Blutige Straßenschlacht mit Polizei in Bern:
Linksautonome stören SVP-Kundgebung

Massive Schäden in Schweizer Hauptstadt angerichtet Polizeidirektor: "Schwarzer Tag für Meinungsfreiheit"

Blutige Straßenschlacht mit Polizei in Bern:
Linksautonome stören SVP-Kundgebung

Zwei Wochen vor der Parlamentswahl in der Schweiz haben mehrere hundert linke Demonstranten der Polizei in der Hauptstadt Bern eine Straßenschlacht geliefert und massive Schäden angerichtet. Die maskierten Autonomen stoppten einen Umzug von rund 10.000 Anhängern der rechtskonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) und randalierten dann auf dem Bundesplatz. Laut Polizei wurden 18 Beamte zum Teil schwer verletzt. 42 Personen wurden festgenommen.

Ein parallel veranstaltetes "Fest gegen Rassismus" in Bern, das von fast 3.000 Menschen besucht wurde, verlief indessen friedlich. Linksgerichtete Gruppen hatten zu Protesten gegen die SVP aufgerufen, die sich in den vergangenen Monaten für einen harten Kurs gegen Immigranten eingesetzt hat.

Auf dem Berner Bundesplatz, wo Reden der SVP-Bundesräte (Minister) Christoph Blocher und Samuel Schmid geplant waren, gab es ebenfalls schwere Ausschreitungen. Vermummte Jugendliche zerstörten die dort aufgebaute Infrastruktur. Restaurants wurden verwüstet, die Scheiben von Banken eingeschlagen und Autos in Brand gesetzt. Nachdem die Polizei anrückte, zerstreute sich der "schwarze Block".

Die SVP verlegte ihre Kundgebung schließlich an einen anderen Ort in Bern und reduzierte das Programm. Blocher verurteilte die Ausschreitungen scharf. Es sei offenbar nicht mehr möglich, dass die größte Partei der Schweiz auf den Bundesplatz gehen könne. Doch die SVP werde sich nicht unterkriegen lassen, sagte Blocher und rief die Anhängerschaft dazu auf, zusammen die erste Strophe der Schweizer Hymne zu singen.

Der Berner Polizeidirektor Stephan Hügli sprach vor Journalisten von einem schwarzen Tag für die Meinungsfreiheit und für die Demokratie. Verantwortlich für die Krawalle sei eine äußerst gewaltbereite Gruppe von rund 500 Linksautonomen gewesen. Das Konzept des Polizeieinsatzes sei aber richtig. Das Hauptproblem sei gewesen, dass man von den gewaltbereiten Leuten aus dem "schwarzen Block" in eine Art Mehrfrontenkrieg verwickelt worden sei. Linksautonome Chaoten hätten dafür gesorgt, dass beinahe Guerilla ähnliche Verhältnisse geherrscht hätten, sagte Polizeikommandant Jörg Gabi.

Nach Einschätzung des Berner Politologen Georg Lutz kann die SVP den Kundgebungstag trotz des verhinderten Umzuges als Erfolg verbuchen. "Das Spiel ist für die SVP aufgegangen", sagte Lutz gegenüber der Schweizer Nachrichtenagentur SDA.

Die extreme Linke habe mit den Ausschreitungen der SVP im Vorfeld der Wahlen einen Dienst erwiesen. "Die SVP steht nun als Opfer da", sagte Lutz. Dies könne bewirken, dass sich Wählerinnen und Wähler solidarisierten. Zum Nutzen gereiche der SVP insbesondere die Medienaufmerksamkeit. (apa/red)