Bewährungsprobe für Barack Obama:
Afghanistan zwischen NATO und Taliban

Sondergesandter Holbrook in heikler Mission Veränderungen in der US-amerikanischen Strategie

Bewährungsprobe für Barack Obama:
Afghanistan zwischen NATO und Taliban © Bild: Reuters

Der neue US-Präsident hatte Veränderungen angekündigt - auch außenpolitisch. Auf seiner globalen Werbetour im US-Wahlkampf setzte er deutlich andere Akzente in der Geopolitik als sein Vorgänger. Nicht der Irak, sondern Afghanistan sei der Fokus amerikanischer Ambitionen. Obama sieht in Kabul jenen gordischen Knoten, mit dem die vielfältigen Konflikte im Nahen und Mittleren Ostens gelöst werden sollen. Eine Strategie, die unter Experten und Geheimdiensten umstritten ist. Die Entsendung des Sondergesandten Holbrooke nach Kabul ist nun ein erster Schritt in diese Richtung.

Auf den Stufen des Kapitols verkündete der neue Präsident bei seiner Amtseinführung eine neue Herangehensweise an Afghanistan. Schon im Wahlkampf übte er scharfe Kritik an seinem Vorgänger: "Bush hätte erkennen müssen, dass die zentrale Front im Kampf gegen den Terror nicht im Irak liegt und dort auch nie lag", meinte er damals.

Große Herausforderungen
Nun muss Obama selbst beweisen, wie der den Karren aus den Morast zerren will. Die Ausmaße dieser Aufgabe haben jedenfalls monströse Züge, wie ihn von vielen Seiten attestiert wird. Erst jüngst veröffentlichten US-Geheimdienste einen Bericht über die steigende Macht der Taliban. Der Aufstand hat sich im vergangenen Jahr deutlich ausgeweitet. Inzwischen seien auch ehemals friedliche Gebiete rund um die Hauptstadt Kabul und andernorts betroffen, heißt es in dem vom US-Geheimdienstkoordinator Dennis Blair vorgelegten Jahresbericht an den Kongress. Trotz eines verstärkten Einsatzes der US- und NATO-geführten Streitkräfte gingen die Aufständischen aggressiver vor als früher. Auch die Zahl der Anschläge mit Todesopfern sei gestiegen.

Die fragile Lage in der Region belasten auch die transatlantischen Beziehungen. Während die USA Europa im Rahmen der NATO noch mehr in die Pflicht nehmen wollten, sträubten sich die Bündnispartner gegen ein intensiveres Engagement. Erst kürzlich versuchte der US-Vizepräsident Biden die Wogen auf der Sicherheitskonferenz in München zu glätten. Dennoch schimmerten mahnede Worte durch: "Die gute Nachricht ist: Amerika wird mehr tun. Die schlechte Nachricht: Amerika wird auch von unseren Partnern mehr verlangen."

Holbrooke hat nun die undankbare Aufgabe, den ersten Schritt der Bewährungsprobe für den US-Präsidenten zu setzen. Mit seiner Reise in die Region versucht er die geopolitischen Verhältnisse neu zu ordnen. Zum Empfang des Emmissärs hatten acht Selbstmordattentäter der islamistischen Taliban eine Anschlagserie auf drei Regierungsgebäude in Kabul mit mindestens 26 Todesopfer lanciert. Ein Empfang, der einen bitteren Vorgeschmack auf kommende Herausforderuzngen gibt.
(apa/red)