"Bin nicht zum Streiten da": Paul Scharner
will sich in Dienst der Mannschaft stellen

Legionär beklagt mangelnde Wertschätzung im Team Er widerspricht Constantini: "Taktik im Vordergrund"

"Bin nicht zum Streiten da": Paul Scharner
will sich in Dienst der Mannschaft stellen © Bild: GEPA/Walgram

Paul Scharner ist mit viel Selbstvertrauen ins Camp der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft in Bad Tatzmannsdorf eingerückt. Der Niederösterreicher sorgte zuletzt mit seinem neuen Verein West Bromwich für Furore, und das auf seiner neuen Lieblingsposition im Mittelfeld. Im Gespräch mit der APA erzählte der 30-Jährige von seiner Stärke im Zentrum, von mangelnder Wertschätzung im Team und von möglicherweise auf falschen Positionen eingesetzten Spielern.

War Ihr Entschluss, zu West Bromwich zu gehen, die optimale Entscheidung?
Scharner: Bisher kann ich mich nicht beschweren. Das ist ein Verein, der in allen Bereichen höchst professionell geführt wird. Seit ich dort bin, haben wir fünf Spiele nicht verloren, dabei sogar auswärts gegen Arsenal gewonnen. Deswegen bin ich auch auf mich ein bisschen stolz.

Stimmt es, dass Sie bei West Bromwich die Garantie haben, im Mittelfeld zu spielen?
Scharner: Schriftlich gibt es diese Garantie nicht, aber es ist mit der Vereinsführung und dem Trainer so ausgemacht. Deswegen habe ich mich auch für West Bromwich entschieden.

Teamchef Dietmar Constantini hat zwar angedeutet, dass Sie gegen Aserbaidschan im Mittelfeld eingesetzt werden, aber auch gesagt, dass Sie prinzipiell dort spielen müssen, wo er will. Können Sie sich auch mit der Innenverteidiger-Position anfreunden?
Scharner: Das hat nicht einmal mein Vater geschafft, mich dorthin zu stellen, wo er will. Aber ich bin nicht zum Streiten da, sondern helfe aus, wenn Not am Mann ist - auch als Innenverteidiger.

Ist die Innenverteidiger-Rolle für Sie im Nationalteam längerfristig denkbar?
Scharner: Ich möchte gern auch im Nationalteam zeigen, dass ich auf der Mittelfeld-Position meine Stärken ausspielen kann - und die sind Laufkraft, Zweikampf, Kopfballhoheit und mentale Stärke. Ich lasse nicht nach, bevor wir unser Ziel erreicht haben. Und da ziehe ich alle mit. Ich habe keine Angst vor großen Mannschaften und großen Namen. So kann ich einem Team helfen, aber nur, wenn ich meine Stärken ausspielen kann. Mein Fokus ist generell auf die Mittelfeld-Rolle ausgerichtet. Ich bin mittlerweile 30 Jahre alt und habe über 150 Premier-League-Spiele in den Beinen, daher glaube ich, zeigen zu können, dass diese Position die beste für mich ist.

Im Team spielten Sie zuletzt aber fast immer in der Innenverteidigung, in Frankreich sogar rechts in der Viererkette - sind Sie der Meinung, dass Ihnen in der Nationalmannschaft nicht die richtige Wertschätzung entgegengebracht wird?
Scharner Ja, das war von Anfang an so. Ich werde versuchen, es zu ändern, mit meinen Leistungen.

In den letzten Spielen war oft erkennbar, dass Legionäre in der Nationalmannschaft nicht die Leistung wie bei ihren Clubs bringen. Haben Sie eine Erklärung dafür?
Scharner: Prinzipiell sind Nationalteam und Club zwei paar Schuhe. Es ist auch schwieriger, ein Nationalteam zu trainieren als einen Club. Aber möglicherweise ist es so, dass wir vor einem Ländermatch nicht immer wissen, in welche Richtung wir gehen sollen. Außerdem ist es ja auch bei anderen Spielern so, dass sie im Team nicht auf dieser Position spielen, wo sie am besten zur Geltung kommen.

Was halten Sie davon, dass Taktik für Constantini nur eine
untergeordnete Rolle spielt?

Scharner: Das ist seine Meinung, es gibt auch andere Meinungen. Die allgemeine Entwicklung im Fußball, insbesondere bei der WM, hat gezeigt, dass Taktik schon im Vordergrund steht.

Kann man Ihre Aussagen als Kritik am Teamchef interpretieren?
Scharner: Nein, es steht mir auch gar nicht zu, Kritik zu üben. Mir geht es nur darum, dass ich mich unbedingt noch für ein Großereignis qualifizieren will. Wenn das nicht gelingt, möchte ich zumindest den Weg für die Jungen ebnen, damit die es schaffen.

(apa/red)

Kommentare

Probleme werden auf ihn zukommen! Da Constantini kritikresistent ist, sind solche Gedanken Majestätbeleidigungen gleich zu setzen. Scharners dürfte wieder eine Pause im Team drohen - bis zum nächsten Teamchef. Eigentlich schade, da sonst die Interviews mit den Spielern einen Informationswert von Nahe Null haben!

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