Blatter wettert gegen den CAS-Entscheid:
FIFA-Boss fürchtet einen Schneeballeffekt

OIC-Präsident Jacques Rogge um Beruhigung bemüht Werder, Schalke & Barca erteilen Spielern Freigabe

Blatter wettert gegen den CAS-Entscheid:
FIFA-Boss fürchtet einen Schneeballeffekt © Bild: Reuters

Joseph Blatter hat verstimmt auf die Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS) reagiert, wonach die Clubs ihre Fußball-Stars wieder von den Olympischen Spielen abziehen können. "Das ist sehr traurig und die Welt versteht das nicht", sagte der Präsident des Fußball-Weltverbandes (FIFA) in Peking. IOC-Präsident Jacques Rogge forderte die Clubs indes auf, ihre Profis in Peking zu lassen.

"Bitte wahren sie den olympischen Waffenstillstand für dieses olympische Turnier", sagte der Belgier fast flehend, während Blatter andere Töne anschlug: "Wenn alle Nationalteams ihre Spieler verlieren, wenn die Clubs sie zwingen, heimzufliegen, dann haben wir hier schlichtweg kein olympisches Fußballturnier. Dann können wir auch Beach-Soccer oder Fünf gegen Fünf spielen."

Der Schweizer, der am Mittwoch noch angekündigt hatte, dass man das Urteil respektieren müsse, sprach nach wochenlangem Wirbel um die Abstellung der Profis von einer "ziemlich dramatischen Entscheidung". Nun fürchtet Blatter einen "Schneeballeffekt", wenn einige Clubs ihre Spieler zurückfordern: "Ist das die olympische Solidarität?" Der FIFA-Chef rechnet zudem damit, dass die Vereine einen finanziellen Ausgleich dafür wollen, dass ihre Spieler in Peking antreten.

Rogge verspricht Aufarbeitung
Rogge versprach, dass es nach den Sommerspielen eine Aufarbeitung der Problematik geben werde. "Wir werden dann entscheiden, welche Maßnahmen wir treffen. In der Zwischenzeit müssen wir das in kurzer Zeit regeln und an die Clubs appellieren, ihre Spieler nicht abzuziehen und ihren Profis die Chance geben, ihre Träume wahr werden zu lassen." Der IOC-Boss wies auch darauf hin, dass sich der Konflikt nicht so aufgestaut hätte, wenn sich die FIFA die Olympischen Spiele in seinen Kalender eingetragen hätte.

Der seit Wochen vor sich hinköchelnde Konflikt war erst 24 Stunden vor dem Turnierstart der Männer durch das CAS beendet worden, das in der Berufungsverhandlung gegen die FIFA-Entscheidung und im Sinne der klagenden Clubs Werder Bremen, Schalke 04 und FC Barcelona entschieden hatte. Spieler unter 23 Jahren müssen von den Clubs demnach für Olympia freigestellt werden, weil sich keine Abstellungspflicht aus den FIFA-Statuten ergebe und auch kein entsprechendes Gewohnheitsrecht existiere.

Werder, Schalke und Barcelona erteilen Spielern Freigabe
Werder und Schalke hatten nach dem Urteil angekündigt, trotz des Erfolges vor dem CAS auf eine nun nicht mehr sinnvolle Rückholaktion ihrer brasilianischen Leistungsträger Diego und Rafinha zu verzichten. Sie knüpften deren Verbleib aber an Bedingungen an die Verbände wie eine Versicherung ihrer Akteure oder Abstellgebühren.

Auch der FC Barcelona erteilte seinem Star Lionel Messi die Freigabe. "Wir haben beschlossen, Leo Messi bei Olympia spielen zu lassen", meinte Sportdirektor Txiki Begiristain im Rahmen einer Pressekonferenz in Barcelona. Es gab vonseiten der Katalanen zwei Bedingungen für diese Entscheidung: Eine Kompensation des argentinischen Fußball-Verbandes AFA in Form einer Versicherung sowie die Zusage von AFA-Präsident Grondona, den Spieler in dieser Saison von allen Freundschaftsspielen zu befreien.

Laut Begiristain habe man "eine Entscheidung zugunsten des Spielers" getroffen. Barcelona bestreitet das Hinspiel der dritten Quali-Runde der Champions League am 13. August gegen Wisla Krakau damit ohne den Argentinier.

Bei den deutschen Clubs wurde der Druck auf den brasilianischen Fußball-Verband CBF und die FIFA indes stärker. Schalke-Manager Andreas Müller warf den Brasilianern "Arroganz" vor, weil sie bis Donnerstag noch nicht auf die Bedingungen des Clubs für die Abstellung von Rafinha reagiert hatten. Auch Werder gab bekannt, dass vonseiten des CBF noch keine Reaktion erfolgt sei. "Die FIFA hat versichert, dafür einzustehen, dass unsere Bedingungen erfüllt werden", erklärte Geschäftsführer Allofs.
(apa/red)