Blitzschneller Bankomatkarten-Missbrauch:
Bank haftet bis zu 15 Minuten nach Diebstahl

Urteilt Wiener Bezirksgericht für Handelssachen

Behebungen mit dem richtigen PIN-Code innerhalb der ersten 15 Minuten nach dem Diebstahl einer Bankomatkarte können dem Kontoinhaber nicht angelastet werden. Es haftet die Bank, sofern der Kunde keine Sorgfaltspflicht verletzt hat. Das hat das Wiener Bezirksgericht für Handelssachen in einem Verfahren des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) festgestellt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

An einem Samstag wurde einer Frau in der Wiener U-Bahn die Geldbörse gestohlen. Nur rund 15 Minuten nach dem Diebstahl holte sich der Täter 1.500 Euro von ihrem Konto. Zwei Stunden danach wurden 1.700 Euro behoben. Immer verwendete der Dieb die Bankomatkarte und den richtigen PIN-Code.

Die Frau zeigte den Diebstahl unverzüglich an. Von der Polizei bekam sie die Sperrnummer für ihre Kreditkarte. Die Telefonnummer der Bankomatkarten-Sperrhotline war ihr nicht bekannt. Erst Tage später erfolgte die Meldung bei ihrem Geldinstitut.

Die Bank lastete den Schaden der Frau an. Die Geschäftsbedingungen sehen vor, dass der Kontoinhaber haftet, wenn die Karte abhanden kommt und durch seine eigene Unvorsichtigkeit ein Dieb den Code heraus bekommt. Man muss die gestohlene Karte außerdem sofort sperren lassen. Eine Sperre wird innerhalb von maximal zwei Stunden wirksam.

Das Bezirksgericht für Handelssachen geht hingegen davon aus, dass die Behebungen innerhalb der ersten 15 Minuten nicht in die Verantwortung der Frau fallen. Die Verwahrung der Geldbörse im verschlossenen Rucksack wurde als sachgerecht beurteilt. Wie der Dieb an den PIN-Code kam, blieb ein Rätsel. Die blitzschnellen Behebungen wären laut dem Gericht nicht verhindert worden, wenn die Karte unverzüglich gesperrt worden wäre.

Im Falle der restlichen Behebungen in Höhe von rund 1.700 Euro habe das Diebstahlsopfer aber nicht rasch genug für die Sperre der Karte gesorgt. Diese Schäden muss die Frau selbst tragen.

"Das Urteil zeigt: Das Argument von Banken, dass die Verwendung des richtigen PIN-Codes durch den Täter ein Hinweis für das sorgfaltswidrige Verhalten des Kunden sei, hält vor Gericht nicht. Lässt sich eine Sorgfaltswidrigkeit nicht feststellen, dann muss die Bank das Risiko des Verlustes tragen", sagte Peter Kolba, Leiter des Bereiches Recht im VKI.

(apa)