Blutiger Terror im Libanon: Drei Tote
nach Explosion von zwei Bussen nahe Beirut

Explosionen nahe Heimatort der Gemayel-Familie Anschlag auf Ministerpräsidenten Hariri jährt sich

Kurz vor dem zweiten Jahrestag der Ermordung des früheren Ministerpräsidenten Rafik Hariri sind bei einem Doppelanschlag auf zwei Pendlerbusse im Libanon mindestens drei Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 20 Fahrgäste erlitten Verletzungen. Nach Einschätzung von Drusen-Führer Walid Joumblatt zielten die Attentate darauf, die Libanesen von der Teilnahme einer Massenkundgebung zum Gedenken an Hariri in Beirut abzuhalten. Für den zweiten Jahrestag des Hariri-Attentats wurden gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der pro-westlichen Regierung und der pro-syrischen Opposition befürchtet.

Die Anschläge wurden auf einer Fernstraße in den Bergen nordöstlich der Hauptstadt verübt. Sie ereigneten sich in der Bergregion von Bikfaya, aus der die prominente christliche Familie des ehemaligen Präsidenten Amin Gemayel stammt. Die Bomben explodierten in Bussen, in denen Bewohner christlicher Dörfer zur Arbeit an die Küste fuhren, wie der Sender Stimme des Libanons meldete.

Aus Sicherheitskreisen verlautete, zunächst sei bei Bikfaya ein unter einem Sitz versteckter Sprengsatz explodiert. Als Menschen zu dem zerstörten Bus eilten, ging eine zweite Bombe in dem nachfolgenden Kleinbus hoch. Die Bomben seien mit Metallteilen versehen gewesen, hieß es weiter.

Zunächst war von zwölf Toten die Rede gewesen. Die staatliche Nachrichtenagentur und das Rote Kreuz berichteten dann aber übereinstimmend von drei Toten. Zu den irreführenden Angaben sei es gekommen, weil die Opfer in verschiedene Krankenhäuser gebracht worden seien. Bei den Toten handelt es sich nach Polizeiangaben um einen Libanesen, einen ägyptischen Arbeiter und eine etwa 30 Jahre alte Frau.

Es waren die ersten Anschläge auf öffentliche Kleinbusse seit dem Ende des Bürgerkriegs im Libanon (1975-1990) und das erste Attentat seit dem Mord an Gemayels Sohn Pierre im November, der als Industrieminister der Syrien-kritischen Regierung unter Siniora angehörte.

Der Anschlag auf Gemayel hatte den Machtkampf zwischen der Regierung und der Opposition um die radikal-islamische Hisbollah-Miliz weiter verschärft. Hariri war im Februar 2005 ermordet worden. Einem UN-Bericht zufolge führt die Spur der Täter nach Syrien. Die Ermittlungen sind aber noch nicht abgeschlossen.

(apa/red)