Blutiges Wochenende im Irak: Mindestens 61 Tote bei Anschlägen und Attentaten

Attentat auf Konvoi von Außenminister Zebari

Blutiges Wochenende im Irak: Bei neuen Anschlägen und Gefechten kamen in Bagdad und anderen Städten mindestens 61 Menschen ums Leben. Beim schwersten Attentat rissen am Sonntag zwei Selbstmordattentäter an der vom US-Militär kontrollierten Zufahrtstraße des Flughafens von Bagdad 14 irakische Zivilisten mit in den Tod. Unterdessen verzögert sich die Regierungsbildung in Bagdad weiter.

Bei einem Attentat auf einen Konvoi von Außenminister Hoshyar Zebari nördlich von Bagdad wurden drei seiner Leibwächter getötet. Die Polizei konnte zunächst nicht sagen, ob der Minister in einem der acht Autos saß. Bereits am Samstag tötete eine Bombe zwei britische Soldaten im südlichen Basra.

"Terroristen haben im Westen Bagdads unweit vom Kontrollposten am Camp Victory 14 Iraker getötet und 14 weitere verletzt", teilte die US-Armee mit. Die ersten Ermittlungen deuteten darauf hin, dass sich die Täter auf einem Parkplatz mit ihren Wagen in die Luft sprengten. Der Anschlag auf den Kurden Zebari ereignete sich in Tal Amrin 160 Kilometer nördlich der irakischen Hauptstadt. Drei Leibwächter wurden getötet und drei verletzt, als eine Bombe explodierte, wie die Polizei mitteilte.

Zuvor waren bei der Explosion einer Bombe im Osten Bagdads nach Angaben des Verteidigungsministeriums fünf Zivilisten getötet und vier weitere Menschen verletzt worden. Der Anschlag habe einer Polizeipatrouille gegolten. Durch die Explosion eines weiteren Sprengsatzes im Zentrum Bagdads wurden fünf Polizisten verletzt. Anschläge mit insgesamt sechs Toten und 28 Verletzten wurden auch in AdhamiYah, nördlich von Bagdad, und auf einem Markt in Safaraniyah im Süden der Hauptstadt verübt. Weitere blutige Attentate wurden unter anderem aus den nördlichen Städten Kirkuk und Mosul gemeldet.

Wie das britische Verteidigungsministerium am Sonntag mitteilte, kamen am Vorabend zwei britische Soldaten bei der Explosion einer Bombe in Basra ums Leben. Ein Soldat wurde demnach verletzt, als der Sprengsatz beim Vorbeifahren einer Patrouille in die Luft ging. Seit der Invasion im Irak im März 2003 wurden dami 111 britische Soldaten getötet.

Der Gouverneur von Basra suspendierte am Samstag den Polizeichef der Stadt, dem er Untätigkeit gegenüber in- und ausländischen "Terroristen" vorwarf. Er habe den Stadtrat um die Entlassung des Generals Hassan Sawadi gebeten, teilte der Gouverneur Mohammed al-Waili mit. Nach einer Woche der Gewalt in der zweitgrößten Stadt des Irak habe die Polizei keinerlei Ermittlungen eingeleitet. Zudem hätten bestimmte Grenzwächter und Militärvertreter "zweifelhafte Verbindungen" zu von der Justiz gesuchten Personen. Ferner warf der Gouverneur den beiden örtlichen Vertretern des schiitischen Großayatollahs Ali al-Sistani vor, die Bevölkerung zum Gesetzesbruch aufzurufen. Einer der Beschuldigten, Scheich Mohammed Falak el Maliki, drohte dem Gouverneur am Sonntag daraufhin mit rechtlichen Schritten.

Im Prozess der Regierungsbildung hat der designierte Regierungschef Nuri al-Maliki offenbar zunächst keine geeigneten Kandidaten für die strategisch wichtigen Posten für Verteidigung und Inneres. Maliki werde sein Kabinett ohne diese Schlüsselposten präsentieren und vorübergehend selbst die Leitung der beiden Ressorts übernehmen, sagte der schiitische Abgeordnete Baha al-Araji am Sonntag. Nach seiner Nominierung am 22. April hat Maliki einen Monat Zeit, um seine Regierung dem Parlament vorzustellen. Die Besetzung erweist sich fünf Monate nach der Parlamentswahl als äußerst schwierig.

(apa/red)