Bewegung in "Sauna-Affäre": Betreiber bekommt nur Prozess wegen Zuhälterei!

Wird nicht wegen Prostitutionshandels angeklagt Hofrat Geiger bekämpft Verurteilung beim OGH

Nun hat auch der "Stein", über den im Vorjahr in der so genannten Sauna-Affäre Hofrat Ernst Geiger mit dem angeblichen Verrat eines Amtsgeheimnisses gestolpert war, einen Strafantrag zugestellt bekommen. Der ehemalige "Golden Time"-Betreiber Wolfgang B. (43) darf sich entspannt zurücklehnen: Von den ursprünglichen Verdachtsmomenten in Richtung grenzüberschreitenden Prostitutionshandels und Zuführung zur Prostitution findet sich in dem Schriftstück kein Wort. Die Staatsanwaltschaft Wien hat den ehemaligen Geschäftsführer der in Simmering gelegenen FKK-Sauna lediglich wegen Zuhälterei angeklagt.

Der Prozess gegen Wolfgang B. und sechs weitere Angeklagte - die Führungsetage des "Golden Time" sowie einige so genannte "Chefs vom Dienst", die den alltäglichen Betrieb gewährleisteten - wird vermutlich im Mai vor einem Einzelrichter im Straflandesgericht stattfinden. Strafrahmen für Wolfgang B.: Maximal zwei Jahre Haft. Im Hinblick auf seine bisherige Unbescholtenheit darf der 43-Jährige bei einem Schuldspruch mit einer Bewährungsstrafe rechnen.

Die Anklagebehörde geht davon aus, dass die Sauna in Wahrheit ein gut gehendes Bordell war. Dass sich Wolfgang B. das weibliche Personal besorgte, indem er sich selbst als Mädchenhändler betätigte, war ihm nicht nachzuweisen. Er soll allerdings "Strafgelder" eingehoben haben, wenn die Prostituierten nicht pünktlich zum Dienst erschienen oder sich andere Verfehlungen leisteten.

Zwei seiner ehemaligen Mitarbeiter, eine 29-jährige Frau und ein 39-jähriger Mann, der sich auch als Chauffeur des Geschäftsführers betätigt haben soll, müssen sich zusätzlich wegen Schlepperei verantworten. Sie sollen mehrere Mädchen Visa beschafft haben, indem sie vorgaben, diese würden für den Zirkus Knie arbeiten, wo sie allerdings niemals in Erscheinung getreten sind.

Bei den Ermittlungen leistete sich die Polizei übrigens einen mehr als peinlichen "Schnitzer": Drei anonyme Zeuginnen belasteten Wolfgang B. dahin gehend, von ihm eingeschüchtert bzw. grob behandelt worden zu sein, indem er eine von ihnen beispielsweise kräftig am Ohr riss. Die jungen Rumäninnen blieben in ihren eigenen Einvernahmen zwar anonymisiert, doch beriefen sie sich zur Untermauerung ihrer Aussagen auf andere Mädchen, die in den Polizeiprotokollen mit vollem Namen genannt wurden.

Dass es sich dabei um die jeweils anderen Zeuginnen handelte, die zu ihrem Schutz ausdrücklich um Anonymisierung ersucht hatten, dürfte den Ermittlern entgangen sein. Für die Frauen soll diese Fehlleistung zum Glück ohne Folgen geblieben sein.

Geiger bekämpft Verurteilung beim OGH
Am 31. August 2006 wurde Ernst Geiger, bis 2006 interimistischer Leiter der Wiener Kriminalpolizeilichen Abteilung, im Straflandesgericht wegen Verletzung eines Amtsgeheimnisses zu drei Monaten bedingter Haft verurteilt. Acht Monate später ist das Urteil noch immer nicht rechtskräftig: Nicht nur Geiger, sondern auch Staatsanwalt Friedrich König haben dagegen umfangreiche Nichtigkeitsbeschwerden angemeldet, die nun der Oberste Gerichtshof (OGH) behandeln muss.

Der Staatsanwalt beharrt auf seiner ursprünglichen Anklageschrift, wonach sich Geiger mit dem Verrat eines Razzia-Termins an den befreundeten Wolfgang B., von Beruf Betreiber der FKK-Sauna "Golden Time", eines Amtsmissbrauchs schuldig gemacht haben soll. Sollte der OGH dieser Ansicht Recht geben, müsste der Prozess wahrscheinlich neu aufgerollt werden. Missbrauch der Amtsgewalt ist weit strenger - nämlich mit bis zu fünf Jahren Haft - bedroht als die bloße Weitergabe eines Amtsgeheimnisses.

Demgegenüber ist Geigers Rechtsbeistand Manfred Ainedter überzeugt, dass sein Mandant keinen strafrechtlich relevanten Tatbestand erfüllt hat und damit vom Vorwurf zur Gänze freizusprechen wäre. Termin für die Berufungsverhandlung vor dem OGH gibt es noch keinen. (APA/red)