Blockiert Israel Hilfslieferungen? Hilfs-organisationen klagen über Missstände

Rotes Kreuz: Keine Genehmigung für Güterverteilung UNO: Zugang und Geldmittel weiterhin unzureichend

Hilfsorganisationen haben nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz keine Genehmigung für die Verteilung von Lebensmitteln und medizinischen Versorgungsgütern im südlichen Libanon erhalten. Israel habe sozusagen eine Blockade über Teile des Grenzgebiets verhängt, sagte IKRK-Sprecher Richard Huguenin. So hätten die Militärbehörden entgegen früheren Zusagen keine Sicherheitsgarantien abgegeben. Schon seit zwei Tagen seien deshalb keine Hilfstransporte mehr möglich gewesen.

Auch auf dem Seeweg war es Huguenin zufolge nicht mehr möglich, die südlibanesische Bevölkerung zu versorgen. Ein griechisches Schiff mit Hilfsgütern des Roten Kreuzes habe keine Genehmigung erhalten, den Hafen von Tyrus anzusteuern. Es sei schließlich nach Sidon nördlich des Litani-Flusses umgeleitete worden. Israel hat mehrfach angekündigt, das rund 30 Kilometer breite Gebiet südlich dieses Flusses bis zur israelischen Grenze zur Pufferzone auszuweiten. Die dortige Bevölkerung wurde zur Ausreise aufgerufen.

Nach Schätzungen des Roten Kreuzes befinden sich aber immer noch rund 100.000 Menschen in diesem Gebiet - etwa 27.000 in Tyrus, 33.000 in den verstreuten Dörfern und 40.000 Palästinenser in vier Flüchtlingslagern. Sie müssten dringend mit Hilfsgütern versorgt werden, betonte Huguenin.

Auch die Hilfsorganisation Care warf Israel vor, die Versorgung der Zivilbevölkerung im Libanon zu behindern. Durch den Beschuss und die starke Beschädigung der nördlichen Verbindungsstraße von Syrien nach Beirut durch die israelische Armee Ende vergangener Woche sei eine entscheidende Versorgungsmöglichkeit "bewusst massiv beeinträchtigt worden", kritisierte der Geschäftsführer von Care Deutschland, Wolfgang Jamann.

Hunderttausende warten auf Hilfe
Ein französisches Flugzeug mit Hilfsmitteln kam am Montag in Beirut an, wie Christiane Berthiaume vom Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen am Dienstag mitteilte. Im Osten des Libanons seien zwölf Lastwagen mit Hilfsgütern auf dem Weg nach Sahla. Die Lebensmittel, die das WFP bisher in den Libanon bringen habe können, seien aber bei weitem nicht ausreichend. "Es gibt hunderttausende Menschen ohne Unterkunft, die dringend Hilfe brauchen", beklagte Berthiaume. "Wir bräuchten mindestens zwei Konvois am Tag im Süden. Für einen guten Job bräuchten wir sechs am Tag. Davon sind wir weit entfernt."

Auch die finanzielle Rückendeckung für die UN-Missionen lässt zu wünschen übrig: Von den erbetenen 150 Millionen Dollar (117 Millionen Euro) seien bisher lediglich 41 Millionen Dollar zusammengekommen, teilte das UN-Büro für die Koordination der humanitären Hilfe mit.

(apa/red)