Bis 2009 werden rund 50.000 Facharbeiter fehlen: Pilotversuch tritt am 1. Mai in Kraft

Facharbeiter-Ausbildung in Ö hat oberste Priorität Gefragt vor allem Migrantenkinder der 2. Generation

"Eher schwerer als leichter" werde es sein, die 800 Schweißer, Dreher und Fräser zu bekommen, die ab 1. Mai aus den neuen EU-Ländern nach Österreich kommen dürfen, betonte Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein bei einem Pressegespräch im Berufsausbildungzentrum BAZ, wo derzeit rund 700 Erwachsene in Metallberufen ausgebildet werden.

Rund 50.000 Facharbeiter werden in Österreich bis 2009 fehlen, so Bartenstein. Europaweit mangle es an Fachkräften. Oberste Priorität sei es deshalb, Facharbeiter in Österreich im Rahmen der dualen Berufsausbildung auszubilden. Gefragt seien vor allem Migrantenkinder der zweiten Generation, die einen Lehrberuf ergreifen. Mit einem Appell wendet sich Bartenstein an die Wirtschaft. Denn: "Nur wer selbst für die Ausbildung sorgt, wird morgen Fachkräfte haben".

Das Arbeitsmarktservice (AMS) wird wie angekündigt bis 2008 die Ausbildungsplätze für Metallberufe auf 10.000 verdoppeln. Das Wirtschaftswachstum in Österreich werde vor allem davon abhängen, ob Unternehmen auch die Fachkräfte finden, die sie brauchen, so AMS-Vorstand Johannes Kopf. Die zentrale Strategie der Arbeitsmarktpolitik sei daher die Höherqualifikation von Jobsuchenden. Dabei werden Schulungen mit Lehrabschlüssen, wie Facharbeiterausbildungen für Erwachsene, aber auch Ergänzungskurse in einzelnen Bereichen angeboten.

Im Berufsausbildungszentrum BAZ werden derzeit rund 700 erwachsene Arbeitslose ab 19 Jahre in Metallberufen ausgebildet. Die Ausbildung dauert 15 bis 18 Monate, die Kosten betragen pro Person 10.000 bis 13.000 Euro, also rund 7 Euro pro Stunde, berichtet bfi-Geschäftsführer Herwig Stage. Im Ausbildungsprogramm eingeplant sind dabei auch Deutschkurse, die rund 8 bis 12 Wochen dauern. 90 Prozent der Kursteilnehmer schaffen die Facharbeiterpüfung, 30 Prozent mit Auszeichnung.

Ab 1. Mai d.J. dürfen im Rahmen eines Pilotversuches 800 Schweißer, Dreher und Fräser aus Osteuropa für 50 Wochen nach Österreich. Die Facharbeiterverordnung gilt vorerst bis 31. Dezember und kann dann verlängert werden. Das AMS muss bis 30. September 2007 eine österreichweite Facharbeitererhebung durchführen, um den weiteren Bedarf festzustellen. Bevorzugt werden sollen vor allem jene Betriebe, die selbst Lehrlinge ausbilden. Es dürfe kein Lohndumping geben, betonte dazu Arbeitsminister Bartenstein heute. Es gelten die Kollektivverträge. Leicht werde es nicht sein, die notwendigen Fachkräfte zu bekommen. Es gebe aber europaweite Job-Portale, die zusammenarbeiten, so AMS-Chef Kopf.

Das AMS hat im Metallbereich im Vorjahr insgesamt 4.779 Personen ausgebildet, davon 1.025 mit Lehrabschlüssen. Heuer sollen insgesamt 7.500 Personen in Metallberufen ausgebildet werden, davon 1.500 Lehrabschlüsse. Für 2008 sind insgesamt 10.000 Facharbeiter-Abschlüsse, davon 2.000 Lehrabschlüsse geplant.

(apa/red)