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Die Bio-Lüge?

Ist bio wirklich gesünder oder bloß ein Marketingschmäh? Die wichtigsten Fakten.

Frau im Supermarkt © Bild: Thinkstock

Helga steht im Supermarkt vor den Paradeisern. Die Biotomaten aus Österreich sind im Angebot, aber die Produkte aus Italien sehen reifer aus. Und dann sind da noch die konventionell erzeugten Waren - in Hülle und Fülle. "Welche Wahl ist die beste? Und was ist dran an bio?“, fragt sich Helga, der vor allem eine gute Ernährung ihrer Familie am Herzen liegt.

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Keine einfache Frage. Gerade im Lebensmittelbereich wird das Angebot immer unübersichtlicher. Und von Bioprodukten wird ein Mehrwert erwartet - auch gesundheitlich.

Mehr Auslauf, keine Antibiotika

Ein Anspruch, dem biologisch produzierte Lebensmittel in vielen Bereichen auch gerecht werden. "Vor allem bei Fleisch zahlt es sich aus, auf Biowaren zu setzen", erklärt Ernährungsberaterin Julia Pabst aus Wien. "Das Fleisch ist weniger fett und hat eine bessere Fettsäurezusammensetzung und einen höheren Gehalt an gesunden Omega-3-Fettsäuren." Der Grund: Die Tiere können sich mehr bewegen und fressen gentechnikfreies, biologisches Futter. Bei Biozucht wird außerdem meist auf langsamer heranwachsende Rassen gesetzt, was letztlich ebenfalls zu einer besseren Fleischqualität führt.

Ein wichtiger Faktor ist laut Pabst zudem das generelle Verbot von Antibiotika und Hormonen in der Biolandwirtschaft. Werden Letztere nämlich über das Essen aufgenommen, besteht auch beim Menschen die Gefahr von Hormonstörungen. "Bei Männern wurde in Studien etwa ein Abnehmen der Spermienzahl beobachtet", so Pabst. Und es kann noch schlimmer kommen: Antibiotika in der Fleischproduktion wirken sich auch auf unseren Körper aus. Sie können zu behandlungsresistenten Krankheitskeimen führen, die sich dann bei Menschen schwerer therapieren lassen.

Strengere Regeln bei Medikamenten

Bei Medikamenten gibt es im Biobereich generell strengere Regeln. "Damit im verkaufsfertigen Fleisch keinerlei Rückstände mehr feststellbar sind, müssen nach dem Einsatz von Arzneimitteln längere Fristen bis zur Schlachtung eingehalten werden", erklärt die Ernährungsexpertin.

Darüber hinaus spielen Aufzuchtfaktoren eine große Rolle. Denn je mehr Aufregung für die Tiere, desto mehr Stresshormone landen im Fleisch. "Hühner haben den Instinkt, zum Schutz vor Fressfeinden erhöht zu schlafen. Wird ihnen das verwehrt, stehen sie permanent unter Stress“, weiß Helmut Dungler von Vier Pfoten. Bei Rindern wiederum spielt die Fütterung eine Rolle: Bekommen sie zu viel Kraftfutter, funktioniert der Wiederkäu-Prozess nicht. Und das führt zu Krankheiten. Schweine schließlich haben einen sehr starken Spieltrieb und brauchen Auslauf. In all diesen Bereichen setzt bio höhere Maßstäbe und vermindert so den Stresslevel der Tiere.

Achtung beim Einkauf

Doch bio ist auch beim Einkauf nicht unbedingt bio. Wer sichergehen will, sollte auf geprüfte Gütesiegel achten. "Vor allem auf Märkten ist Vorsicht geboten. Dort sind nach wie vor Käfigeier aus dem Ausland versteckt im Angebot", warnt Dungler. "Bei großen Handelsketten kann man hingegen eher sicher sein. Niemand will sich einen Skandal leisten. Daher wird streng geprüft - extern und intern." Ein Beispiel dafür ist die Marke "Ja! Natürlich", die pro Hektar Hofgröße maximal zwei Rinder erlaubt.

Abseits von tierischen Produkten geht es bei bio aber auch um ideelle Werte und nicht so sehr um bessere Ernährung. "Man setzt ein Zeichen für bewussten Umgang und gegen Umweltzerstörung durch Monokulturen. Konventioneller Anbau ist nicht ungesünder und wird ebenfalls streng kontrolliert", betont Julia Pabst. Der Vitamin- und Mineralstoffgehalt etwa schwankt bei landwirtschaftlichen Produkten extrem stark. Das liegt aber nicht an bio oder nicht bio, sondern vor allem an den unterschiedlichen Böden", so die Expertin. "Man kann also nicht von vornherein sagen, dass Bioprodukte einen höheren Anteil aufweisen."

Chemische Dünger

Umstritten ist auch der Einsatz von Pestiziden. Während von biologischen Produzenten im Obst- und Gemüseanbau keinerlei chemische Mittel verwendet werden, ist in der herkömmlichen Landwirtschaft eine breite Anwendung gestattet: "Konventionell angebautes Obst und Gemüse darf mit einer Vielzahl an Pestiziden behandelt werden. Und gerade dieser Cocktail an verschiedenen Mitteln kann gefährlich werden", so Pabst.

Denn: Für den Einsatz einzelner Dünger gibt es zwar Grenzwerte. Aber nicht immer ist so genau erforscht, was eine Kombination der Mittel für Folgen haben kann. Papst: "Die Wirkung kann sich potenzieren und ist oft noch kaum untersucht. Vor allem bei der Ernährung von Babys und Kleinkindern sollte man daher auf Biolebensmittel Wert legen. Denn ein kindlicher Organismus reagiert viel empfindlicher auf mögliche Rückstände."

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