Beste Saisonleistung: Salzburg von großer CL-Sensation nur noch einen Schritt entfernt

Trappatoni bremst: "Sind noch lange nicht in der CL" Bullen gewannen 61 Prozent der Zweikämpfe

Red Bull Salzburg hat genau zum richtigen Zeitpunkt seine bisher beste Saisonleistung abgerufen. Ein nicht einmal unverdienter 1:0-Heimsieg gegen den großen Favoriten Valencia CF im Hinspiel öffnete dem österreichischen Vizemeister das Tor zur europäischen Königsklasse zumindest einen Spalt weit.

In Salzburg ist man sich aber bewusst, dass das Rückspiel am 22. August ein ganz schweres wird. Erstens sind die Valencianer in der Vorbereitung bereits zwei Wochen weiter, zweitens liegt im berühmt-berüchtigten Estadio Mestalla kein Kunstrasen. "Dieses Spiel ist noch ganz weit geöffnet. Wir sind noch lange nicht in der Champions League", stieg Salzburg-Startrainer Giovanni Trapattoni daher auf die Euphoriebremse.

Zuvor hatte der Italiener sein Team wild gestikulierend zu einer Spitzenleistung getrieben. Die Salzburger gewannen 61 Prozent der Zweikämpfe gegen den spanischen Liga-Dritten und dominierten phasenweise das Geschehen. "Die Mannschaft hat Großes geleistet - auch spielerisch", meinte Kroatiens Teamkapitän Nico Kovac. "Gegen Valencia muss man aber zweimal 100 Prozent bringen."

Presse zieht über Valencia her
Der in der spanischen Presse bereits in die Kritik geratene Valencia-Trainer Quique Sanchez Flores reagierte betont gelassen. "Für uns ist noch nichts verloren. Wir haben phasenweise ganz gut gespielt, haben lediglich unsere Chancen nicht genutzt", erklärte der langjährige Spieler des sechsfachen spanischen Meisters. "Ich habe nach wie vor ein gutes Gefühl."

Ein Salzburger Auswärtstor in Spanien würde die Lage aber völlig verändern, zumal Salzburg-Keeper Timo Ochs seinen Kasten im Hinspiel mit einigen Glanzparaden sauber gehalten hatte. "Wenn uns das Tor gelingt, haben wir vielleicht die Chance, das Wunder zu schaffen", erklärte Abwehrchef Thomas Linke. "Denn Valencia hinauszuwerfen, das wäre schon ein kleines Fußball-Wunder."

Hoffen auf Auswärtstor
Den Mozartstädtern würde dann sogar eine 1:2-Niederlage reichen, um zwölf Jahre nach 1994 ein zweites Mal in die Eliteliga einzuziehen. Damals war dem SV Salzburg mit Maccabi Haifa aber ein vergleichsweise einfaches Los zugefallen. "Jetzt sind wir nach wie vor krasser Außenseiter", erklärte Thomas Winklhofer, der einzige "Bulle", der schon damals dabei war. Der Außenverteidiger war ebenso wie Rene Aufhauser eingewechselt worden - die beiden einzigen österreichischen Akteure beim ersten Europacup-Sieg eines österreichischen Teams gegen Valencia.

Für diesen hatte eine tschechische Co-Produktion besorgt, als Karel Pitak eine Flanke seines Landsmannes Patrik Jezek per Kopf verwertete. Pitak war lediglich als Ersatz für den gesperrten Deutschen Christian Tiffert in die Mannschaft gerutscht, war neben Ochs aber der überragende Mann auf dem Platz. "Ich bin überglücklich. Die Champions League ist ein absoluter Traum für mich", erklärte der 26-Jährige, der im Sommer als Kapitän von Slavia Prag nach Salzburg gewechselt war.

Den Traum von der größten europäischen Bühne darf Salzburg weiter träumen. "Fußball ist Theater. Ich muss dabei Musik machen. Wir wollen weiterhin ein gutes Orchester", philosophierte "Maestro" Trapattoni. Das Publikum in der Festspielstadt dankte dem temperamentvollen Dirigenten für die Galavorstellung mit Standing Ovations.
(apa/red)