Biografie von

6 Dinge, die Sie noch nicht
über Conchita Wurst wussten

Das Outing und die Idee mit dem Bart: Pikante Geheimnisse aus "Ich, Conchita"

Conchita Wurst © Bild: JONATHAN NACKSTRAND/AFP/Getty Images

"Wir müssen etwas Kluges sagen" flüsterte Tom Neuwirth seinem Spiegelbild Conchita Wurst in der Nacht vor dem Finale des European Song Contests zu. "Warum sich etwas ausdenken?", antwortete Conchita, "erzähl 'den Leuten deine Geschichte. Es gibt nichts Kluges zu sagen, außer man erlebt es." In der Biografie "Ich, Conchita" erzählt Ghostwriter Daniel Oliver Bachmann die unglaubliche Geschichte einer Verwandlung. Und davon, anders zu sein.

Wie alles begann

"Alles begann mit der Pubertät. Auf einmal trat eine Unsicherheit in mein Leben, die ich vorher nicht kannte. Ich vermag heute nicht mehr zu sagen, wer als Erster bemerkte, dass ich mich von meinen Mitschülern unterschied: ich selbst oder sie". Kleine Gemeinheiten, Tuscheln hinter dem Rücken und Schimpfworte begleiteten den kleinen Tom durch seine Schulzeit in Bad Mitterndorf. Die Einsicht, dass anders sein kein Makel ist, kam reichlich spät: Als Tom Neuwirth 2014 die Ehrenbürgerschaft angetragen wurde. Sein kleines Paradies der Freiheit war der elterliche Dachboden, auf dem Toms ohne gestört zu werden sein konnte, wie er wollte. Hier sang er lautstark seine Arien, tobte sich als Modedesigner aus, probierte seine ersten Kleider an.

Toms Outing

Die Erste, die aus Neuwirth die Worte "Ja, ich bin schwul" hervorlockte, war Anita "Niddl" Ritzl, die ihn für eine Zeitschrift interviewte. "Niddl", bekannt aus der ersten Staffel von "Starmania", sagte Tom mit siebzehn Jahren zum ersten Mal: "Ich bin es. Ja, liebes Österreich, liebes Deutschland, liebe Schweiz, und wer immer das später lesen wird: ich bin es. Ich bin schwul. Für Tom "der größte Fehler seines Lebens". Tom wurde mit einem Schlag klar, was es bedeuten könnte, wenn Bad Mitterndorf aus einer Zeitschrift erfahren würde, dass der "Sohn vom Dorfgastwirt homosexuell ist." Allen voran seine Eltern, die bis zu dem Zeitpunkt noch vollkommen ahnungslos ob seiner Homosexualität waren.

Doch nun war es zu spät, das Outing abgedruckt und würde bald erscheinen. In seiner Verzweiflung rief Tom seine Oma an. "Du fährst nach Hause" befahl sie dem Jungen, "es ist besser so." Seine Eltern konfrontierte er dann mitten im stressigen Alltag mit seiner Neuigkeit und ein fürchterlicher Streit über das Wie des Outings entsprang. Am Ende weinten alle und dann tauchte Toms Oma auf und machte dem ein Ende. Sie sagte: "Hab ihr nicht Gäste heute Abend und jede Menge zu tun? Dann reißt euch gefälligst zusammen." Trotzdem sollte es noch eine Weile dauern, bis Toms Eltern die Neuigkeit verdauten. Und heute? "Sie sagen manchmal, dass sie mir dafür dankbar sind, sich durch mich entwickeln zu dürfen, um die Meinungen anderer Leute nicht mehr so wichtig zu nehmen."

Starmania

Die Castingshow sollte für Tom Neuwirth ein "erster kleiner Schritt" in Richtung Verwandlung werden. "Es war für mich das erste Mal, dass ich 'um die Wette' sang, und ich hatte dabei zwiespältige Gefühle. Auf der einen Seite bereitete es mir viel Freude, vor einer so großen Öffentlichkeit singen zu dürfen. Auf der anderen Seite fühlte ich jedes Mal hautnah mit den ausgeschiedenen Kandidaten." Am Ende waren nur noch Nadine Beiler und Tom im Finale: Tom wurde Zweiter. Doch beim Song Contest viele Jahre später überholte er seine Konkurrentin: Beiler belegte bei dem Gesangsbewerb 2011 nur den 18. Platz.

Boyband

Erinnern sie sich noch? Nach Starmania durften einige der Finalisten eigene Songs herausbringen - für Tom hieß es jedoch: entweder Boygroup oder keine Bühne. Der Sänger wurde mit Martin Zerza, Johannes Oalmer und Falco De Jong Juneau in eine Band namens "jetzt anders!" gesteckt. "Damals war ich noch nicht soweit, um 'Nein!' zu sagen, nur weil meine Intuition nicht an den Erfolg glaubte." Neuwirths Intuition sollte sich nicht täuschen: Nach acht Monaten war die Band schon wieder Geschichte. "Ich glaube an Ideen, die dem Herzen entspringen, und an Fleiß, Disziplin, Nachhaltigkeit und 10.000 Stunden, die man einer Sache widmen soll. Das war bei unserer Boygroup nicht der Fall."

