Blasmusik und Showeinlage: FPÖ hat H.-C. Strache zum Spitzenkandidaten gewählt

Stadler übt deftige Kritik an Khol und Schüssel MITSTIMMEN: Wen würden Sie derzeit wählen?

Die FPÖ hat sich bei ihrem außerordentlichen Parteitag in Linz mit Anti-Ausländer-Parolen und einem Rundumschlag gegen alle Gegner Mut für die kommende Wahl gemacht. Parteichef Heinz-Christian Strache, der die FPÖ zur dritten Kraft im Land machen will, wurde einstimmig zum Spitzenkandidaten gewählt. Im Gegensatz zum BZÖ, das bei seinem Parteitag am Vorabend in Salzburg bemüht war, sich als moderne Partei zu präsentieren, gab sich die FPÖ bewusst traditionell. Welche Strategie die besser ist, wird die Wahl zeigen - bessere Zeiten haben beide Seiten gemeinsam allemal erlebt.

Eine Gemeinsamkeit scheinen Blaue und Orange jedenfalls zu haben, beide wollen sich für die bevorstehende Wahl als Sozialpartei positionieren und damit wohl der krisengeschüttelten SPÖ Stimmen abspenstig machen. Von den 424 Delegierten bekam Strache für seinen betont EU-kritischen und ausländerfeindlichen Kurs jedenfalls breite Unterstützung, er wurde einstimmig zum Spitzenkandidaten gekürt.

Einen Großteil seiner eindreiviertel Stunden langen Rede widmete Strache der Ausländer-Thematik. Viele Ausländer würden sich gar nicht integrieren wollen, weil "sie sich denken, 'wozu integrieren, wir sind eh bald die Mehrheit'." Man werde "zur Minderheit im eigenen Land gemacht", so Strache. "Das ist ein Überlebenskampf" für unser Land und unsere Kultur.

Der 37-Jährige bekräftigte das Nein der FPÖ zu einem EU-Beitritt der Türke und warnte auch davor, dass in Bulgarien und Rumänien "hunderttausende Zigeuner darauf warten, zu uns zu kommen". Österreich sei "ein Magnet für Asylmissbrauch geworden", so Strache, der wieder "österreichische Patrioten" im Parlament sehen will.

Die "Vierer-Bande im Hohen Haus" - gemeint sind ÖVP, SPÖ, BZÖ und Grüne - treibe ein "schäbiges Schauspiel". Es sei eine Frechheit, dass Polen oder Portugiesen "über unsere Verfassung bestimmen sollen", kritisierte Strache erneut die EU-Verfassung. "Wir wollen Herr im eigenen Haus bleiben. Es ist wichtig, es braucht Selbstverteidigung", so Strache.

Die ÖVP bezeichnete der freiheitliche Chef als "die dunkle Seite der Macht". Den Sozialdemokraten attestierte er, die Arbeiter verraten zu haben. Die für die ÖGB-BAWAG-Affäre Verantwortlichen seien "keine Einzeltäter". Ex-ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch, sein Nachfolger Rudolf Hundstorfer, der Wiener Bürgermeister Michael Häupl "sind Haberer fürs Leben", alle hätten bescheid gewusst, meinte Strache.

Deftige Kritik an der ÖVP gab es von Volksanwalt Ewald Stadler. Er beschuldigte Nationalratspräsident Andreas Khol und Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, die FPÖ "umbringen" zu wollen und mit ihrer Unterstützung für das BZÖ im Parlament die "Verfassung verraten" zu haben. Der frühere freiheitliche Klubobmann empörte sich darüber, dass die Regierung der FPÖ die Parteienförderung kürze und versuche, "uns finanziell fertig zu machen". "Das System" wolle die FPÖ durch Kürzungen "austrockenen", so Stadler,

Die in diesem Zusammenhang von FPÖ-Kandidaten geforderte finanzielle Unterstützung für den Wahlkampf verteidigte er. "Es nutzt nichts, wir müssen alle Reserven aufbringen", appellierte Stadler an die Funktionäre, "einen Beitrag" durch eine Haftungsübernahme zu leisten. "Das ist zumutbar", so der Volksanwalt.

Den Wählern versprach die FPÖ mehr "Sozialstaat statt Einwanderung" und Entlastungen für den Mittelstand. Untermauert wurde die Veranstaltung mit Heimatelementen, wie Blasmusik, und rot-weiß-rote Fahnen. Zum Abschluss ertönte die Nationalhymne.
(apa/red)