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Plattform für Bildungsreform

Protest gegen ÖVP-Plan für unterschiedliche Gehälter in Pflicht- und höheren Schulen

Schulkinder mit ihrer Lehrerin © Bild: APA/Schneider

Eine bunte Koalition hat sich gefunden, um gemeinsam gegen die jüngsten ÖVP-Pläne zum künftigen Lehrerdienstrecht zu protestieren. Nach 27 Verhandlungsrunden mit der Beamtengewerkschaft, wurde – nach Meinung der Plattform www.zweiklassenpaedagogik.at – nun durch die ÖVP die bisherige Grundlage der Verhandlungen in Frage gestellt. Dass nämlich Lehrer im Pflichtschul- und höheren Bildungsbereich gleich bezahlt werden.

Im Internet soll nun auf der Plattform zweiklassenpaedagogik.at dazu aufgerufen werden, gegen diese Pläne zu unterschreiben. Als Initiatoren fungieren der SPÖ-nahe FSG-Gewerkschafter Thomas Bulant, der bildungspolitisch engagierte Lehrer Daniel Landau, die Bildungssprecher von SPÖ und Grünen, Reinhart Sellner (U-GÖD) sowie der ÖVP-Bildungsrebell und frühere steirische Landessschulratspräsident Bernd Schilcher.

Die breite Koalition hat sich gefunden, um dafür einzutreten, dass der Grundsatz gleicher Bezahlung für gleichwertige Arbeit nicht in Frage gestellt wird. Schilcher selbst hat schon bei einer Pressekonferenz, gemeinsam mit Hannes Androsch, am Freitag, den 7.6.2013 festgehalten, dass diese Pläne aus seiner Sicht verfassungswidrig seien, da so der Grundsatz gleicher Bezahlung für gleiche Ausbildung nicht eingehalten würde.


Die gleiche Ausbildung für Pflichtschul- und höhere Schule ist bereits Realität, schon bald wird es Master auch an Volksschulen geben. Im ÖVP-Plan ist allerdings ein Anfangsgehalt von zumindest 2420 Euro vorgesehen. Die Gehaltssprünge sollen für Lehrer unterschiedlicher Schultypen aber unterschiedlich ausfallen. Besonders die Gewerkschaft der AHS-Lehrer soll ein Interesse an getrennten Verhandlungen gehabt haben, wie aus Verhandlungskreisen immer wieder zu hören ist. Dabei soll auch die persönliche Freundschaft zwischen AHS-Lehrergewerkschafter Eckehard Quin und Vizekanzler Spindelegger eine Rolle spielen.

ÖVP rudert zurück

Noch vor kurzem argumentierte Finanzministerin Maria Fekter den Gehaltsunterschied damit, dass einer Handarbeitslehrerin in der Volksschule eben etwas anderes sei als der Techniklehrer in der HTL. Daniel Landau von der Plattform gegen die „Zweiklassenpädagogik“ stört daran einerseits der Geschlechteraspekt, der die Frau gegenüber dem männlichen Techniker abwertet. Andererseits aber auch, dass abermals ein Unterschied zwischen Lehrern verschiedener Schulformen gemacht werden soll.

Inzwischen ist ÖVP-Chef Spindelegger in dieser Causa aber zurückgerudert und hat zugestanden, dass das ÖVP-Konzept nur so lange gültig sein soll, wie es eine unterschiedliche Ausbildung gäbe. In sechs Jahren, wenn es die ersten Absolventen der neuen Ausbildung gäbe, würde die Bezahlung harmonisiert.

Plattform hält an Kritik fest

Trotzdem ruft die Plattform weiter dazu auf, gegen diesen Plan zu unterschreiben. Im O-Ton meint man: „Wir wissen seit Jahrzehnten, dass die besten und bestausgebildeten PädagogInnen zu den Allerjüngsten müssen und dass am Anfang, in der Elementarbildung und in den ersten Jahren der Schule wesentliche Grundlagen gelegt werden, welche die Bildungschancen und Bildungslaufbahn der Kinder entscheidend und nachhaltig beeinflussen.“ Gerade diese frühen Jahre der Pädagogik seien besonders prägend und entscheidend für spätere Bildungskarieren. Die Ausbildung wäre bereits angepasst worden und schon bald würden die ersten Master an Volksschulen arbeiten. Deshalb müsse es auch die gleiche Bezahlung geben. Außerdem: „Für uns bedeutet der ÖVP-Vorschlag das Festhalten an einer Zweiklassenschule, die wir überwinden wollen - im Interesse der Bildungschancen aller Kinder!“

Mitinitiator Daniel Ladnau erklärt das Festhalten an der Plattform - obwohl inzwischen selbst der ÖVP-Parteichef zurückgerudert ist - damit, dass diese Meinungsänderung zwar erfreulich sei aber noch keine Garantie für eine andere Positionierung der ÖVP. Denn gerade innerhalb der Gewerkschaft sei das Thema immer noch umstritten. "Solange das nicht gesetzlich fixiert ist, kann man gar nicht genug Druck machen."

www.zweiklassenpaedagogik.at

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