Bildungsreform dringend gesucht: Schilcher
kritisiert "unkoordinierte Zurufe" in der ÖVP

Experte: "Es geht in erster Linie um Konfrontation" ÖVP-Generalsekretär Missethon mit hartem Konter

Der Leiter der von Unterrichtsministerin Claudia Schmied eingesetzte Expertenkommission zur Schulorganisation und ÖVP-Bildungsexperte Bernd Schilcher kritisiert die zahlreichen Vorschläge seiner Partei zur Bildungsreform aus den vergangenen Tagen als "etwas unkoordinierte Zurufe". Diese würden - von Tests für Dreijährige, Aufnahmeprüfung für Zehnjährige, fünftes Volksschuljahr bis zur Aufwertung der Hauptschule - "kein Ganzes ergeben", sagte Schilcher im ORF-Morgenjournal.

Nach Meinung des ehemaligen Steirischen Landesschulratspräsidenten geht wie in erster Linie um Konfrontation: "SPÖ-Modell gegen ÖVP-Modell". Das sei die Auflage eines Uraltkampfes. "1861 hat erstmals ein sozialdemokratischer oder zumindest liberaldemokratischer Abgeordneter im Reichstag den Antrag auf Gesamtschule gestellt. Und seitdem wird das hin und her gespielt", so Schilcher. Das bringe nichts, "wir leben nicht mehr in einer Standesgesellschaft. Da kann ich nicht so selektieren und einteilen wie vor 200 oder 150 Jahren."

Wenig begeistert zeigt sich Schilcher über das von der ÖVP-Perspektivengruppe vorgelegte Bildungsmodell: "Die Selektion hat wenig Sinn. Das ist der einzige Punkt. Und genau der ist in dem Modell nicht vorhanden. Es wird nach wie vor mit 9,5 Jahren selektiert, noch ist mir der enorme Fortschritt verborgen", sagte Schilcher.

Missethon kontert hart
ÖVP-Generalsekretär Hannes Missethon konterte: "Unterrichtsministerin Schmied soll endlich die Realität zur Kenntnis nehmen und aus ihren Gesamtschul-Tagträumen aufwachen". Missethon verwies auf die "schockierenden Vorfälle in Oberösterreich". Wenn Jugendliche Videos von Prügeleien, Vergewaltigungen und Hinrichtungen am Handy hätten, sei das mehr als nur ein Alarmsignal. Um gewalttätigen Auswüchsen Herr zu werden müssten auch "die linken Kuschelpolitiker" zur Kenntnis nehmen, dass Jugendliche Grenzen bräuchten. Anstatt eine "ideologisch motivierte Expertentruppe über linke Bildungsphantasien philosophieren zu lassen", müsse Schmied jetzt handeln, forderte Missethon.

Kritik von Grünen
Van der Bellen bemängelte, dass die zuständige Bildungsministerin Claudia Schmied n der Debatte nicht zu Wort kommt und die von Schmied eingesetzte Expertenkommission, die mit der Erarbeitung eines Reformkonzepts betraut ist, noch immer nichts vorzuweisen habe. "Ministerin Schmied muss endlich klarstellen, dass sie und Ihre Expertenkommission das Ruder in der Bildungspolitik in der Hand haben," so Van der Bellen.

(apa)