Bodenproben beweisen: Am Nordpol
herrschte einst Klima wie am Mittelmeer

Vor 55 Millionen Jahren war es 23 Grad warm Starker Anstieg an Kohlenstoffdioxid verantwortlich

Mittelmeerklima am Nordpol? Vor Millionen Jahren sah es vermutlich genau so aus. "Stellen sie sich eine Welt vor mit dicht gewachsenen Mammutbäumen und Zypressen", sagt Mark Pagani, Geologe an der Universität Yale. Vor 55 Millionen Jahren war es in der Arktis durchschnittlich 23 Grad warm, wie Forscher anhand von Bodenproben tief unter dem Meer herausgefunden haben. Sie stellten ihre Erkenntnisse in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Nature" vor.

Vor Millionen von Jahren gab es auf der Erde eine lange Phase der Erderwärmung. Dabei kam es vor 55 Millionen Jahren auch zu einem starken Anstieg an Kohlenstoffdioxid. Dies verstärkte die Klimaerwärmung und bescherte der Arktis die angenehm warmen Temperaturen. Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass es in der Arktis wesentlich kühler war als im Rest der Welt. "Es war das erste Mal, dass wir die Arktis untersucht haben, und das Ergebnis war eine große Überraschung für uns", sagt Kathryn Moran von der Universität von Rhode Island.

Die Forscher sind nun beunruhigt, dass die derzeit beobachtete Erderwärmung wesentlich stärker ausfallen könnte, als bisher angenommen. "Die bisherigen Schätzungen sind wohl eher am unteren Ende einzuordnen", erklärt der Autor der Studie, Appy Sluijs, von der Universität Utrecht in den Niederlanden. Die Ergebnisse der Studie bewiesen, dass eine Starke Zunahme von Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre globale Klimaerwärmung verursachen könne.

Einen Anhaltspunkt, wie sich die Erde wieder abgekühlt haben könnte, haben die Wissenschaftler auch entdeckt. Sie vermuten, dass sich durch die starke Erwärmung in der Arktis ein Farn ausgebreitet hat, das möglicherweise große Mengen von Kohlenstoffdioxid aufnahm. Allerdings dauerte es etwa 800.000 Jahre bis die Erde wieder abkühlte.
(apa/red)