Fakten von

Was mit Flug MH17 geschah

Abschlussbericht soll Tragödie mit fast 300 Todesopfern aufklären

MH17 © Bild: Getty/AFP/DIMITAR DILKOFF

15 Monate nach dem Abschuss des Passagierfluges MH17 über der Ostukraine legt der niederländische Sicherheitsrat seinen Abschlussbericht zur Ursache vor. Die Maschine der Malaysia Airlines war am 17. Juli 2014 über dem Konfliktgebiet Donbass offenbar von einer Rakete getroffen worden. Alle 298 Menschen an Bord wurden getötet. Nun wurde bestätigt: Die malaysische Boeing 777 wurde von ukrainisch kontrolliertem Gebiet aus abgeschossen.

Da die meisten Opfer Niederländer waren, leitet das Land auch die strafrechtliche sowie die technische Untersuchung. Fragen und Antworten zur Katastrophe:

Was wissen wir zum MH17-Absturz?

Unumstritten ist, dass die Passagiermaschine über dem Kriegsgebiet abgeschossen wurde. Der niederländische Sicherheitsrat schloss in seinem ersten Zwischenbericht zur Ursache im September 2014 technisches und menschliches Versagen sowie einen Terroranschlag aus. Sehr wahrscheinlich wurde die Maschine von einer Rakete des bodengestützten Luftabwehrsystems Buk getroffen. Das legt auch ein Bericht der Zeitung "de Volkskrant" vom Dienstag nahe, der mit der Untersuchung vertraute Quellen zitiert.

MH 17 Flugzeug
© imago/ITAR-TASS
Ukraine: Menschen machen Fotos an der Absturzstelle des Fluges MH17.
© REUTERS/Maxim Zmeyev

Wer feuerte die Rakete ab?

Dies ist strittig. Die Ukraine erklärt, dass Russland das Buk-System in das Separatistengebiet geliefert hat und diese die Maschine abschossen. Russland weist dies zurück und macht die Ukraine verantwortlich. Nur die ukrainische Armee habe zum Zeitpunkt des Absturzes eine funktionstüchtige Buk und geschultes Personal besessen. Laut "de Volkskrant" wurde die Rakete aus dem von pro-russischen Rebellen kontrollierten Gebiet abgefeuert.

Flug MH17
© APA/Martin Hirsch

Gibt es Beweise für eine Schuld Russlands oder der Separatisten?

Das internationale strafrechtliche Ermittlerteam veröffentlichte Videos und abgehörte Telefongespräche der Separatisten. Die deuten darauf hin, dass diese über ein Buk-System verfügten und eine Rakete zum fraglichen Zeitpunkt abgefeuert hatten.

Wie reagiert Moskau auf Vorwürfe?

Russland betont stets, im Grunde nicht in die Tragödie im Nachbarland verwickelt zu sein. Gleichwohl verfüge es über "wichtige Hinweise" zur Aufklärung. Moskau kritisiert die internationalen Untersuchungen als voreingenommen. Der Kreml gibt der Ukraine auch eine Mitschuld an der Tragödie, weil sie trotz bekannter Gefahren den Luftraum über dem Gebiet nicht komplett gesperrt hatte.

Werden die Verantwortlichen jemals bestraft werden?

Russland hatte mit einem Veto im Weltsicherheitsrat die Errichtung eines UNO-Tribunals zu MH17 verhindert und dies damit begründet, dass die Untersuchungen noch gar nicht abgeschlossen seien. Nun wollen die am meisten von der Katastrophe betroffenen Länder ein internationales Tribunal errichten. Allerdings ist es offen, wie Moskau reagiert, wenn das Tribunal russische Verdächtigte vorlädt.

Mal Absicht, mal tragischer Irrtum:

Das tragische Schicksal von Flug MH17 ist kein Einzelfall. Schon mehrfach sind zivile Flugzeuge ins Visier von Militärs oder Rebellen geraten. Beispiele:

Oktober 2001: Nach einem versehentlichen Raketentreffer explodiert eine russische Tupolew 154 in elf Kilometern Höhe über dem Schwarzen Meer. Keiner der 78 Insassen überlebt. Die ukrainische Armee hatte auf der Halbinsel Krim eine Übung veranstaltet.

Oktober 1998: Im Ostkongo schießen Rebellen mit einer tragbaren Boden-Luft-Rakete eine Boeing 727 der Congo Airlines ab. 41 Menschen sterben, darunter viele Kinder.

September 1993: Eine Rakete abtrünniger Rebellen trifft eine georgische Passagiermaschine beim Landeanflug. Nur 24 der 132 Menschen an Bord überleben. Einen Tag zuvor hatten Rebellen eine Maschine über dem Schwarzen Meer abgeschossen. Bilanz: 27 Tote.

Juli 1988: Eine iranische Linienmaschine wird auf dem Weg nach Dubai über dem Persischen Golf von der Rakete eines US-Kriegsschiffs getroffen. Alle 290 Menschen an Bord sterben, die USA sprechen von einem tragischen Irrtum.

September 1983: Ein südkoreanischer Jumbo-Jet wird wegen angeblicher Verletzung des damaligen sowjetischen Luftraums von einem Kampfjet über dem japanischen Meer abgeschossen. Alle 269 Insassen sterben.

Juni 1980: Eine italienische DC-9 stürzt nördlich von Sizilien ins Meer. Die 81 Menschen an Bord sterben. Erst 1997 wird bekannt, dass die Maschine in einen Luftkampf zwischen französischen, libyschen und US-Militärjets geraten war und von einer Rakete getroffen wurde.

Kommentare