Bethlehem 2007: Wiege des Terrors

Bethlehem 2007: Wiege des Terrors

Heiligtum am Ende. Zwei Drittel arbeitslos, jedes zweite Kind unterernährt: Die Bewohner der Terrorhochburg werden von einer acht Meter hohen Mauer erdrückt.

Wir haben keine Arbeit. Wir können unsere Felder nicht erreichen. Der Tourismus ist am Ende. Wir sind umzingelt, unsere Lebensadern wurden abgeschnürt. Wir leben in einem Freiluftgefängnis.“ – Victor Batarseh, der Bürgermeister Bethlehems, macht seiner Verzweiflung mit immer drastischeren Worten Luft: „Derzeit haben zwei Drittel der Menschen hier keine Arbeit. Die Hälfte der Menschen leidet bereits an Unterernährung.“ Nur noch wenige Monate halte man das Leben hier noch aus.
Bethlehem im Jahr 2007 wurde zur Ruine eines Idylls. Jetzt, nur wenige Tage vor Weihnachten, soll eine neue Runde von israelisch-palästinensischen Friedensverhandlungen beginnen. Schritte hin zur Normalisierung sind dringend nötig. Während der Gaza-streifen zum Synonym für die aussichtslose Lage der Palästinenser geworden ist, spielen sich auch im Westjordanland schreckliche Szenen ab. Vor allem Kinder zahlen in Bethlehem, dem legendären Geburtsort von Jesus, den Zoll für den nicht enden wollenden Konflikt. Berichte aus den Spitälern der Stadt erinnern an Zustände in den ärmsten Ländern der Welt: Durchfallerkrankungen von Babys, die zum Tod führen, schwere Ernährungsdefizite, Mangel an lebenswichtigen Vitaminen.

Eingemauert in Armut. Noch im Jahr 1999 wurden in Bethlehem Touristenrekorde aufgestellt, zu den Jubiläumsfeiern 2000 reiste sogar der Papst an. Doch in diesem Jahr brach die zweite Intifada, der zweite Aufstand der Palästinenser gegen Israel, aus. Seither dreht sich die Spirale in Schwindel erregendem Tempo abwärts. Die Besucher blieben aus, fünfzig Restaurants, 28 Hotels und 240 Souvenirläden mussten schließen. Das Geld für Weihnachtsdekorationen fließt längst in Notfallsfonds für hungernde Familien.
Im Großraum Bethlehem, samt der Vororte und Dörfer, leben rund 180.000 Menschen. Aus dieser ehemals christlichen Nahost-Bastion wird nun, angesichts der Krise, mehr und mehr ein „normaler“ palästinensischer Bezirk. Noch 1947 lebten hier 85 Prozent Christen. Die Flüchtlingswelle nach dem Unabhängigkeitskrieg Israels und die Abwanderung vieler veränderte die Bevölkerungsstruktur. Heute machen Christen nur noch ein Drittel aus: Tendenz stark sinkend, da sie sich zwischen zunehmendem islamischem Radikalismus und dem israelischen Regime der Härte verlieren. Einzig ein besonderes Gesetz gilt hier nach wie vor, gleich ob Hamas, Fatah oder nur noch die Waffen regieren: Der Bürgermeister muss ein Christ sein.

Nur ein paar Kilometer entfernt liegt Jerusalem, doch der Übergang zur Schwesterstadt ist heute hermetisch abgeriegelt. Seit zwei Jahren ist Bethlehem von einer acht Meter hohen Mauer – in israelischer Diktion: durch einen Sicherheitssperrwall – vom Rest des Landes, in Wahrheit von der Welt abgeschnitten. Der Checkpoint am Eingang gleicht einer sterilen Schleuse, wo Menschen an Zäunen und durch Metallgitter penibelst kontrolliert werden: Wer hinein oder hinaus will, muss die Handflächen scannen lassen, wird vor Videokameras durchsucht. Einzig für Touristen und für Gäste mit ausländischem Pass wird die oft stundenlange Prozedur abgemildert. Nicht so für Palästinenser: Um die Stadt zu verlassen – nicht bloß Richtung Israel, sondern auch in andere palästinensische Gebiete –, müssen die Bewohner Bewilligungen vorweisen. Die meisten haben keine Chance, diese zu bekommen. Männer, die als Tagelöhner in Israel jobben wollen, müssen beweisen, dass sie eine Frau und Kinder haben. Selbst unter diesen Umständen sind die Papiere aber oft Glückssache.

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