Beruhigt sich Lage in den Pariser Vororten?
Präsident Sarkozy will nun hart durchgreifen

Ministerpräsident Fillon mittlerweile entspannter Randalierer setzen rund 30 Autos in Brand. Plus: <b>Bilder</b>

Beruhigt sich Lage in den Pariser Vororten?
Präsident Sarkozy will nun hart durchgreifen

Mit einem Großaufgebot hat die französische Polizei abermals versucht die Krawallmacher in den Vorstädten bei Paris in Schach gehalten. "Die Lage ist sehr viel ruhiger als in den beiden vorangegangenen Nächten", sagte Premier Francois Fillon im Pariser Vorort Villiers-le-Bel. Aber sie sei immer noch angespannt. Staatspräsident Nicolas Sarkozy kündigte ein hartes Vorgehen gegen die Randalierer an und betonte, dass Gewalttäter nicht davonkommen dürften.

"Wir werden die Schützen finden", sagte der Präsident, nachdem mehrere Polizisten in den vergangenen Tagen durch Schüsse aus Schrotgewehren verletzt worden waren. "Das kann man nicht tolerieren, auch wenn der Tod der beiden Jugendlichen auf dem Motorrad tragisch war."

Allein in Villiers-le-Bel hatte die Polizei rund tausend Polizisten stationiert, um eine dritte Krawallnacht in Folge zu verhindern. Wie die Behörden des Bezirks Val d'Oise erklärten, zündeten Jugendliche im Pariser Norden halb so viele Autos, Häuser und Mülltonnen an wie in der Nacht zuvor. Einige Polizisten seien leicht verletzt worden. In Les Muraux westlich der Hauptstadt bewarfen Unruhestifter die Polizei mit Benzinbomben. In der südwestfranzösischen Stadt Toulouse zündeten Randalierer in der Nacht rund zwanzig Autos an.

"Das ist versuchter Mord"
Sarkozy besuchte im Vorort Eaubonne einen Polizeikommissar im Krankenhaus, der zu Beginn der Krawalle schwer verletzt worden war. Wer auf Polizisten geschossen habe, werde sich vor einem Schwurgericht wiederfinden, sagte der Präsident. "Die Taten haben einen Namen, das ist versuchter Mord." Auf Beamte zu schießen sei "überhaupt nicht hinnehmbar".

Wie alles begann
Sarkozy war während der ersten Unruhen, die am 25. November nach einem tödlichen Zusammenstoß zwischen zwei Jugendlichen auf einem Motorrad und einem Polizeiauto begonnen hatten, auf Staatsbesuch in China und telefonierte von dort wiederholt mit Regierungschef Fillon sowie mit Innenministerin Michele Alliot-Marie. Seitdem wurden insgesamt 130 Polizisten verletzt.

Sarkozy empfing bereits die Eltern der beiden getöteten Jugendlichen aus Villiers-le-Bel im Elysee-Palast und kündigte ein richterliches Ermittlungsverfahren zum Tod der Jugendlichen an, wie der Anwalt der Familien, Jean-Pierre Mignard, mitteilte. Während Polizei und Staatsanwaltschaft von einem Unfall sprechen, hatten Bewohner aus dem Problemvorort vermutet, das Polizeiauto habe die Jugendlichen bei einer Verfolgungsjagd gerammt, und die beteiligten Beamten hätten den Jugendlichen dann keine Hilfe geleistet. Die Staatsanwaltschaft wies diese Angaben zurück. Mehrere Augenzeugen sagten laut Polizei aus, dass der 15- und der 16-Jährige ohne Helm und ohne Licht auf dem Minibike unterwegs gewesen und sehr schnell gefahren seien.

Entspannung?
"Die Gewalt geht wahrscheinlich zu Ende", meinte der Chef der Polizeigewerkschaft Synergie, Patrice Ribeiro, gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Alliot-Marie sagte dem Sender Europe-1, 39 Personen seien festgenommen worden, die Nacht sei aber "überwiegend ruhig verlaufen". Die massive Polizeipräsenz werde "so lange wie notwendig" beibehalten. In Villiers-le-Bel und den Nachbargemeinden war am Abend des 27. November ein massives Polizeiaufgebot stationiert worden. Spezialkräfte der Anti-Terror-Polizei RAID wurden zum Schutz öffentlicher Gebäude entsandt, Hubschrauber waren im Einsatz, die mit starken Scheinwerfern die Szene ausleuchteten.

Dies habe zur Eindämmung der Gewalt geführt, sagte Ribeiro. Zwar wurden auch in Toulouse 20 Autos angezündet und Feuer in zwei Büchereien gelegt, die schnell unter Kontrolle gebracht werden konnten. Landesweit gingen 138 Wagen in Flammen auf. "Aber das ist nicht mehr als an ein einem normalen Abend", sagte der Gewerkschaftschef. Er schloss ein neues Aufflammen der Gewalt nicht aus, wenn die beiden Jugendlichen, deren Unfalltod die Unruhen ausgelöst hatte, beerdigt werden. Ein Termin für die Beisetzung stand noch nicht fest.

(apa/red)