Blutige Straßenkämpfe in Kairo: Anhänger
und Gegner Mubaraks gehen aufeinander los

Ägypten: Zusammenstöße fordern mehrere Verletzte Regierung gegen sofortigen Beginn von Machtwechsel

Angesichts der Massenproteste gegen sein Regime hat der ägyptische Präsident Mubarak die versprochene Verfassungsreform in die Wege geleitet. Das ägyptische Fernsehen meldete, die Reform solle binnen 70 Tagen abgeschlossen werden. Ungeachtet dieser Ankündigung dauerten die Proteste den neunten Tag in Folge an. In Kairo kam es zu Zusammenstößen zwischen Anhängern Mubaraks und Gegnern.

Laut Augenzeugen gingen die Demonstranten der beiden Lager auf dem zentralen Tahrir-Platz mit Fäusten aufeinander los, auch Steine flogen und Knüppel wurde eingesetzt. Mehrere Menschen sollen verletzt worden sein, nach Beobachtungen von Reuters-Journalisten zumindest vier.

Hunderte Mubarak-Anhänger hatten sich auf dem Platz eingefunden, um ihren Staatschef zu stützen. Der Tahrir-Platz ist seit Tagen allerdings zentraler Ort der landesweiten Massenproteste gegen die ägyptische Führung.

Armee ruft zu Protestende auf
Die Armee rief unterdessen zu einem Ende der Proteste gegen die Staatsführung auf. Die Demonstranten sollten nach Hause zurückkehren, um die Rückkehr zu Sicherheit und Stabilität im Land zu ermöglichen, hieß es. Die Forderungen der Demonstranten seien nun bekannt. Präsident Mubarak hatte am Vortag erklärt, er verzichte auf eine weitere Amtszeit. Einen sofortigen Rücktritt lehnt er trotz der Massenproteste aber ab.

Bei der Verfassungsreform geht es vor allem um einen Paragrafen, der es unabhängigen Kandidaten praktisch unmöglich macht, für das Amt der Präsidenten anzutreten. Die Änderung des Verfassungsparagrafen zur Präsidentschaftskandidatur war vor Beginn der Protestaktionen vor einer Woche eine der wichtigsten Forderungen der Opposition gewesen. Jetzt, wo sich die außerparlamentarische Opposition zu einer Massenbewegung entwickelt hat, erwarten ihre führenden Köpfe jedoch noch weitere, radikalere Reformen.

Allerdings sind Parlamentssitzungen "bis auf Weiteres" ausgesetzt", wie die staatliche Nachrichtenagentur Mena meldete. Beide Kammern des Parlaments wurden suspendiert, bis das Ergebnis der Wahl vom Dezember überprüft wurde. Die Opposition hatte schon gleich nach der Parlamentswahl im Dezember Betrugsvorwürfe erhoben.

Regierung gegen sofortigen Machtwechsel
Die ägyptische Regierung hat Forderungen aus dem Ausland nach einem sofortigen Beginn des Machtwechsels zurückgewiesen. Vorschläge, nach denen umgehend eine Übergangsperiode eingeleitet werden solle, müssten "abgelehnt" werden, teilte Außenminister Hossam Zaki mit. Ein solches Vorgehen würde die krisenhafte "innere Lage in Ägypten" weiter anfachen, fügte er hinzu.

US-Präsident Barack Obama hatte seinen im Zentrum der Kritik stehenden ägyptischen Kollegen Hosni Mubarak aufgerufen, umgehend einen Übergangsprozess einzuleiten. Ähnlich äußerte sich EU-Außenministerin Catherine Ashton.

Wien schickt neue Bundesheer-Maschine
Das Außenministerium in Wien hat erneut eine Maschine des Bundesheeres zur Evakuierung österreichischer Touristen nach Ägypten gesendet. Die Hercules C-130 soll 60 bis 70 Urlauber von Luxor nach Wien bringen. In Kairo warten unterdessen etwa 120 Österreicher auf ihre Ausreise in die Heimat. Für sie organisiert das Außenamt Plätze für Linienflüge. Sollte dies nicht reichen, könnte eine weitere Sondermaschine der AUA gechartert werden, erklärte Ministeriumssprecher Launksy-Tieffenthal.

(apa/red)

Kommentare

Werden jetzt diejenigen Touristen, welche am Samstag noch, trotz Reisewarnung, nach Ägypten geflogen sind, evakuiert????

Innerstaatliche Spannungen! Woher kommen plötzlich diese "Hunderte Mubarak-Anhänger" her? Gut bezahlte Söldner? Manipulation? Ja der Mensch schreckt vor nichts zurück, auch nicht vor einem Bürgerkrieg!

Seite 1 von 1