Fakten von

Bilderberg-Treffen macht
sich in Telfs kaum bemerkbar

Konferenz der Staatenlenker einen Tag vor "Großdemo" nicht allgegenwärtig

Telfs © Bild: APA/Angelika Warmuth

Das Zentrum des 15.224 Einwohner zählenden Telfs im Tiroler Oberland: Beschaulichkeit, Unaufgeregtheit, freitäglicher Alltag in einer Tiroler Marktgemeinde. Dass in zehn Kilometern Entfernung, hoch über Telfs im "Interalpen-Hotel" im Ortsteil Buchen, die weltmächtigen Bilderberger tagen, ist bestenfalls eine Randnotiz. Einzig die Demonstration der Gegner am Samstag bereitet leichte Sorgenfalten.

So weit das Auge reicht: Die durch das Telfer Ortszentrum führende Untermarktstraße mit Rathaus, Cafes, Geschäften und Hotels ist - wie der Großteil des Ortes - weitgehend frei von Bilderberg. Keine Hinweisschilder, keine großflächigen Protestaktionen. Lediglich ein auf einen Pflasterstein gekritzeltes "Stop Bilderberg" erinnert an das hochkarätige Treffen. Das von der Polizei abgeriegelte "Interalpen-Hotel Tyrol" scheint weit weg zu sein. Da und dort sind an den Hauptzufahrtsstraßen rund um den Ortskern Polizeiwagen postiert, doch das laut offiziellen Angaben stets einsatzbereite Großaufgebot von bis zu 2.100 Einsatzkräften offenbart sich dem normalen Bürger einen Tag vor der Großdemo der Bilderberg-Gegner noch nicht.

Vor dem Hotel Munde erfreut sich eine Runde Telfer Geschäftsfrauen an der strahlenden Sommersonne. Die Bilderberg-Konferenz habe bisher noch zu keinen Auswirkungen im Ort selber geführt, heiß es unisono gegenüber der APA. Der Demonstration am Samstag blickt die Runde hingegen mit etwas Besorgnis entgegen. "Ich habe Angst, dass etwas passiert. Dass Scheiben eingeschlagen werden", befürchtet Ilse Zorzi, Seniorchefin eines im Zentrum gelegenen Modegeschäftes, gewalttätige Aktionen.

Gemischte Gefühle vor Demo

Der Demo würden viele Telfer mit gemischten Gefühlen entgegenblicken, meint eine andere Dame. Was alle eint, ist das Unverständnis, warum die Bilderberger nicht selber für die Sicherheitskosten aufkommen und keine Öffentlichkeit zulassen. "Das ist ein Treffen, das uns das Geld aus der Tasche zieht", ärgerst sich ein Einheimischer an der Bar des Hotels Munde. Und stößt sich an den seiner Meinung nach übertriebenen Sicherheitsvorkehrungen der Polizei. "Ein Bekannter hat mir erzählt, dass sie sogar einen elfjährigen Buben, der im Wald gespielt hat, durchsucht haben", schüttelt der Mann den Kopf. "Das ist ein richtiger Polizeistaat", kann sein Sitznachbar die vorübergehende Festnahme eines Demonstranten am Donnerstag nicht verstehen.

Festnahme in Telfs
© APA/Angelika Warmuth Ein Demonstrant wurde am Donnerstag festgenommen

Verständnis für den Polizei-Aufwand bringt hingegen Rainer Härting, der Besitzer des Hotels, auf. Schließlich reiche es, wenn bei 3.000 Demonstranten "auch nur 20 Verrückte" dabei seien. Daher versteht Härting nicht, weshalb man überhaupt einen Protestzug im Ortszentrum zulasse, der "denselben Weg wie die Prozessionen" nehmen werde. Der Hotelchef plädiert stattdessen für eine Demo im Bilderberg-Hotspot Buchen. Für Samstag hätten sich zudem 130 Trauergäste einer Beerdigung angesagt, die zur Zeit der Demonstration in Telfs stattfinde. Weil die Straßen im Ortszentrum abgesperrt sein werden, wisse er noch nicht, wie diese überhaupt ins Hotel gelangen können, so Härting.

Allgemeine Gelassenheit

Im Ort herrsche aber insgesamt "keine große Aufregung" ob des Bilderberg-Treffens, stellt Bürgermeister Christian Härting gegenüber der APA fest. Die der Medien sei jedenfalls größer. Für die Demo am Samstag habe die Gemeinde den Anrainern im Zentrum geraten, Autos und sonstige "bewegliche Gegenstände" wegzustellen. Auch Blumentöpfe habe man kurzfristig entfernt. Einige Banken halten zudem den Eingangsbereich mit dort aufgestellten Bankomaten geschlossen. Der Bürgermeister erhofft sich zudem positive touristische Auswirkungen der Bilderberg-Tage. Die Betten in der Region seien schließlich voll, wenn auch vorwiegend durch die vielen Polizeikräfte. "Man kann fast sagen, dass die Weltöffentlichkeit auf Telfs blickt", sieht der Bürgermeister seinen Ort kurzzeitig in ungeahnten Sphären. Dass viele Einheimische an der Großdemonstration teilnehmen werden, glaubt Härting übrigens nicht. Schließlich würden auch die Veranstalter nicht aus der unmittelbaren Region kommen.

Stop-Bilderberg-Schriftzug
© APA/Angelika Warmuth In Telfs wird bislang eher subtil protestiert

Szenenwechsel nach Buchen, in die andere (Bilderberg)-Welt. Polizeibeamte sind am Kontrollpunkt bei der Zufahrtsstraße zum Hotel postiert. Auch auf der Landesstraße L35, von der die Straße abzweigt, herrscht verstärkte Polizeipräsenz. Fünf Aktivisten harren gegenüber dem Kontrollpunkt aus, arbeiten fleißig an ihren Protestplakaten. "Wir haben uns mehr Demonstranten erwartet. Es ist peinlich für Österreich, dass nicht mehr Leute da sind", meinte ein junger Aktivist aus Oberösterreich zur APA. Am Freitag sollte die dortige "Dauerkundgebung" auf einem Parkplatz in die "heiße Phase" gehen. Ein Bus voll mit Demonstranten der Anti-Bilderberg-Plattform wurde am Nachmittag aus Innsbruck erwartet. Ein "Hoffnungsschimmer" für die Handvoll wackeren Aktivisten.

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