Blutiger Tag im Irak: Mindestens 15 Tote bei verschiedenen Bombenanschlägen

Anschlag auf Bus und Haus eines Armeeobersts Gesuchter Prediger Al-Sadr verurteilt Anschläge

Blutiger Tag im Irak: Mindestens 15 Tote bei verschiedenen Bombenanschlägen

Eine Serie von Bombenanschlägen hat im Irak wieder zahlreiche Todesopfer gefordert. In der Innenstadt von Bagdad sprengte sich ein Selbstmordattentäter in einem öffentlichen Bus in die Luft, der in das schiitische Viertel Karradah unterwegs war. Laut Polizeiangaben wurden dabei mindestens fünf Menschen getötet und elf weitere verletzt. Bei Anschlägen starben in der irakischen Hauptstadt bisher insgesamt 15 Menschen, am Vortag hatten zwei Selbstmordattentäter auf einem belebten Markt in Bagdad 65 Menschen mit in den Tod gerissen, 120 weitere Zivilisten wurden verletzt.

In Safraniya, einem schiitischen Viertel im Südosten Bagdads, kostete eine Bombenexplosion drei Polizisten das Leben, zwei weitere Menschen erlitten Verletzungen. Etwa dreißig Kilometer südlich der Hauptstadt, in Mahmudiya, explodierte eine Autobombe. Zwei Menschen kamen ums Leben, zwei weitere wurden verletzt. In Mahmudiya leben überwiegend Schiiten, in den Dörfern der Umgebung dagegen Sunniten.

Die iranische Regierung hat Berichte als unzutreffend zurückgewiesen, wonach sich der irakische Schiitenführer Muktada al-Sadr im Land aufhalten soll. Der radikale Geistliche und Milizchef sei nicht im Iran, erklärte ein Sprecher des Außenministeriums in Teheran. Entsprechende Erklärungen seitens der USA seien "psychologische Kriegsführung", um den Druck auf Teheran weiter zu erhöhen.

Haidar al-Obeidi von der schiitischen Dawa-Partei des irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki sagte der irakischen Zeitung "Al-Baiyana al-Jadida", Sadr habe der Regierung eine Namensliste von Milizionären übergeben, die eigenmächtig Gewalttaten verüben. Er habe klar zum Ausdruck gebracht, dass er nicht für alle Aktionen seiner berüchtigten Miliz "Mahdi-Armee" verantwortlich sei und dass er diese zum Teil verurteile. Der "Mahdi-Armee" wird angelastet, an der Entführung und Ermordung von Sunniten beteiligt zu sein. Die Sadr-Bewegung, die vor allem in den städtischen Armenvierteln viele Anhänger hat, ist mit sechs Ministern in der Regierung vertreten.

Die US-Streitkräfte hatten vergangene Woche mitgeteilt, Sadr sei in den Iran geflohen. Obeidi erklärte, die US-Streitkräfte wollten Sadr mit derartigen Gerüchten aus seinem Versteck locken. "Die Amerikaner wollen ihn zu Fall bringen, und wenn er sich nicht in der Öffentlichkeit zeigt, dann sagen sie, dieser Mann versteckt sich und ist geflohen." Nahost-Experten vertreten inzwischen die Ansicht, die USA könnten versucht sein, die Feindseligkeiten zwischen Sunniten und Schiiten weiter anzuheizen, um den Iran durch eine Konfessionalisierung des Konflikts zu isolieren.

In der sunnitischen Unruheprovinz Anbar kam unterdessen ein weiterer US-Marineinfanterist bei Kämpfen mit Aufständischen ums Leben. Wie die US-Armee mitteilte, wurde der Soldat am Samstag getötet. Am selben Tag war US-Außenministerin Condoleezza Rice überraschend in Bagdad eingetroffen. Mindestens 24 Menschen, darunter 13 Mitglieder einer Familie, kamen durch Gewalt in der Unruheprovinz ums Leben. Die Familie unter Einschluss von zwei Kleinkindern wurde nach Polizeiangaben von mutmaßlichen Al-Kaida-Extremisten nahe der Stadt Falluja erschossen, als sie auf dem Heimweg von einer Beerdigung war. Die Bewaffneten hätten den Minibus der Trauernden am helllichten Tag gestoppt und die Familie gezielt ausgewählt, weil sie zu einem Al-Kaida-kritischen Stamm gehöre. In der Stadt Ramadi rissen nach Polizei- und Zeugenangaben zwei Selbstmordattentäter elf Menschen mit in den Tod und verletzten vier weitere.

(APA/red)