BIG-Troubles bei weiterem Wohungsdeal:
Nächste Front für Grasser & seine Freunde

FORMAT: Wurde Arsenal unter echtem Wert taxiert? Meischberger hat auch bei BIG-Verkauf lobbyiert

BIG-Troubles bei weiterem Wohungsdeal:
Nächste Front für Grasser & seine Freunde © Bild: René Prohaska

Der Verkauf von 3.900 BIG-Bundeswohnungen erfolgte zu billig, so ein vertrauliches Gerichtsgutachten. Beim BIG-Deal im Jahr 2003 lobbyierte auch Grasser-Freund Walter Meischberger.

Christoph Stadlhuber hatte zuletzt offenbar alles andere als eine Glückssträhne. Den Chef der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) traf die Pleite der US-Investmentbank Lehman mit voller Wucht. Beim US-Konkursrichter meldete er kürzlich eine Forderung von 43.000 Euro an. Und vergangene Woche ging der 42-jährige Manager obendrein bei der Wahl zum „Immobilienmanager des Jahres“ leer aus. Schwere Zeiten für Stadl­huber.

BIG-Verkauf unter der Lupe
Diese Episoden dürften bald Marginalien im Vergleich zu dem sein, was auf den Boss des staatlichen Hausverwalters zukommen könnte. FORMAT liegt exklusiv ein Gutachten vor, das den Verkauf von 3.900 BIG-Wohnungen im Jahr 2003 zerpflückt: Die Bundesimmobilien dürften deutlich unter ihrem Wert verkauft worden sein. Und die Umstände rund um den ­Bieterprozess sind dem kürzlich aufgeflogenen Buwog-Skandal nicht unähnlich: Wieder saß der Vertraute des damaligen Finanzministers Karl-Heinz Grasser, der Makler Ernst Karl Plech, im Aufsichtsrat der betroffenen Gesellschaft, wieder entschied sich der Bieterprozess nur um Haaresbreite, wieder hatte auch der Grasser-Freund Walter Meischberger als Lobbyist seine Finger im Spiel.

Rückblende ins Jahr 2003
Im Dezember 2003 erhielt ein Konsortium rund um den Badener Rechtsanwalt Rudolf Fries und den Fruchtsafthersteller Walter Scherb um exakt 145,05 Millionen Euro den Zuschlag für ein Wohnungspaket des Bundes – zum damaligen Zeitpunkt das größte je in Österreich veräußerte Immobilienpaket. Der Verkaufserlös floss in Form einer Sonderdividende ans Finanzministerium. Im BIG-Paket enthalten waren etliche „schwierige“ Objekte wie unverkäufliche Almhütten, Zollhäuser und Luftschutzstollen. Allerdings gab es auch zwei wahre Perlen: das Arsenal in Wien-Landstraße (im Bild) und eine Liegenschaft in Salzburg.

Streitpunkt Arsenal
Der Wert der 72.000 Quadratmeter großen Wohnanlage Arsenal ist jetzt der Angelpunkt für die akuten BIG Troubles von Christoph Stadlhuber. Gemeinsam mit seinem damaligen Kollegen Hartwig Chromy engagierte er den Wiener Immobiliensachverständigen Michael Reinberg für die Bewertung des Objekts. Der errechnete einen Wert von 43,9 Millionen Euro. Abzüglich der von Fries wenige Monate nach Zuschlagserteilung weiterverkauften Arsenal-Objekte 12 und 15 ergaben sich rund 32 Millionen Euro. „Dieser Wert ist völlig unrealistisch“, schreibt nun der Gerichtssachverständige Heinrich Oberressl in einem „Schätzungsgutachten vom 31. August 2009“, das er im Auftrag von Staatsanwalt Norbert Haslhofer in der Immofinanz-Affäre erstellte.

BIG-Wohnungen zu niedrig bewertet
Für Oberressl ist das Arsenal heute mehr als 74 Millionen wert und wurde von Reinberg „weit unter dem tatsächlichen Wert“ taxiert. Zitat aus dem Gutachten: „Die Frage, wie die bewerteten Liegenschaften in nicht einmal zwei Jahren ihren Wert von 32 Millionen Euro auf 74 Mil­lionen Euro erhöht haben können, ist so zu beantworten, dass der Wert von 32 Millionen Euro unter der Hälfte des tatsächlichen Wertes gelegen ist.“ Mit anderen Worten: Das Reinberg-Gutachten, das für das Mindestgebot beim Wohnungsverkauf im Jahr 2003 maßgeblich war, bewertete die BIG-Wohnungen viel zu niedrig.

Barbara Nothegger, Ashwien Sankholkar

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der aktuellen FORMAT-Ausgabe 48/09.