Beschleunigt Haiders Tod Koalitionsbildung?
Rot-schwarz soll in nur einem Monat stehen

NEWS: Ressortaufteilung bleibt wohl nahezu gleich Faymann-Interview: Wird er unser neuer Kanzler?

Beschleunigt Haiders Tod Koalitionsbildung?
Rot-schwarz soll in nur einem Monat stehen © Bild: APA/Fohringer

Eigentlich wollte sich Josef Pröll ja Zeit lassen. Damit sich seine zerrissene Partei langsam wieder beruhigen könne. Der plötzliche Tod Jörg Haiders hat freilich vieles verändert. Denn dass Schwarz-Blau-Orange nun keine ernst zu nehmende Alternative mehr sein kann, muss selbst der größte Befürworter dieser Koalitionsform mittlerweile eingesehen haben. Und so sind nun rotschwarze Verhandlungen ab kommender Woche beschlossene Sache.

Hinter den Kulissen wird jedenfalls bereits auf Hochtouren gearbeitet. Laut ÖVP-Insidern könnte die rotschwarze Regierung bereits in weniger als einem Monat stehen. Zwar herrscht in der ÖVP-Basis nach wie vor große Skepsis gegenüber einer neuerlichen Polit-Ehe mit den Roten, und dort wollen viele lieber in die Opposition, doch VP-nahe Wirtschaftskreise haben den schwarzen Spitzenleuten unmissverständlich erklärt, dass angesichts der düsteren Wirtschaftsaussichten nun "alles ganz rasch gehen" müsse. In der Tat wissen sowohl Faymann als auch Pröll, dass eine rasche Regierungsbildung äußerst populär wäre.

EU-Kompromiss als Faymann-Umfaller?
Für SPÖ-Chef Faymann ist es derzeit wohl leichter als für Pröll. Denn der neue junge VP-Chef hat zwar vorerst Führungsstärke bewiesen und die Schienen auf Rot-Schwarz gestellt, doch im Hintergrund lauern mögliche Fallstricke. Immerhin will das Gros der ÖVP in Sachen EU keinerlei Kompromiss. Das heißt: Dort will man, dass Josef Pröll seinem Verhandlungsgegenüber das Bekenntnis zu einer Volksabstimmung über künftige weitreichende EU-Verträge wegverhandelt. Das freilich wird Faymann nicht zulassen, um nicht wie einst Alfred Gusenbauer ins Eck des "Umfallers" gedrängt zu werden.

Das rot-schwarze Kabinett
Sollte es schon bald zur rot-schwarzen Koalition kommen, dürfte sich an der bisherigen Ressortaufteilung nicht allzu viel ändern. Nur die Arbeitsagenden, die derzeitwerden wohl ins Sozialministerium unter Gewerkschafter Wilhelm Haberzettl wandern. Werner Faymann selbst wird als Kanzler vermutlich auch das Sportressort übernehmen. Josef Pröll will sich einige Überraschungen einfallen lassen. Er dürfte einerseits neue Köpfe für einige schwarze Ministerien präsentieren, aber auch für sich ein spezielles Ressort finden. ÖVP-Insider gehen davon aus, dass es Pröll etwa ins Außenministerium ziehen könnte.

Molterer als Stolperstein
Teile der ÖVP wünschen sich, dass der bisherige VP-Chef Wilhelm Molterer auch in der künftigen Regierung Finanzminister bleiben soll. Andere in der VP sorgen sich allerdings darum, dass er dann, wie einst Wolfgang Schüssel für Molterer, zum Stolperstein für Pröll werden könnte. "Dann wird es immer heißen, dass der Willi dem Sepp Pröll reinregiert", warnt ein VP-Mann. Auch für die SPÖ wäre Molterer nicht unbedingt eine vertrauensbildende Maßnahme. Immerhin war er es ja, der die rot-schwarze Koalition im Sommer aufkündigte.

Neuer Stil ist Pflicht
Einig sind sich Werner Faymann und Josef Pröll aber bereits darüber, dass diese Regierung einen "neuen Stil" braucht. Denn die Hauptgefahr einer neuerlichen rotschwarzen Regierung erkennt auch Faymann. Würde diese Regierung ähnlich streiten wie die vergangene, würde sich FPChef Heinz-Christian Strache als lachender Dritter die Hände reiben und den nächsten Wahlsieg einfahren.

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