso Priorität haben wie das regelmäßige Engagement Thielemanns, an dessen aktuellen Dienstorten Bayreuth und Dresden sich Zerwürfnisse anbahnen. Darüber hinaus wäre das Engagement eines opernkundigen Chefdirigenten dringend
anzuraten: Als sich Welser-Möst zurückzog, brach an der Staatsoper die musikalische Qualitätskonstante dramatisch ein.

Roscic kommt, und das ist entscheidend, aus der Musik und logiert nicht auf dem feuilletongesteuerten Intendantenkarussell, wo das Szenische unangemessen überschätzt wird. Dennoch ist das Wagnis kein geringes: Die paar großen Sängernamen kann jeder Dilettant im Computer aufrufen. Aber die Staatsoper ist ein Repertoirehaus, muss also täglich eine Aufführung auf großstädtischem Niveau anbieten. Dazu braucht es einen Überblick, den Roscic nicht haben kann: auch über mittlere und kleine Häuser und die in ihnen reifenden Talente. Meyers Vorgänger Ioan Holender hat sich als Sängerentdecker einen haltbaren Mythos geschaffen.

Roscic wird also ein starkes Team benötigen, in erster Linie einen loyalen Besetzungsdirektor, der nicht schleichend die Macht übernimmt. Exemplarisch fiele einem da der heute für die Osterfestspiele tätige Österreicher Josef Hussek ein, der einst in dieser Funktion bei den Salzburger Festspielen Anna Netrebko, Elina Garanca, Jonas Kaufmann, Nina Stemme, Anja Harteros und Saimir Pirgu für die Weltliga entdeckt hat.

Mit Interesse und Respekt also ist Dominique Meyer auf den verbleibenden drei Jahren zu begleiten. Mit qualifizierten Hoffnungen aber ist Bogdan Roscic willkommen zu heißen.

Kommentare

strizzi1949
strizzi1949 melden

Da bin ich aber gespannt, wie einer, der noch nie ein Opernhaus geleitet hat, jetzt unsere Staatsoper leiten soll? Unsere Oper ist ja nicht irgend ein Opernhaus! Sie hat ja einen Ruf zu verteidigen! Und da nimmt man nun einen absolut Unkundigen, nur weil er von Musik eine Ahnung hat? Auf den Bauchfleck bin ich schon gespannt!

Tavington melden

ahnung?! hahahaha!!!! in österreich zählt nicht, wozu man ahnung hat!! der jugo hat den richtigen parteibuch.

haben wir keinen waschechten wiener -österreicher mehr ? alles nur schiebung .

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