Schulen von

"Bildungsrevolution"
stößt auf Gegenliebe

Zweites Gratis-Kindergartenjahr und Ganztagsschule: SPÖ, Grüne und NEOS begeistert

Eine Lehrerin erklärt zwei Schülerinnen einer Volksschule in Wien die Hausübung. © Bild: APA/Harald Schneider

SPÖ, Grüne und NEOS begrüßen den Vorstoß der Industriellenvereinigung (IV) für eine "Bildungsrevolution". Die IV habe langjährige Forderungen der SPÖ übernommen, so deren Bildungssprecherin Elisabeth Grossmann in einer Aussendung - "vom zweiten kostenlosen Kindergartenjahr über die verschränkte Ganztagsschule bis zur gemeinsamen Schule".

Die Grünen sehen nun die ÖVP in der Pflicht."Wenn die ÖVP sich weiter gegen die Gemeinsame Schule sträubt, nimmt sie wissentlich in Kauf, dass sie letztlich auch dem Wirtschaftsstandort Österreich schadet", so deren Bildungssprecher Harald Walser. Die NEOS freuen sich, dass "die Allianz der Reformwilligen täglich wächst".

Ein Fall für die "bildungspolitische Mottenkiste" ist aus Sicht der Elemetarpädagogenplattform EduCare das von der Industriellenvereinigung (IV) vorgeschlagene "Schulstartjahr" mit fünf Jahren. Dieses Modell widerspreche allen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die das Bedürfnis junger Kinder nach einem ganz speziellen Umfeld nachweisen würden, so die Plattform in einer Aussendung.

Kleine Kinder müssten ihre Neugier befriedigen und individuell herausfinden können, wie die "Welt der Großen" funktioniert, wofür es elementarpädagogische Konzepte gebe. In einem von der IV geforderten Startschuljahr würden hingegen Fünfährige wie in einem Vorschuljahr "in der Schule sitzen und jene Art von Lernen praktizieren, die von der IV zu Recht als reformbedürftig angesehen wird".

Lob für das IV-Konzept kam auch vom Team Stronach. Bildungssprecher Robert Lugar empfahl Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) "dringend", die Überlegungen der Wirtschaft "in ihre Pläne miteinzubeziehen".

ÖVP reagiert vorsichtig

Die ÖVP reagiert vorsichtig auf die Vorschläge der Industriellenvereinigung. "Wir werden die Vorschläge weltoffen und ideologiefrei diskutieren", sagte Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) in der "Kleinen Zeitung" (Mittwoch-Ausgabe). "Wir nehmen jeden Vorschlag gern auf, denn wir wollen die beste Bildung für jedes Kind."

Kommentare

Das Ausdehnen der Schulzeit in irgendeiner Form, bringt absolut nichts. Bildung muß wieder ein erstrebenswertes Gut werden (hier sind Eltern und Gesellschaft gefordert). Dazu sind auch erstklassige Lehrer notwendig, die auch gut verdienen sollen, wenn sie wirklich gute Leistungen erbringen. Das permanente "Herumdoktorn" an unserem Bildungssystem ist schändliches Zerstören der Zukunft.

higgs70

Also mal ganz deutlich, was die Industriellenvereinigung fordert hat in Bildungsfragen denselben Stellenwert wie das was der Bierdeckelsammlerverein in Obergurgl und die Brieftaubenzüchter sich wünschen, nämlich keinen. Und jemand der in den eigenen Aussendungen mit großer Regelmäßigkeit Technik mit Naturwissenschaft verwechselt, sollte sich in Bildungsfragen der Stille anheimgeben. Da aber sowohl das Abhängigmachen von Universitätsinstituten (Drittmittelfinanzierung) wie der EDV-Unterricht auf Kosten des Deutschunterrichts aus dieser Ecke kommen, rufen hier Pyromanen nach Löschwasser. Und wer ein Interesse daran hat, dass die Werbung heute die Schulpforten durchdringt, dürfte auch evident sein.
Es ist bedauerlich, dass Österreich kein Bildungsbürgertum mehr besitzt, das ein Bollwerk gegen die permanenten Versuche wäre, Eigeninteressen unter der Bildungsflagge zu verkaufen.

Ich will keine ganztägige Kasernierung von Kindern und halte die Gesamtschule für einen Schmarrn. Denn Ersteres entspricht den lieben Kleinen nicht und Zweiteres ist ein Etikettenschwindel und wird am Fiasko nichts ändern, aber den Mut allseitig die Klassenschülerhöchstzahlen zu halbieren hatte man nicht, denn das käme teuer. Und alle unter ein Dach zu pferchen, die Differenzierung nach innen zu verlegen aber die Basis der Misere, nämlich den Zeitaufwand pro Kind gleich zu lassen ist schlichtweg trottelig. In den Sonntagsreden allerdings wird dann wieder ein Bildungsziel erreicht sein und die Lehrerausbildung wird wohl auch bald die Universitäten verlassen, womit auch ein gewisser Kompetenzmangel hinter dem Katheder sichergestellt wird. Humboldt ist tot, aber es ist wurscht ,bald kann ihn eh keiner mehr lesen.

"Längere Zeit in der Schule macht die Kinder dümmer" meint seit vielen Jahren die ÖVP. In Wirklichkeit will sie die Pfründe der Lehrer sichern, damit sie weiterhin ab 12:00 Uhr wieder nach Hause gehen können.

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