Betancourts Rettung vorerst gescheitert:
FARC-Rebellen beenden einseitige Befreiung

Guerilleros fordern jetzt den Abzug von Streitkräften Kouchner reist in Kürze zu Gesprächen in die Region

Betancourts Rettung vorerst gescheitert:
FARC-Rebellen beenden einseitige Befreiung © Bild: Reuters/Munoz

Ingrid Betancourt bleibt auch weiterhin eine Geisel der kolumbianischen FARC-Rebellen. Ein Versuch Frankreichs, sie zu befreien, ist gescheitert. Das Außenministerium in Paris beschloss den Abzug der zur Rettung nach Kolumbien geschickten Gruppe, deren Mission auch von Spanien und der Schweiz unterstützt wurde.

Außenminister Bernard Kouchner betonte in Paris, dass Frankreich Betancourt nicht im Stich lassen werde. Er wolle schon bald zu Gesprächen in die Region reisen. Der genaue Termin sowie die Stationen der Reise Kouchners stünden noch nicht fest, sagte ein Sprecher seines Ministeriums in Paris.

Die Geiselnehmer der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) erklärten im Internet, die einseitige Freilassung von Geiseln sei beendet. Nach der Freilassung von sechs Gefangenen seit Jahresbeginn sei jetzt die kolumbianische Regierung am Zug. Die Guerilleros fordern den Abzug der Streitkräfte aus zwei Bezirken und die Freilassung von mehreren hundert inhaftierten Gesinnungsgenossen. Betancourt werde nur im Rahmen eines solchen Austausches freigelassen, erklärte die FARC.

Die Mitteilung der Guerilleros trägt das Datum 4. April. An diesem Tag landete ein Lazarettflugzeug aus Paris mit zwei Ärzten und zwei Diplomaten in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota. Frankreich habe die Aktion vorher nicht mit der FARC abgesprochen, hieß es in der Mitteilung. "Wir reagieren nicht auf Erpressung oder Medienkampagnen", erklärte die Rebellenführung.

Das Büro von Nicolas Sarkozy erklärte, der französische Staatspräsident sei sehr enttäuscht. Er bleibe weiter entschlossen, die Freiheit von Betancourt und allen anderen Geiseln zu erreichen. Betancourt besitzt neben der kolumbianischen auch die französische Staatsbürgerschaft.

Vor der französischen Initiative hatte Venezuela eine Vermittlungsmission gestartet. Der venezolanische Präsident Hugo Chavez nahm Kontakt mit der FARC-Führung auf, überwarf sich dann aber mit der kolumbianischen Regierung.

Die vor sechs Jahren verschleppte ehemalige Präsidentschaftskandidatin Betancourt ist nach Angaben von Angehörigen und freigelassenen Geiseln lebensbedrohlich erkrankt. Die 46-Jährige soll an Hepatitis B und einer Tropenkrankheit leiden. (apa/red)