Blutige Anschlagsserie mit 200 Toten: Irak trauert nach den jüngsten Ausschreitungen

Pentagon-Chef Gates überraschend in Bagdad Sadr-Miliz will trotzdem nicht zu Waffen greifen

Blutige Anschlagsserie mit 200 Toten: Irak trauert nach den jüngsten Ausschreitungen

Die irakische Hauptstadt Bagdad kommt nach der verheerenden Anschlagsserie mit mehr als 180 Todesopfer nicht zur Ruhe: In einem mehrheitlich von Schiiten bewohnten Stadtteil sprengte sich erneut ein Attentäter in die Luft und riss mindestens elf Menschen mit in den Tod. Etwa 30 weitere wurden verletzt. Zahlreiche Opfer der Anschläge vom Vortag wurden entsprechend der muslimischen Tradition noch vor dem Mittagsgebet beigesetzt. Allerdings waren viele noch immer nicht identifiziert.

In Moscheen und Zelten ganz in der Nähe des Tatorts fanden Gedenkveranstaltungen für die 183 Getöteten statt. Er sei bereits auf 18 Beerdigungen gewesen, berichtete Akram Abdullah, ein Händler in der irakischen Hauptstadt. Ein Augenzeuge sagte, noch immer seien nicht alle Opfer aus den Wracks von Autos geborgen worden. Für den folgenschwersten Anschlag auf dem Sadrija-Markt mit fast 130 Toten machten die US-Streitkräfte die Terrorgruppe Al Kaida im Irak verantwortlich.

Ministerpräsident Nuri al-Maliki ordnete die Festnahme eines Oberst der irakischen Streitkräfte an, der für die Sicherheit in der Umgebung des Sadrija-Marktes verantwortlich war. Die Anschläge auf die Zivilbevölkerung erinnerten an die Verbrechen des Regimes von Saddam Hussein, erklärte das Büro des Regierungschefs in einer Stellungnahme.

Gates im Irak
Der amerikanische Verteidigungsminister Robert Gates traf zu einem nicht angekündigten Besuch im Irak ein. Vor seinem Abflug sagte Gates in Israel, die US-Regierung und die amerikanische Öffentlichkeit verlören die Geduld. Er wünsche sich schnellere Fortschritte, sagte der Minister. Die irakische Regierung müsse die Versöhnung vorantreiben und eine Einigung zur Aufteilung der Erlöse aus der Ölförderung erreichen. Den irakischen Politikern wolle er die Botschaft übermitteln, dass das militärische Engagement der USA endlich sei. Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft äußerte sich bestürzt über die Gewalt.

Schüsse auf Polizeipatrouille
In Bakuba beschossen Bewaffnete eine Polizeipatrouille, dabei wurden ein Polizist und eine Frau tödlich getroffen. In der Nähe von Kut südöstlich von Bagdad wurde ein irakischer Soldat getötet, wie das örtliche Krankenhaus mitteilte. Bei einem Angriff in Kirkuk im Norden des Landes wurden sieben Angestellte eines staatlichen Ölunternehmens schwer verletzt.

Die Miliz des Schiitenpredigers Moktada al-Sadr will trotz der jüngsten schweren Anschläge in Bagdad nicht wieder zu den Waffen greifen. Die Miliz könne ohne Erlaubnis der Regierung nicht handeln, sagte der hochrangige Vertreter der Sadristen, Abdul-Mehdi al-Mutejri, der Nachrichtenagentur Reuters. Allerdings gebe es zunehmenden Druck aus der Bevölkerung. "Die Iraker werden nicht mehr lange Geduld haben", sagte Mutejri.

Seine Äußerungen deuten daraufhin, dass der anti-amerikanische Sadr den Sicherheitsplan der USA und der irakischen Regierung noch immer unterstützt. Die vor etwa zwei Monaten gestartete Offensive soll die Gewalt in der irakischen Hauptstadt eindämmen. Bei mehreren Anschlägen im Schiiten-Viertel Sadrija im Zentrum Bagdads waren jedoch erneut fast 200 Menschen ums Leben gekommen.

Sadr zieht Minister ab
Sadr hatte seine Minister aus dem Regierungskabinett abgezogen, weil Ministerpräsident Nuri al-Maliki sich weigerte, einen konkreten Zeitplan für den Abzug der US-Truppen aus dem Irak aufzustellen. Daraufhin mehrten sich Befürchtungen, Sadr werde seiner gefürchteten Mehdi-Miliz wieder freie Hand lassen. Sadr hatte 2004 zwei Revolten gegen die US-Truppen angeführt. Er wandte sich dann jedoch der Politik zu und spielte eine wichtige Rolle bei der Bildung der irakischen Regierung. Die US-Regierung hat die Mehdi-Miliz als die größte Bedrohung für den Frieden im Irak bezeichnet.

(apa/red)