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Gehen Österreich die Lehrer aus?

Die Lehrergewerkschaft warnt vor einem dramatischen Lehrermangel. Zu Recht?

Bildung - Gehen Österreich die Lehrer aus? © Bild: shuttertsock

Steigende Geburtenzahlen, eine starke Pensionswelle, ein verlängertes Studium mit Zugangsbeschränkungen und noch dazu ein schlechtes Image: All das soll dazu führen, dass es in Österreich bald zu wenige Lehrer gibt. Doch was ist dran an dem Vorwurf der Lehrergewerkschaft?

Die UNESCO warnt vor einem dramatischen Lehrermangel. Bis zum Jahr 2030 würden weltweit 68,8 Millionen neue Lehrkräfte benötigt. Walter Hirche, Vorstandsmitglied der deutschen UNESCO-Kommission erzählt: „Bildung ist der Schlüssel zu persönlicher und gesellschaftlicher Entwicklung. Wir benötigen dringend mehr gut ausgebildete Lehrkräfte.“

»Bildung ist der Schlüssel zu persönlicher und gesellschaftlicher Entwicklung. Wir benötigen dringend mehr gut ausgebildete Lehrkräfte«

Laut dem Vorsitzenden der Lehrergewerkschaft, Paul Kimberger, sei der Lehrermangel auch hierzulande bemerkbar. So würden bereits in diesem Schuljahr 2.000 bis 2.500 Pädagogen fehlen. Durch die Reform der LehrerInnenausbildung „PädagogInnenbildung Neu“ und der darin enthaltenen Verlängerung der Studienzeit, gibt es im Pflichtschulbereich außerdem ein Jahr ohne Absolventen. Dazu kommen noch steigende Geburtenzahlen und der Pensionsantritt der „Babyboomers“. Kimberger rechnet damit, dass in den nächsten zehn bis zwölf Jahren rund die Hälfte der etwa 120.000 Lehrer in Pension gehen. Gehen Österreich also die Lehrer aus?

Bildungsministerium: „Es gibt keinen Lehermangel“

Einen Lehrermangel sieht man im Bundesministerium für Bildung (BMB) nicht. „Die Zahlen der Lehrergewerkschaft sind nicht unsere. Es stimmt, einige sehr starke Jahrgänge gehen in Pension. Doch das trifft uns jetzt nicht überraschend. Außerdem wächst die Anzahl der Studierenden. Noch dazu stehen zurzeit immer noch 4500 Lehrer auf Wartelisten“, sagt Pappacena Patrizia, Pressesprecherin des Bildungsministerium auf Anfrage von News.

Neue Initiativen

Um einem etwaigen Lehrermangel in der Zukunft entgegenzuwirken, setzt man im BMB auf verschiedene Initiativen. So gibt es für Personen, die aus der freien Wirtschaft in den Lehrberuf wechseln wollen beispielsweise die Möglichkeit, ein pädagogisches Aufbaustudium in Form eines zweijährigen Masters zu absolvieren. Dieses „Quereinsteiger-Modell“ soll laut Pappacena rund 5.000 neue Lehrer bringen. Darüber hinaus bemüht man sich, den Lehrberuf für Junge attraktiver zu gestalten. So wurden im Zuge des neuen Lehrerdienstrechts die Einstiegsgehälter erhöht. Postings wie das der Bildungsministerin Sonja Hammerschmid wollen, sichtlich bemüht, ihren Teil dazu beitragen, das Image des Lehrberufs aufzubessern:

Und was sagt man im Ministerium zu den steigenden Geburtenzahlen? „Bei den Geburtenraten ist kein echter Anstieg zu bemerken. Eher geht es nach einigen für das Schulsystem schwachen Jahren wieder zurück zum Durchschnitt von 2008/9“, erklärt die Pressesprecherin. Auch Florian M.* plädiert dafür, den prognostizierten Lehrermangel differenziert zu sehen. So gäbe es seiner Meinung nach im Großraum Stadt kein Problem bei der Besetzung von Stellen, sondern im Gegenteil, ein Überangebot. In entlegeneren Gegenden hingegen, sei sehr wohl ein Mangel an qualifiziertem Fachpersonal feststellbar. „In Graz gibt es viele Schulen, viele Kinder, viele Lehrer und lange Wartelisten. Der Landesschulrat muss hier eher schauen, dass die Lehrer in Provinzen wie das obere Murtal, Ennstal oder nach Spielfeld gehen. Denn hier werden wirklich Lehrer gesucht. Schließlich will niemand aufs Land gehen“, erklärt der junge Lehrer, der selbst an einer Neuen Mittelschule in Graz Umgebung unterrichtet.

Studienbeschränkungen: Abschreckung oder Qualitätssicherung?

Trotzdem bleiben immer noch die Studienbeschränkungen. Wer beispielsweise in der Steiermark, in Kärnten, Wien oder im Burgenland ein Lehramtsstudium inskribieren will, muss vorher ein mehrstufiges Aufnahmeverfahren durchlaufen. Für einige Unterrichtsfächer wie Sport, Musik oder Psychologie gibt es außerdem noch zusätzliche Zulassungsprüfungen. Will die Regierung die geplanten Studienplatzbegrenzungen durchsetzen, so könnte dies auch Fächer wie Deutsch und Englisch betreffen. Das Bundesministerium sieht in Aufnahmeprüfungen allerdings kein abschreckendes Hindernis, sondern eine Qualitätssicherung. Durch Vorabtestungen würden außerdem die Drop-Out-Quoten fallen. Auch Florian M. findet Auswahlverfahren im Lehrbereich gut, solange diese „qualitativ hochwertig und fachlich kompetent“ sind. Lehrer zu sein ist schließlich „nicht irgendetwas“.

*Name von der Redaktion geändert