Börse geht an die Börse: New York Stock Exchange feiert fulminanten Einstand

Zu Handelsbeginn Kursanstieg um bis zu 18 Prozent NYSE wagt sich unter "NYX.N" aufs glatte Parkett

Mit einem Kursfeuerwerk hat die weltgrößte Börse, die New York Stock Exchange (NYSE), das Börsedebüt ihrer eigenen Aktien gefeiert. Der Börsegang ist kein echtes so genanntes Initial Public Offering (IPO), sondern nur eine Notierungsaufnahme. Dafür brauchte die NYSE einen bereits gelisteten Partner. Diesen fand sie in der elektronischen Handelsplattform Archipelago. Damit ging ein Wechsel der Gesellschaftsform einher.

Archipelago-Aktien waren mit 64,25 Dollar aus dem Handel gegangen. Als NYSE-Aktien legten sie anschließend rund 13 Prozent auf etwa 73,30 Dollar zu. Zu Handelsbeginn stiegen sie zunächst sogar bis zu 18 Prozent auf 76 Dollar. Analysten hatten Kurse von 60 bis 65 Dollar erwartet.

Es wird damit gerechnet, dass die NYSE innerhalb weniger Wochen in großem Stil weitere Aktien ausgibt. Bisher wurde sie von ihren knapp 1.400 Mitgliedern nicht als gewinnorientiertes Unternehmen geführt. Mehr als 200 Jahre nach ihrer Gründung durch einige Händler unter einem Baum in der Wall Street bleibt nun abzuwarten, inwieweit sie jetzt Übernahmen in Europa angehen wird.

NYSE-Chef John Thain hat mehrmals betont, er werde sich nach geeigneten Kaufgelegenheiten umsehen. Der Börsengang dürfte das nötige Kapital bereitstellen. Experten sehen die NYSE zur Expansion verdammt, will sie die Konkurrenz - allen voran die ebenfalls in New York angesiedelte und auch börsenotierte Computerbörse Nasdaq - langfristig auf Distanz halten.

Fast der gesamte Handel läuft an der NYSE noch immer auf dem Parkett. Mit Archipelago kommt eine elektronische Plattform dazu. Den Trend zur stärkeren Digitalisierung setzten in der Vergangenheit Konkurrenten wie die Nasdaq. Über Archipelago sind jetzt auch an der Nasdaq gelistete Aktien an der neuen New York Stock Exchange handelbar. Der Kampf um die Vorherrschaft an der Wall Street erhält somit eine neue Dynamik.

Börsegänge von Börsen sind ein noch vergleichsweise junges Phänomen. Es war die Deutsche Börse, die am 5. Februar 2001 als erster größerer Marktbetreiber den Gang aufs Parkett wagte. Mittlerweile gehört es in der Branche fast schon zum guten Ton, auf dem eigenen Kurszettel gelistet zu sein. Neben der Londoner LSE und dem schwedisch-finnischen Marktbetreiber OMX sind seit einigen Jahren etwa auch die Vierländerbörse Euronext, ein Zusammenschluss der Börsen Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon, und die Chicago Mercantile Exchange börsenotiert.

(apa/red)