»Jeder Künstler balanciert auf Messers Schneide, und nur wer den Misserfolg kennt, kann den Erfolg wertschätzen.«

Die Idee mit dem Bart

Bei einer Party in Wien wurde Tom von dem Burlesque-Revuegirl Kitty Willenbruch angesprochen. Sie war auf der Suche nach einem Conferencier und hielt Tom für den richtigen Mann für den Job. Oder eben die richtige Frau. "Als Mann trug ich einen Bart und fühlte mich wohl damit. (...) Das war die Idee gewesen, die mich seit einiger Zeit beschäftigte: "Wenn es ein Spiel ist, in dem sich ein Mann in einen BH zwängt, ihn schön auspolstert, dann sehr unbequeme Höschen anzieht, die das, was er eigentlich zu bieten hat, auf schmerzhafte Weise verstecken müssen - wenn er auf diese Weise zur Frau wird, warum in Gottes Namen soll diese Frau dann nicht von seinen natürlichen Gaben profitieren? Von seinem Bart zum Beispiel, der sein Gesicht ziert. Immerhin hat der Schöpfer Eva aus der Rippe von Adam geschnitten, weiß die Bibel - dieses Spiel ist schon sehr alt." Willenbruch war begeistert von der Idee und fragte unter welchen Namen Tom auftreten wolle. Und so entstand die Künstlerfigur "Conchita Wurst".

Darum Wurst

"Da war es wieder, das Wort, das in Österreich jeder versteht, weil es eine weit verbreitete Haltung ausdrückt: Mir ist das wurst, mir ist das gleichgültig, mir ist es egal. Auf einmal erinnerte ich mich, wie meinen Eltern die Haltung anderer nicht egal sein konnte, weil ihre berufliche Existenz davon abhing und welche Auswirkungen das auf mein Leben gehabt hatte. Nun wurde mir die ganze Bandbreite des Ausdrucks klar: Es ist mir wurst im Sinne von 'was kümmert mich das' bis 'das kann dir aber nicht wurst sein', was zu einer Handlung aufruft. Wie viel Macht doch in einem Wort stecken kann! Jetzt war der Würfel gefallen. 'Conchita Wurst', sagte ich, 'So werde ich heißen.'"

Ich, Conchita
© LangenMüller

Conchita Wurst:
Ich, Conchita - Meine Geschichte. We are unstoppable

192 Seiten
LangenMüller Verlag
gesehen um 20 Euro

Kommentare

... aber klar... mit SOWAS lässt sich natürlich kohle machen ... viva genderwahn :D

Tja, da haben wir sie wieder alle, die Neider und Ausgrenzer.
Denen es einfach nicht möglich ist Menschen so zu nehmen wie sie sind und sich vielleicht sogar mit ihnen über einen verdienten Erfolg zu freuen. Meist sind es ohnehin aber jene, die im eigenen Leben so gar nichts an Erfolg zu verbuchen haben und deswegen nur Missgunst verbreiten

Engelelfe

Also ich finde besonders in der heutigen Zeit bewundernswert wie Selbstbewusst ER auftritt. SIE ist nur eine Kunstfigur, die wahrscheinlich nur solange lebt, wie sie bei den Medien gut ankommt. Meine Hochachtung vor soviel Mut.

Das Unverständnis, auf dass man mit diesen Thema nach wie vor stößt wird sich leider nicht so schnell abstellen lassen. Allerdings war das genauso wie die Feministen das erste mal aufgetreten sind. Wie lange kämpfen die schon? Und wie die "Schwarzen" auf einmal in jedes Café durften oder gar in Schulen. Wie groß war die Aufregung? Wir lernen leider nichts aus unseren Fehlen der Vergangenheit und begehen diese jedes Mal aufs Neue.

Ich wünsche jeden die Kraft und das Selbstbewusstsein zu seinen wahren ICH zu stehen und sich nicht verstecken zu müssen.

.. ach ja ..und HOFFENT tu ich doch ,. dass das alles NICHT unstoppable ist.....

sowas vo egal .........

Das Theater um diesen Herren oder Dame ist doch nur zum KOTZEN.

Oberon

Ich habe den Artikel nicht gelesen, weil mich dieser (Hans)Wurst nicht interessiert. Trotzdem erlaube ich mir, hier zu posten.:-)
Von mir aus, soll jeder schwul sein, wie er will, wenn aber profilierungssüchtig ist und ständig im Mittelpunkt sein MUSS, dann nervt mich das gewaltig!
Zum Drüberstreun mach ma gleich noch a Werbung für sein Buch. :-(

Ein Wahnsinn in welche Regionen wir schon abdriften. Das hat mit Toleranz und "moderner Zeit" nichts zu tun. Wo ist den unsere "moderne Zeit" und Fortschritt bei Gehältern, Geschwindigkeits-
Limits auf Autobahnen, etc. etc. geblieben. Die "Extra-Wurst" ist so unnötig wie Krebs. Hören wir auf mit dem Hype sonst verblöden wir bis in den Abgrund.

Tut mir leid, aber jetzt fehlt nur noch der Heiligenschein. Ich kann von der nichts mehr hören.Es gibt so viele tolle Künstler in Österreich, aber um die wird nicht so ein Gewese gemacht. warum wohl?!

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