Blair gesteht Versagen im Irak ein: Premier Großbritanniens spricht von "Katastrophe"

Verteidigt Sturz von Diktator Saddam Hussein Kritik am Verhalten des Iran im Nah-Ost-Konflikt

Der britische Premierminister Tony Blair hat massive Probleme im Irak zugegeben. In einem Interview des neuen englischsprachigen Dienstes des Fernsehsenders Al-Jazeera bejahte er die Frage, ob der Verlauf des militärischen Einsatzes "bisher ein ziemliches Desaster" sei. Doch wolle er nicht von Planungsfehlern sprechen, vielmehr würde die Mehrheit, die für den Frieden sei, durch eine Minderheit, die Krieg wolle, verdrängt. Einen raschen Truppenabzug schloss Blair aus. Großbritannien hat rund 7.200 Soldaten im Südirak stationiert.

Blairs wahrscheinlicher Nachfolger, Schatzkanzler Gordon Brown, traf unterdessen zu einem unangekündigten Besuch im Irak ein. London werde die Iraker weiterhin dabei unterstützen, einen demokratischen Staat aufzubauen, "der seinem Volk Sicherheit und Wohlstand bringt" und in der Region und der Weltwirtschaft eine Rolle spiele, sagte Brown. Die britische Handelsministerin Margaret Hodge hatte den Irak-Krieg als "großen außenpolitischen Fehler" Blairs bezeichnet und dessen "moralischen Imperialismus" kritisiert.

Der mit dem Vorsitz der so genannten Iraq Study Group (ISG) betraute ehemalige US-Außenminister James Baker hat nach Informationen der "New York Times" mehrmals syrische Vertreter getroffen, um Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zwischen Washington und Damaskus zu sondieren. Wie die Zeitung unter Berufung auf den syrischen Botschafter in den USA, Imad Mustafa, berichtete, kam Baker im September auch mit dem syrischen Außenminister Walid Muallem zusammen. Das Treffen in New York sei sehr "vielversprechend" gewesen, wurde der Diplomat zitiert. Der Botschafter beriet demnach mehrmals mit ISG-Mitgliedern darüber, was Syrien zur Verbesserung der Lage im Irak tun könne "und was nicht". Die von dem Republikaner Baker und dem früheren demokratischen Abgeordneten Lee Hamilton geleitete ISG soll Empfehlungen zum Fortgang des Irak-Einsatzes der USA erarbeiten.

Bush zurückhaltend
US-Präsident George W. Bush hatte zurückhaltend auf Vorschläge des britischen Premiers reagiert, den Iran und Syrien zur Lösung des Irak-Konflikts einzubeziehen. Die USA hatten mit ihrem "Syrian Accountability Act" Strafmaßnahmen auf wirtschaftlicher und diplomatischer Ebene gegen Syrien verhängt und dessen Führung Unterstützung von Terrorgruppen vorgeworfen. Durch Äußerungen von Blair und des australischen Regierungschefs John Howard ist Bush bei der Suche nach einer Irak-Auswegstrategie zuletzt immer stärker unter Druck geraten.

Der Befehlshaber der US-Truppen im Irak, General John Abizaid, hat den Kampf gegen Terror und Extremisten im Irak mit den großen ideologischen Auseinandersetzungen des vergangenen Jahrhunderts verglichen. "Stellen Sie sich das als eine Chance vor, den Faschismus in den zwanziger Jahren zu bekämpfen - wenn wir nur den Mumm dazu gehabt hätten", sagte er am Freitag in einem Vortrag an der Harvard-Universität. Abizaid räumte ein, dass militärische Gewalt allein im Irak keine Stabilität hervorbringen könne.

Bei Razzien in der Nähe von Bagdad, Tikrit und weiteren Städten töteten US-Soldaten seit Freitag elf Aufständische und nahmen 24 weitere fest, wie die Armee mitteilten. Sie durchsuchten auch den Bagdader schiitischen Stadtteil Sadr City, der als Hochburg der Miliz "Mahdi-Armee" des radikalen Predigers Muktada al-Sadr gilt.

(apa/red)