Blatter übt milde Kritik an Schiedsrichtern:
FIFA-Boss bedauert Hickersberger-Verweis

Schweizer: "Löw & Hickersberger zu Unrecht bestraft" Schweizer sieht bei TV-Kritik die UEFA in der Pflicht

Blatter übt milde Kritik an Schiedsrichtern:
FIFA-Boss bedauert Hickersberger-Verweis © Bild: Reuters

FIFA-Präsident Joseph Blatter hat sich kritisch zu den kontroversiellen EURO-Themen geäußert. Die Schiedsrichterleistungen und Vorwürfe der Zensur, die das von der UEFA produzierte TV-Livesignal hervorgerufen habe, betrachtet Blatter skeptisch. Das Auftreten der vierten Offiziellen, vor allem jenes im Spiel Österreich gegen Deutschland, kritisierte der Schweizer in der ORF-TV-Sendung "Pressestunde" scharf und sprach bezüglich der Ausschlüsse der Teamchefs Josefs Hickersberger und Joachim Löw sogar von einer Fehlentscheidung.

"Der Vierte soll ruhig sein, er ist nicht dazu da, um für Ordnung zu sorgen. Er kann dem Schiedsrichter etwas sagen. Alles andere bringt Unordnung hinein", betonte Blatter. Die Verbannung der Teamchefs Josef Hickersberger und Joachim Löw auf die Tribüne sei falsch gewesen: "Löw und Hickersberger wurden in diesem Fall zu Unrecht bestraft."

Kontroverse über UEFA-Live-Bilder
Die Kontroversen um die zentral produzierten Live-Bilder der EM-Spiele ließ der Schweizer nur zum Teil gelten. "In erster Linie ist das ein Problem der UEFA und der EURO, bei der letzten WM war das meines Wissens nicht so", sagte der Schweizer in der ORF-Sendung "Pressestunde". Die UEFA produzierte das Live-Signal der EURO heuer erstmals selbst, sämtliche TV-Anstalten sind verpflichtet, die offiziellen Bilder zu übernehmen.

"Da wurde übertrieben, man sprach von Zensur. Jede Anstalt hat das Recht, eigene Kameras mitzunehmen. Aber Hooligans sollten in Direktübertragungen hinein, das war bei der WM in Deutschland drinnen", betonte Blatter, der darauf hinwies, dass sich die Sender mit der Vertragsunterzeichnung damit einverstanden gezeigt hatten. Ein Zuschauer, der das Spielfeld gestürmt hatte, und bengalische Feuer in Fanblocks waren in den Liveberichten der EM nicht zu sehen gewesen.

"Keine ganz großen Fehler" bei Schiri-Entscheidungen
Der Schweizer meinte zudem, dass mehr Unparteiische für so ein großes Turnier notwendig seine. "Die Auswahl von zwölf Schiedsrichter waren meiner Ansicht zu wenig, da gibt es zu wenig Konkurrenzkampf. Es hat aber keine ganz großen Fehler gegeben, es hat Unachtsamkeiten gegeben", meinte Blatter zu den heftig diskutierten Schiedsrichterleistungen. Zu geplanten Reformen im Schiedsrichterwesen nahm der mächtigste Fußball-Funktionär der Welt ebenso Stellung. "Die Anzahl der Schiedsrichter darf dem Spiel die Spontanität nicht wegnehmen, wir müssen das menschliche Antlitz des Spiels beibehalten", meinte er zum Vorschlag, zusätzliche Schiedsrichter einzusetzen.

"Man muss schauen, dass die Referees besser ausgebildet werden, aber zwei Assistenten genügen heute nicht mehr", so der Schweizer weiter. Die FIFA will in Versuchen den Einsatz zweier zusätzlicher Linienrichter, die den Sechzehnmeter-Raum überwachen, testen. "Das wird für die Spieler eine psychologische Bedeutung haben. Das werden wir ausprobieren, vielleicht schon dieses Jahr, aber sicher beim Confederations Cup 2009 in Südafrika."

Videokamera nur bei Torlinie angedacht
Die oftmals geforderte Einführung des Videobeweises sei laut Blatter vor allem technisch schwierig umzusetzen. Eine Überwachung der Torlinie sei aber angedacht. "Da braucht man so viele Kameras, die Spontanität darf aber nicht verloren gehen. Es müsste in Null-Komma-Plötzlich angegeben werden ob Tor oder nicht, das ist schwierig". Ein Hawk-Eye-System wie im Tennis sei nicht praktikabel, ein Chip im Ball schon eher. "Das System ist wirklich kompliziert und nicht immer 100-prozentig korrekt, wir haben das im Moment auf Eis gelegt", so Blatter.
(apa/red)

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