Biografie von

Avicii: Ein Leben unter Starkstrom -
und viele offene Fragen

Das seelenlose Tourleben zerstörte seinen Körper

Seine Musik machte ihn zum Superstar. Doch obwohl der DJ ständig im Mittelpunkt stand, war er alleine. Wie missverstanden Avicii sich fühlte und welche Qualen er durchlebte, zeigt seine schonungslose Filmbiografie, die derzeit auf der Streamingplattform Netflix ausgestrahlt wird.

Tim Bergling, wie Avicii mit bürgerlichem Namen hieß, war am vergangenen Freitag in Maskat, der Hauptstadt des Oman, tot aufgefunden worden. Nicht nur für Fans ein Schock. Weltweit fragen sich die Menschen was mit dem begabten Musiker passiert ist. Warum er im Alter von 28 Jahren sterben musste.

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Die Todesursache

Zur genauen Todesursache wurden auf Wunsch der Familie noch keine Details bekannt gegeben. Ausgeschlossen werde lediglich Fremdverschulden und „kriminelle Einwirkung. Die Familie bedankte sich in einem kurzen Statement für die weltweite Anteilnahme. Die Todesursache Aviciis bleibt jedoch weiter unter Verschluss.

Schonungslose BBC-Dokumentation

In die Trauer um den Musiker mischt sich auch Kritik - und die richtet sich primär gegen seinen langjährigen Manager Arash "Ash" Pournouri. Grund dafür ist die schonungslose BBC-Dokumentation "True Stories" (die zurzeit auch bei Netflix zu sehen ist) die den Erfolgsdruck zeigt, der offenbar jahrelang auf Tim gelastet hat. Sein Manager soll im den Rückzug aus dem knallharten Musikbusiness erschwert haben.

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Das seelenlose Tourleben zerstörte seinen Körper

Die Biopic zeichnet den Aufstieg Aviciis zu einem der erfolgreichsten Stars der Gegenwart - aber zeigt auch welch hohen Preis er dafür zahlen musste. So musste er 2014 seine Live-Auftritte absagen, weil er sich Gallenblase und seinen Blinddarm entfernen lassen musste.

Erfolgsdruck, Schlafmangel, Alkohol

Außerdem litt er unter einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse - offenbar eine Folge von exzessivem Alkoholkonsum. Das ausschweifende Tourleben belastete seine Gesundheit. Erfolgsdruck, Schlafmangel, Alkohol - im März 2016 zog Avicii die Reißleine und gab das Ende seiner Bühnenkarriere bekannt.

»Ich war acht Jahre lang unterwegs«

„Es war ein Leben unter Starkstrom. Ich hatte keine Zeit darüber nachzudenken, ob mir das Leben auf Tour auch gefällt. Ich war acht Jahre lang unterwegs“, hatte Avicii alias Tim Bergling in der Dokumentation über seine rasante Karriere berichtet. Als er die Entscheidung traf aufzuhören, war er – durch Alkoholkonsum und Mörderstress – körperlich schwer angeschlagen.

DJ Avicii
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Oberflächliche Party- und Clubszene

In der Doku wird schnell klar: Tim ist ein nachdenklicher, schüchterner, extrem talentierter junger Mann, dem die oberflächliche Party- und Clubszene im Grunde widerstrebte. Die Musik war sein eigentliches Lebenselixier. Und er verstand es wie kaum ein anderer aus Beats eingängigen Melodien zu zaubern. Die Hooks, die er lieferte, hatten stets Ohrwurmpotenzial. Doch das war nur eine Seite seines Arbeitslebens. Seine rasante Karriere forderte seinen Tribut.

»Tim wird das nicht überleben«

Sein Manager Pournouri ist in diesem Film mit folgenden Sätzen zu hören: "Tim wird das nicht überleben. Die ganzen Interviews, die Touren, all das - er wird tot umfallen." Als der DJ 2016 seinen Ausstieg aus dem Tourleben bekannt gab, soll sein Manager ihm diesen Rückzug erschwert haben. Bald darauf hat sich der Musiker übrigens von seinem langjährigen Manager getrennt.

»Ich hätte mir eine Kugel für dich eingefangen«

Zu den Vorwürfen hat Pournouri nicht persönlich Stellung bezogen, dafür veröffentlichte er auf seiner Facebook-Seite ein langes Statement. Darin ist u.a. zu lesen: "Schock. Trauer. Zorn. Wut. Apathie. Verzweiflung. Elend. Schmerz. Du warst meine Familie, mein Bruder, Teil meines Herzens." Er, Pournouri, könne auch nicht aufhören darüber nachzudenken, ob er seinen Schützling nicht besser schützen hätte können. Vor Hatern, Drohungen, Dunkelheit, Krankheit. Und: "Was auch immer passiert ist, ich hätte mir eine Kugel für dich eingefangen."

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Er liebte die Musik

Trotz des Kampfes gegen Ängste, Druck und die angeschlagene Gesundheit hatte sich Avicii nicht komplett zur Ruhe gesetzt, sondern weiterhin im Studio aufgenommen. Im vergangenen Herbst kam eine Mini-LP auf den Markt. In diesem Jahr sollten noch zwei weitere Arbeiten folgen. Er äußerte sich selbst dazu: "Wir alle erreichen irgendwann einen Punkt in unserem Leben und unserer Karriere, an dem wir begreifen, was wirklich wichtig ist. Für mich ist es, Musik zu machen. Das ist, wofür ich lebe."