Börsentief nach dem Scheitern von US-
Notpaket: Verluste schlimmer als nach 9/11

Etwa 1,2 Billionen Dollar an US-Börsen vernichtet PLUS: Auch Aktienkurse in Asien auf Rekord-Talfahrt

Börsentief nach dem Scheitern von US-
Notpaket: Verluste schlimmer als nach 9/11 © Bild: AP/Lalit

Nach dem Nein des US-Repräsentantenhauses zum Rettungspaket für den Finanzsektor und den historischen Vortagesverlusten an der Wall Street sind auch in Asien die Aktienkurse auf Talfahrt gegangen. Der Nikkei-Index in Tokio fiel um fast fünf Prozent. In Hongkong ging es gleich zu Handelsbeginn um 5,6 Prozent nach unten, auch die Börsenkurse in Südkorea und anderen asiatischen Staaten sowie Australien und Neuseeland rutschten ab.

Der 225 führende Werte umfassende Nikkei notierte zur Handelsmitte einen heftigen Abschlag von 544,54 Punkten oder 4,64 Prozent bei 11 199,07 Punkten. Der breit gefasste TOPIX gab bis dahin um 51,30 Punkte oder 4,55 Prozent auf 1076,57 Punkte nach.

Japan: Zentralbank pumpt Geld in Markt
Angesichts der dramatischen Entwicklung pumpt die japanische Zentralbank frisches Geld in den Finanzmarkt. Es seien zwei Billionen Yen (13 Milliarden Euro) bereitgestellt worden, teilte die Bank von Japan mit. Damit sollten die Auswirkungen der Finanzkrise gemildert werden. Hintergrund ist, dass Japans Banken zögern, sich gegenseitig Geld zu leihen.

Dollar unter starkem Verkaufsdruck
Der Dollar geriet in Folge des Scheiterns des US-Rettungspakets in Fernost unter starken Verkaufsdruck. Er kostete in Tokio 103,53 Yen und damit so wenig wie zuletzt im Mai, bevor er sich wieder auf 103,91 Yen erholte. Der Euro lag fester verlor aber auch gut 0,5 Prozent auf 1,4365 Dollar. Zum Yen tendierte der Euro bei 150,37-47 Yen nach 152,33-37 Yen.

Börsenkurse auf Rekord-Talfahrt
Das US-Repräsentantenhaus hatte das geplante Rettungspaket der Regierung für die Finanzbranche des Landes überraschend abgelehnt und die Kurse an den Börsen damit auf Rekord-Talfahrt geschickt. Der New Yorker US-Leitindex Dow Jones erlitt am Montag den höchsten Tagesverlust der Geschichte: minus 777 Punkte.

Beim Absturz der Aktienkurse in den USA wurden etwa 1,2 Billionen Dollar (834 Milliarden Euro) Börsenwert vernichtet, wie sich aus dem Dow-Jones-Wilshire-5000-Index, dem größten Messwert für Börsenbewegungen in den USA, ergibt. Damit sind die Verluste fast doppelt so hoch wie das von der US-Regierung geplante 700-Milliarden-Dollar-Rettungspaket für den US-Finanzsektor.

Auch die Leitbörsen in Europa haben im frühen Handel nach den historischen Rekordverlusten an den US-Börsen erneut deutlich verloren. In den ersten Handelsminuten rutschte der 50 führende Unternehmen der Eurozone umfassende Euro-Stoxx-50-Index um 2,7 Prozent ab. Der DAX in Frankfurt verlor 2,5 Prozent. Starke Kursverluste gab es erneut im Finanzbereich zu beobachten.

Die Wiener Börse hat zur Eröffnung nach neuen Negativnachrichten aus den USA die Talfahrt vom Vortag vorerst ungebremst fort gesetzt. Der ATX fiel bis 9.35 Uhr um 120,62 Punkte oder 4,38 Prozent auf 2.636,08 Zähler. Bisher wurden 976.112 (Vortag: 1.101.701) Aktien gehandelt (Einfachzählung).

Scharfe Kritik aus Europa und Brasilien
Für das Nein zum Rettungspaket gab es herbe u.a. Kritik aus Europa und Brasilien: EU-Handelskommissar Peter Mandelson verurteilte die Ablehnung der milliardenschweren Hilfen als verantwortungslos: "Die Abgeordneten sind von allen guten Geistern verlassen und ich hoffe, dass wir in Europa keine Politiker und Parlamentarier erleben, die eine solche Verantwortungslosigkeit an den Tag legen", sagte er dem britischen Sender BBC und forderte zugleich eine breitere internationale Reaktion auf die Finanzkrise.

Der brasilianische Präsident Luiz Inacio da Silva forderte die USA und andere reiche Länder auf, Verantwortung für die internationale Finanzkrise zu übernehmen und Schaden in den Entwicklungsländern abzuwenden. Diese dürften nicht zu "Opfern des Casinos werden, das von der US-Wirtschaft errichtet wurde", sagte Silva. Auch in Südamerika war es zu Kursverlusten gekommen.

Teuerungsrate derzeit bei 5,5 Prozent
Trotz Krise und Panik befindet sich die US-Wirtschaft nach den Worten eines führenden Mitglieds der US-Notenbank in einem robusten Zustand. Es herrsche zwar das Gefühl vor, dass der Himmel einstürze, sagte der Präsident der Notenbank von Kansas, Thomas Hoenig, bei einem Wirtschaftsforum in der Stadt Gering. Die größte Volkswirtschaft werde aber gestärkt aus der gegenwärtigen Kreditkrise hervorgehen. Als oberstes langfristiges Ziel für die Fed nannte er, den Wert des Dollar stabil und die Inflation im Zaum zu halten. Die derzeitige Teuerungsrate von 5,5 Prozent sei zu hoch und werde einen langfristigen Einfluss auf die Wirtschaft haben, betonte er. Die Notenbank stehe bei der Entscheidung, wann die Zinsen erhöht werden müssten, vor "einem sehr heiklen, schwierigen chirurgischen Eingriff". Er machte keine Andeutung, wann er den Zeitpunkt für eine Zinserhöhung für gekommen hält. US-Präsident George W. Bush will sich in Sachen Finanzkrise erneut an die Öffentlichkeit wenden.

(apa/red)