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Blut aus der Flasche

Philipp Preuss inszeniert Shakespeares „Romeo und Julia“ am Volkstheater

Romeo und Julia am Volkstheater © Bild: www.lupispuma.com / Volkstheater

Der Vorarlberger Philipp Preuss zeigt bei seinem Regie-Debüt im Volkstheater Shakespeares Klassiker „Romeo und Julia“ mit drei Liebespaaren, neun Klavieren, Live-Videoprojektionen und Flaschen voller Theaterblut. Weshalb, kann die Aufführung trotz eines überzeugenden jungen Ensembles mit Stefanie Reinsperger als eine von drei Julias nicht klären.

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Drei junge Schauspieler (Thomas Frank, Kaspar Locher und Nils Rovira-Munoz) arbeiten sich unter einen spaltbreit gehobenen Gaze-Vorhang auf die Vorderbühne. Sie teilen sich die Rolle des Romeo. Ein paar Szenen später treten drei Schauspielerinnen (Katharina Klar, Nadine Quittner und Stefanie Reinsperger) wie in einer Casting-Show als Julia an. Ein kompakte Szene, die überzeugt. Stefanie Reinsperger spielt auf ihrem schauspielerischen Instrumentarium die rasend Liebende, und das beeindruckt. Das ist aber das einzige, das von dieser Aufführung bleibt. Verhandelt wird da wenig.

Einschläfernde Töne

Sechs junge Leute formieren sich zu Paaren, trennen sich und formieren sich neu in anderer Zusammensetzung. Dazwischen tritt Julias Amme und Mutter (Steffi Krautz) mit langwierig, nervenden Monologen auf. In Großprojektion wird das Konterfei der Darstellerin auf Ramallah Aubrechts düstere Bühne projiziert. Dort umranden präparierte Klaviere das geschehen und begleiten mit elektronischen Bässe. Das wirkt ebenso einschläfernd wie die ständigen Gesangseinlagen, die manchmal auch noch mit überdimensionalen Pappmasken absolviert werden müssen.

Shakespeares Text wirkt willkürlich reduziert. Julias Vater in der harmlos, unglaubwürdig streng wirkenden Gestalt von Stefan Suske bekommt seinen Auftritt, auch Paris (Christoph Rothenbucher) bekommt sein Solo, wenn er minutenlang einen Song darbieten muss. Einzig schlüssiges Scharnier ist Rainer Galke als Pater Lorenzo.

Am Ende ertränkt Regisseur Philipp Ruess sein großes Nichts auch noch in Theaterblut. Wer stirbt, schüttet sich eine Flasche Theaterblut übers Haupt. Und das war’s.

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