Bewegung in afghanischem Geiseldrama: Zwei südkoreanische Frauen sind freigekommen!

Taliban bringen erkrankte Geiseln zu Stammesführer Kidnapper wollen keine weiteren Opfer freilassen

Bewegung in afghanischem Geiseldrama: Zwei südkoreanische Frauen sind freigekommen!

Die Taliban in Afghanistan haben zwei ihrer südkoreanischen Geiseln freigelassen. Die beiden Frauen weinten, als sie aus dem Auto eines afghanischen Stammesführers in ein wartendes Fahrzeug des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) umstiegen. Die Freigelassenen gehörten zu der Gruppe von ursprünglich 23 südkoreanischen Christen, die am 19. Juli in der Provinz Ghazni überfallen und entführt wurden. Zwei der Geiseln wurden inzwischen getötet.

Zur der Entführung bekannten sich die Taliban, die im Austausch für ihre Geiseln die Freilassung inhaftierter Gesinnungsgenossen fordern. Die afghanische Regierung lehnt dies strikt ab. Die beiden freigelassenen Frauen sind nach Aussage der Taliban krank. Sie wurden an einem vorher von einem Talibansprecher benannten Punkt zehn Kilometer südöstlich der Stadt Ghazni der Obhut der IKRK-Vertreter übergeben. Die Frauen wurden dann zum US-Stützpunkt in Ghazni gefahren. Beide trugen Taschen mit sich.

Freilassung offiziell bestätigt
Die südkoreanische Regierung bestätigte die Freilassung der beiden. Außenamtssprecher Cho Hee Yong forderte die Freilassung auch der anderen Südkoreaner, die sich noch in der Gewalt der Taliban befinden.

Eine der freigelassenen Geiseln sagte AFP vorher auf der Autofahrt nach Ghazni am Telefon, sie und ihre Freundin seien "Ok". Sie gab das Alter der beiden Frauen mit 32 und 36 Jahren an. Über den Gesundheitszustand der 19 weiteren Geiseln und die Namen der Freigelassenen konnte zunächst nichts in Erfahrung gebracht werden, da die Gesprächspartnerin nur gebrochen Englisch sprach, sehr aufgeregt war und wegen des Lärms im Hintergrund nur schlecht zu verstehen war.

In dem Auto befand sich demnach auch der Stammesälteste und Vermittler in dem Geiseldrama, Haji Zahir. Dieser hatte vorher mitgeteilt, die beiden freigelassenen Geiseln in Empfang genommen zu haben.

Taliban mit Gesprächen zufrieden
Talibansprecher Qari Yousuf Ahmadi hatte die Freilassung der beiden Frauen angekündigt. Zur Begründung erklärte er, dass die Taliban mit den Fortschritten bei den direkten Gesprächen mit südkoreanischen Vertretern in Ghazni zufrieden seien.

Über die Freilassung der beiden Frauen hatten Vertreter der Taliban und Südkoreas direkt miteinander verhandelt. Ein Sprecher der Islamisten hatte zunächst gesagt, die Frauen seien bereits freigelassen worden. Später erklärte er jedoch, falsch verstanden worden zu sein. Talibansprecher Ahmadi teilte nun mit, der Führerrat der Bewegung unter Vorsitz von Mullah Mohammed Omar habe die Freilassung der beiden Koreanerinnen beschlossen.

Zwei Geiseln erschossen
Die Taliban erschossen zu Beginn der Geiselnahme zwei männliche Gruppenmitglieder. Die Kidnapper haben mit der Ermordung der übrigen Geiseln gedroht, falls ihre Forderungen nicht erfüllt werden. Die Regierung in Kabul hat es bisher abgelehnt, im Austausch für die Südostasiaten inhaftierte Islamisten freizulassen.

Die Taliban werden nach eigenen Angaben keine weiteren südkoreanischen Geiseln mehr freilassen, wenn nicht ihre Forderung nach einem Gefangenentausch erfüllt wird. Taliban-Sprecher Ahmadi sagte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur dpa:  "Solange sie (die Regierung) unsere Gefangenen nicht freiläßt, werden wir die restlichen Gefangenen nicht freilassen."

Einen Tag vor den Koreanern waren zwei deutsche Ingenieure entführt worden, von denen einer erschossen wurde. Von dem zweiten Bundesbürger, um dessen Freilassung sich der Krisenstab intensiv bemüht, gab es neue Nachrichten über Al-Jazeera. Der Korrespondent des Fernsehsenders berichtete, er habe telefonisch Kontakt zu der Geisel hergestellt. Der Deutsche habe an die Regierungen in Berlin und Kabul appelliert, sich ernsthaft für seine Freilassung einzusetzen. Die Entführer des Ingenieurs fordern den Abzug der mehr als 3000 Bundeswehrsoldaten aus Afghanistan.

Die deutsche Regierung spracht sich derweil für eine Beteiligung von Taliban an Aufbau und Stabilisierung Afghanistans aus. Für die Versöhnung in dem kriegszerstörten Land könne die Regierung in Kabul nicht auf deren Ausschluss setzen, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Vielmehr müssten "moderate, vernünftige" Vertreter, die am Wiederaufbau und an Aussöhnung interessiert seien, miteinbezogen werden. Ansprechpartner für die Bundesregierung bleibe dabei Afghanistans Präsident Hamid Karsai. Eine Einbindung der Taliban sei eine innerafghanische Angelegenheit, sagte Steg.

(apa/red)